Commodore 64 – eine lebende Legende

Was Sie nachfolgend zu Lesen kriegen, ist nicht die Geschichte von Commodore Business Machines. Es ist die Geschichte des meistverkauften Computermodell’s aller Zeiten, des Commodore 64. Der jedoch ist untrennbar verknüpft mit diesem Firmennamen, denn mit diesem Computer hat sich der Konzern bzw. dessen CEO Jack Tramiel selbst ein Denkmal erschaffen. Commodore hat vor dem C64 und auch danach mit der Amiga-Reihe viele erfolgreiche Homecomputer entwickelt und verkauft. Doch der C64 bewegt die Gemüter wie kein anderer historischer Computer – bis heute. Fanclubs in aller Welt halten ihn und die dafür produzierte Soft- und Hardware weiterhin am Leben. Das erste Bauteil für den Commodore 64 wurde übrigens bereits 1981 für den Commodore VC-20 konzipiert. Welches? Das Gehäuse natürlich! Das ist die Überleitung, um den den ebenfalls farbfähigen Vorgänger VC-20 (in USA war die Modellbezeichnung VIC-20) zu erwähnen. Die eigenartig bauchige Gehäuseform, die der C64 vom VC-20 erbte, sollte ihm im deutschsprachigen Raum den Hätschelnamen Brotkasten einbringen.

Commodore VC-20, der Vorgänger des C64

Erwähnenswert in diesem Zusammenhang ist auch, daß der seit 1981 verkaufte VC-20 (der “Volkscomputer”) nach zwei Jahren Laufzeit im Jahr 1983 der erste Computer der Welt war, der sich 1 Million mal verkaufte. Doch der C64 sollte ihm diesen Rang schon bald gründlich ablaufen. Es wird angenommen (verläßliche Zahlen existieren leider nicht), das vom C64 bis zum Produktionsende 1992 weltweit mehr als 13 Millionen Stück abgesetzt wurden, manche Schätzungen gehen sogar bis 17 Millionen. Dabei wurde der Computer im Laufe seiner 10 jährigen Bauzeit technisch kaum verändert!

C64, Floppy VC1541, Drucker MPS-801, Monitor 1701

Als Verfasser bin ich mir der großen Anzahl der C64-Spezialisten wohl bewußt. Um es gleich vorweg zu nehmen: ich bin keiner. Der nachfolgende Text sollte für eine möglichst große Anzahl an Leuten informativ und möglichst gut verständlich sein, in Assembler- oder Elektronikkursen soll das Ganze nicht enden. Ich werde bei vielen Hard- und Softwarethemen absichtlich nur an der Oberfläche kratzen, um mich nicht weiter als nötig mit C64-Profis auf Fachdiskussionen einlassen zu müssen (dafür gibt’s das www.forum64.de). Korrekturen und Ergänzungen von Fachleuten in den Text einzubauen würde mich jedoch sehr freuen.

Die Geburt des “Multimillionärs”

MOS Technology (Chipschmiede, 1976 von Commodore übernommen) hatte schon 1980 die neue CPU 6510 (Nachfolger des CPU 6502) fertiggestellt. Daher beschloß man im Januar 1981, auch die Peripherie-Chips des VC-20 zu überarbeiten. Bereits am Ende des gleichen Jahres konnte die Fertigstellung neuartiger Video- und Soundchips vermeldet werden. Die neuen Chips hätten eigentlich in einer reinen Spielkonsole enden sollen, aber Jack Tramiel, der allmächtige CEO von Commodore, hatte es sich anders überlegt. Ein neuer Homecomputer sollte viele Unzulänglichkeiten des VIC 20 beheben. Kurzfristig wurden in der Folge alle Planungen bezüglich einer neuen Spielkonsole eingestellt, gegen den Willen der Commodore-Aktionäre. In kürzester Zeit sollte nun auf Basis der neuen CPU 6510 und vorgenannter Chips auf der Winter CES im Januar 1982 der neue Homecomputer VIC-30 als Nachfolger des VIC-20 vorgestellt werden. Mit 64KiB RAM und trotz der im Vergleich zum VC-20 gesteigerten Farb- und Soundfähigkeiten wurde ein damals sensationeller Preis von unter 1000US$ angesetzt. Doch auch diesen Preis reduzierte man bereits zur Markteinführung auf nur ca. 600US$. Tramiel war sich wohl bewußt, daß dies unter Berücksichtigung der gebotenen Ausstattung eine Sensation sein würde. Das VIC-20 Basic musste schnellstmöglich den erweiterten Fähigkeiten des neuen Rechners angepasst werden. Wie beim Vorgänger (und vielen anderen Homecomputern dieser Zeit) sollte es nicht nur als integrierte Programmiersprache dienen, sondern auch als Ersatz eines echten Betriebssystems zum Ansteuern des eigentlichen Kernal. Die Routinen in diesem Kernal (ebenfalls in einem ROM Baustein gespeichert) enthalten die eigentlichen Schnittstellen zu den spezifischen Chips des C64 (z.B. Bildschirm, Tastatur, Schnittstellen zu den angeschlossenen Peripheriegeräten). Da dieses Basic in einem ROM-Chip gespeichert ist und nach dem Einschalten des Rechners aus dem ROM in einen dafür vorgesehenen RAM-Bereich des Rechners kopiert wird, steht es nach dem Einschalten des Rechners sofort zur Verfügung. Das ist allerdings keine besondere Eigenschaft des C64, sondern damals gängige Praxis (u.a. Apple, Tandy, Sinclair), auch des VC-20 bzw. der CBM-Reihe.

Das Basic V2 des C64 ist – wie bei vielen anderen Homecomputern dieser Zeit – als sogenannter Interpreter implementiert. Jede Eingabezeile – mit RETURN abgeschlossen – wird vom Interpreter auf die Ausführbarkeit überprüft, dann in die für den Computer verständliche Maschinensprache übersetzt und ausgeführt. Da in jeder Programmiersprache die entsprechenden Befehle zum Ansprechen der spezifischen Peripherie (z.B. Diskettenlaufwerk, Drucker…) bzw. zum Aufrufen entsprechender Kernel-Routinen enthalten sein müssen, kann das Basic V2 des C64 praktisch wie ein Betriebssystem benutzt werden. Speziell die Befehle zum Verwalten von Diskettenlaufwerken sind allerdings sehr spartanisch und lange nicht so komfortabel wie beim Basic 4.0 der damals aktuellen CBM-Reihe.

Um obiges zusammenzufassen, es befinden sich im C64 also drei ROM’s mit folgenden Inhalten:

  • Das Kernal mit Routinen für Hardware-Initialisierung, Cursor-Positionierung und Zeichenausgabe, Tastaturabfrage und Disketten-Operationen
  • Dem Basic, das neben der Programmiersprache auch die Kommunikation zwischen dem C64 und dem Benutzer ermöglicht
  • Dem Zeichensatz, aus dem der VIC (8560, Grafikchip des C64) die Ausgabe der Textzeichen generiert

 

C64 Einschaltbild (Quelle: wikipedia)

Bei der Konzeption wurde streng darauf geachtet, das möglichst viel der vorhandenen Hardware-Peripherie des VC 20 auch am C64 benutzt werden konnte. Alles in allem würde Commodore die Messlatte im Bereich der Homecomputer höher legen als je zuvor. Tatsächlich konnte man den “Commodore VC40” auf der Winter CES im Januar 1982 ankündigen. Bereits im September des gleichen Jahres beginnt Commodore mit der Auslieferung des C64. Die Modellbezeichnung zu “Commodore C64” wurde vermutlich aufgrund der Hauptspeichermenge dann doch noch geändert. Auch der VC 20 wird weiterhin produziert, aber mit massiv gesenktem Preis.

Die leistungsfähige Hardware des C64

Bei einem Homecomputer in diesem Preissegment war Anfang der 1980iger Jahre der Anteil der Benutzer ziemlich hoch, die ihn ausschließlich zum Spielen benutzten. Leistungsfähige Grafik- und Soundeigenschaften waren daher extrem wichtig. Zum Spielen braucht man Joysticks, entsprechende Anschlüsse waren daher bei Homecomputern obligatorisch. Da viele Spiele auch über die Tastatur gespielt werden, ist auch deren Qualität ein wichtiges Merkmal. Viele möglichst standartisierte Schnittstellen ermöglichten das Anschließen unterschiedlicher Peripheriegeräte. Trotz des Mehrwerts, auch Geschäftsanwendungen benutzen zu können, durfte ein Homecomputer gegenüber einer reinen Spielkonsole Anfang der 1980iger Jahre nicht zu viel mehr kosten.

Was konnte der C64 bieten?

  1. 64 KiB RAM standardmäßig in einem Homecomputer, das war 1982 fast unverschämt. Viele oft doppelt so teure Geschäftscomputer (dazu zählt auch der 1981 erschienene IBM PC) mussten sich mit dem gleichen Hauptspeicher begnügen. Auch wenn Commodore für diesen Luxus so manche “Beschneidung” an anderer Stelle (z.B. bei Schnittstellen, Austattung mit Peripherie, Dokumentation) vornehmen musste, um den angepeilten Verkaufspreis halten zu können.
  2. Kein anderer Computer dieser Zeit besass einen derart leistungsfähigen Soundchip. Noch 10 Jahre nach Erscheinen des C64 konnten mit dem SID (Sound Interface Device, MOS 6581) Tonqualitäten produziert werden, für deren Erzeugung normalerweise ein wesentlich teureres Spezialequipment notwendig gewesen wäre. Der SID besitzt drei unabhängige und frei programmierbare Kanäle, drei mischbare Filter sowie zwei kaskadierbare Ringmodulatoren. Damit konnte er einen teuren analogen Synthesizer ersetzen. Es ist möglich, die damit erzeugten Tonfolgen über die Heimstereoanlage in HiFi-Qualität abzuspielen.
  3. Der VIC (Video Interface Controller, MOS 8560) ist nicht nur farbfähig, er hat weitere beachtliche grafische Möglichkeiten. Die maximale Auflösung von 320*200 ist für hochwertige Computerspiele mehr als ausreichend. Leider fehlten dem betagten Basic V2 leistungsfähige Befehle (Plot, Line, Fill etc.) um diese Grafikfähigkeiten auch komfortabel zum Leben zu erwecken. Normalerweise muß man hier Maschinensprache einsetzen, sich im Basic mühsam mit Poke-Befehlen helfen oder sich Erweiterungen wie “Simon’s Basic” bedienen. Die im Vergleich zum VC 20 höhere Anzahl von Bildschirmzeichen (40 x 25) erlaubt zwar endlich auch einigermassen ansehnliche Anwendungen, für Textverarbeitung ist der C64 aber dennoch nur bedingt geeignet. Eine echte Besonderheit sind die sogenannten Sprites. Bis zu acht dieser kleinen grafischen Objekte (maximale Größe 24 x 21 Punkte) konnte der VIC gleichzeitig und unabhängig voneinander (!) am Bildschirm bewegen. Die Programmierung der Sprites ist allerdings recht kompliziert. Dafür besitzt der VIC die Fähigkeit, Kollisionen zwischen zwei Sprites oder auch zwischen einem Sprite und einem z.B. Buchstaben festzustellen und dem Programmierer damit die Möglichkeit zu geben, darauf mit Grafik- und Toneffekten zu reagieren. Für die Programmierung von hochwertigen, schnellen Games ist dieses Feature absolutes High-End und prädestiniert den C64 geradezu als Spielmaschine. In der Summe hatte kein anderer Homecomputer dieser Zeit ähnliche Grafikfähigkeiten vorzuweisen.
  4. Natürlich kann man auch die besondere CPU in Form des MOS 6510 hier anführen, die – vom Befehlssatz her – kompatibel mit dem 6502 des VC 20 ist. Die wichtigste Eigenschaft, die der 6510 hinzubekommen hat, ist das Bank-Switching. Es kann einen Speicherbereich mehrfach belegen und zwischen diesen Speicherbereichen umschalten (switchen). Ansonsten leistet der mit 1MHz getaktete 6510 im C64 – wie jede CPU in den meisten anderen Computer auch – die Hauptarbeit und kann wie jeder andere 8 Bit Prozessor maximal 64 KiB adressieren. Da der Commodore 64 jedoch bereits beim Einschalten sein Betriebssystem in Form eines Basic Interpreters aus dem Basic-ROM in einen bestimmten Bereich des RAM’s kopiert, stehen nur noch 38 KiB freier Speicher für Basicprogramme zur Verfügung. Die Speicherbereiche oberhalb des Basic’s sind mit I/O (SID, VIC, CIA, Farb-RAM) und den Kernal-Routinen belegt. Um die vollen 64 KiB dennoch nutzbar zu machen, hat der 6510 eine besondere Fähigkeit: durch Setzen von bestimmten Bits der I/O Port-Adressen 0 und 1 kann er das Basic ROM oder auch das Betriebssystem (Kernal) ausblenden. Dadurch stehen dann die vollen 64 KiB zur absolut freien Verfügung eines jeden Programmierers, der der Maschinensprache mächtig ist. Das Kernal-ROM kann zwar vor dem Abschalten in einen RAM-Bereich kopiert werden, allerdings muß der Assembler-Programmierer gute Kenntnisse über die entsprechenden Einsprungsadressen haben, um die ROM-Routinen auch nutzen zu können. Nicht-Programmierern erscheint der C64 in diesem Zustand als “tot”, ihnen bleibt nur noch das Aus- und Einschalten des Rechners. Das CP/M Modul z.B. benutzt diese Fähigkeit des 6510, das nicht mehr benötigte ROM-Basic auszublenden und somit ca. 50 KiB RAM zur Verfügung zu stellen. Nach dem Booten von CP/M bleiben dann immerhin 44 KiB freier Speicher für Anwenderprogramme übrig.

Eines der ersten deutschen Commodore-Werbeprospekte für den C64 von 1983

Commodore-Werbeprospekte für den C64, ebenfalls aus 1983

Testbericht Computer Persönlich März 1983

Was musste man ausgeben

In Deutschland wurde der C64 ab Anfang 1983 zu einem Listenpreis von knapp 1400 DM angeboten. Erste Werbeanzeigen und Testberichte für bzw. über den C64 finden sich in Fachmagazinen. In der nachfolgenden Reihe geben die beiden mittleren auch Aufschluß über die anfänglichen Preise. Aber auch bei uns senkte Commodore den Preis für den Rechner in den folgenden Jahren permanent.

Discounter wie z.B. Vobis fungierten hierzulande als Preisbrecher (1098 DM, Preisliste Juni 1983, später stand als Preisangabe nur noch “auf Anfrage”). Die Konkurrenten Texas Instruments (mit dem TI 99/4a), Sinclair (Spectrum) sowie Atari (Atari 800 XL) lieferten sich mit Commodore einen regelrechten Preiskrieg. So sank der Straßenpreis bereits Ende 1983 auf ca. 800 DM. Aber mit dem C64 alleine war es ja nicht getan. Nur um zu Spielen reichte ein Fernseher, denn ein HF-Modulator war bereits eingebaut und ein Antennenkabel wurde mitgeliefert. Dann noch ein paar Steckmodule und ein Joystick, und schon konnte man loslegen. Aber um eigene Programme zu speichern oder Software auf Kassetten (im Vergleich zu teuren Programmmodulen) verwenden zu können, kamen rund 200 DM für eine (extrem langsame) Datasette dazu. Die schnellere Floppy 1541 lag bei rund 900 DM. Farbmonitore waren 1982/1983 noch unerschwinglich teuer, und speziell für den C64 gab es vor 1983 auch gar keine. Wollte man nicht den Fernseher benutzen und konnte/wollte keine 1500 DM für einen Farbmonitor wie den ab 1983 erhältlichen 1701 ausgeben, dann war man auf monochrome Monitore im Bereich von ca. 300-500 DM angewiesen. Als Standarddrucker für die serielle Schnittstelle stand anfangs nur der grafikfähige VC 1515 zur Verfügung. Für Korrespondenz war der allerdings untauglich, er verarbeitete nur 8 Zoll breites Papier, war langsam und machte einen gigantischen Lärm. Einen passenden (seriellen) Schönschreibdrucker gab es anfangs von Commodore nicht. Hier musste auf Fremdfabrikate zurückgegriffen werden.

Der Weg zum meistverkauften Computer war steinig

Nicht nur wegen der hohen Ausfallrate war der Absatz der C64 anfangs nicht überragend. 1982 musste Commodore 25% Rückläufer bearbeiten. In der Regel wurden die defekten Geräte einfach ausgetauscht. Angeblich vollkommen unbürokratisch sogar ohne Vorlage eines Kaufbelegs! Erst als 1983 die ersten Rechner ohne Kinderkrankheiten auf den Markt kamen, lief es besser. Viele Benutzer des in der Anschaffung billigeren VC 20 erkannten, das der teurere C64 schon einige Features enthielt, die beim VC 20 erst teuer nachgerüstet werden mussten. Auch die jetzt wie Pilze aus dem Boden spriesende leistungsfähigere Software (die es selbstverständlich auch von Commodore selbst gab), die ersten Bücher sowie erste Hardwareerweiterungen wie Floppybeschleuniger und Grafikerweiterungen (Simons Basic, Logo) machten den C64 für Käufer zunehmend attraktiver. Das ebenfalls als Zubehör angekündigte, heiß ersehnte CP/M Modul liess jedoch noch auf sich warten. Der VC 20 war aufgrund des stark abgesenkten Preises von unter 500 DM aber immer noch das erfolgreichste Commodore-Modell und wurde 1983 zum 1.000.000 mal verkauft. Doch auch beim C64 schnellten die Verkäufe rapide nach oben. Es war nur noch eine Frage der Zeit, wann er dem VC-20 den Rang ablaufen würde. Um die weltweite Nachfrage zu befriedigen, musste Commmodore im 2. Halbjahr 1983 bereits 200.000 Stück pro Monat produzieren.

Was machte letztendlich den Verkaufserfolg des C64 aus?

Diese erstaunliche Entwicklung zum meistkauften Computermodell aller Zeiten kann sicher nicht mit einem Satz und auch nicht nur rational erklärt werden. Sicher spielte der günstige Preis eine große Rolle, auch die breite Vermarktung über Elektronikhandel, Kaufhäuser und Versandhandel. Aber es gibt aber noch andere Gründe, die man anführen kann:

  • die Konkurrenz in Form des Atari 800, Sinclair Spectrum, TI 99/4a, EACA Color Genie, Dragon 32/64 oder Oric 1 hatten keine vergleichbare Hardware zu bieten. Jedem fehlte irgendwas im Vergleich zum C64. Entweder zuwenig Speicher, oder keine ordentliche Farbgrafik, schlechte Tastatur, mickriger oder ganz fehlender Sound, mangelndes Zubehör, Lieferengpässe oder einfach mindere Qualität. Erst mit dem Schneider/Amstrad CPC kam 1984 ernstzunehmende Konkurrenz. Vielleicht zu spät, denn dem Schneider fehlte natürlich die zu diesem Zeitpunkt bereits die immense Softwarepalette des C64. 1983 wäre nur der Apple IIe ein diesbezüglich ernsthafter Konkurrent gewesen. Er bot vergleichbare, teilweise sogar überlegene Leistungen (z.B. sein Basic), eine deutsche Tastatur (wodurch er für Geschäftsanwendungen besser geeignet war) sowie ebenfalls ein extrem breites Softwareangebot. Zudem verfügte über er Steckplätze und konnte so leicht hardwaremässig aufgerüstet werden (z.B. um Karten für CP/M und/oder 80 Zeichen Darstellung). Als Spielmaschine war der Apple IIe schon wegen der fehlenden Soundfähigkeiten – weniger zu gebrauchen. Zuletzt das vermutlich ausschlaggebende Argument gegen den Apple: er war doppelt so teuer wie der C64, der bereits 1983 für nur ca. 1400 DM zu haben war.
  • Weltweit stiegen viele Firmen voll auf den C64 ein, in Deutschland allen voran Data Becker. Schon das magere Handbuch des C64 liess viel Raum für zusätzliche Information. Data Becker vermarktete 1983 neben Standardsoftware (Datamat, Textomat u.v.m.) auch weiterführende Bücher wie das über 300 seitige C64 intern sowie Tips&Tricks. Obwohl stellenweise fehlerhaft waren die Bücher sehr praxisorientiert, da sie meistens von den Programmiereren verfasst wurden, die auch die Software für Data Becker entwickelten. Aber auch Commodore erkannte diese Lücke und vermarktete – teilweise aus dem englischen übersetzte – Fachbücher unter eigenem Label. Speziell auf den C64 abgestellte Zeitschriften (z.B. die sehr erfolgreiche “64er” vom Markt&Technik-Verlag) erschienen schon 1984 in Erstausgaben, andere sollten folgen (RUN). Am speziell in Deutschland grossen Erfolg des C64 hatten die Zeitschriften und Buchverlage (Data Becker, Hofacker, Sybex etc.) sicher großen Anteil. Hersteller wie Roßmöller, Dela, Rex und viele andere erweiterten den C64 hardwareseitig. Sowas gab es für die anderen Computer wie Sinclair, TI 99/4a oder EACA Color Genie in dieser Vielfalt einfach nicht.
  • Der C64 selbst war technisch geheimnisvoll, denn er verbarg anfangs jede Menge “schlummernde Reserven” bezüglich seiner Leistungsfähigkeit vor den Anwendern. Commodore lieferte viel mehr Hardware aus, als mit dem firmeneigenen Equipment genutzt werden konnte. Diese versteckten Leistungen freizulegen weckte den Ehrgeiz vieler Hardware- und Softwareentwickler. Weitere Verbesserungsmöglichkeiten steckten im integrierten Basic (das die Grafikfähigkeiten des C64 überhaupt nicht unterstützte) und im nicht gerade optimierten Betriebssystem. Ähnlich wie bei “Open Source” entwickelten viele aufgeweckte Hobby-Programmierer leistungsfähigere Ersatzlösungen für viele Standard-Routinen bei Datasette und Floppy 1541 (z.B. Format, Laden, Speichern, Monitore u.v.m.) und veröffentlichten diese in Fachzeitschriften. Das bauchige Gehäuse des C64 hatte – vor allem in der Höhe – Platz für Hardwareerweiterungen. So mancher Elektronikbastler kannte den Schaltplan des C64 bald besser als die eigene Freundin/Frau/Auto. Gerade auf diese Hardwarebasteleien soll später noch näher eingegangen werden.
  • Bereits in den Anfangsjahren tauchten auch eine große Anzahl unterschiedlichster Programme auf. Es gab viele Programmierer, die ihre Software aus verschiedenen Gründen geschrieben und nicht urheberrechtlich geschützt hatten und die daher frei verbreitet wurden, ohne dass eine Registrierungsgebühr erforderlich war. Dies trug erheblich zur Verfügbarkeit erschwinglicher Software bei.
  • Ein weiteres interessantes Phänomen waren die Commodore-User-Groups, die sich frühzeit bildeten. Sie resultierten aus der Notwendigkeit und dem Wunsch der C64-Benutzer, Informationen über ihre Computer und Interessen auszutauschen. Benutzergruppen waren auch bei anderen Computermarken wie Atari, Sinclair und Amstrad beliebt, aber wahrscheinlich nicht in dem Ausmaß, wie sie sich die Szene bei Commodore-Benutzern entwickelte. Der C64 wurde von vielen als der ideale Hobby-Computer angesehen, und das nicht nur wegen seines Preises. Häufig entwickelten diese Personen (die oft mehr Zeit als Geld hatten) eine unglaubliche Loyalität gegenüber den Commodore-Computern.

Nachfolgend zwei Auszüge aus dem Katalog des bekannten Fachhändlers Conrad Electronic aus dem Jahr 1986. Im Ersten sehen Sie nicht nur die damals aktuellen Preise für den C64 und dessen Peripherie, sondern auch die der Konkurrenz von Atari, Sinclair und Schneider etc. Das Zweite zeigt das kommerzielle Software-Angebot für den C64 zu dieser Zeit.

Conrad 1986, Computer Katalog

 

 

 

 

 

 

Die Modellpflege des “Brotkastens” chronologisch…

Die erste Revision des C64-Betriebssystems war eine reine NTSC Version für den amerikanischen Markt. Die Änderungen in der zweiten Revision beschränkten sich auf die Anpassung an den europäischen Fernsehstandard PAL. Zwischenzeitlich stellten sich auch einige ärgerliche Fehler im Betriebssystem heraus. Wenn bestimmte Tastenkombinationen betätigt oder bestimmte Farben gleichzeitig am Bildschirm dargestellt wurden, stürzte der C64 schlicht und ergreifend ab und musste aus- und eingeschaltet werden. Commodore reagierte relativ schnell und kulant. Die betroffenen Computer wurden einfach zurückgenommen bzw. ausgetauscht. Anfang 1983 wurde zwecks Beseitigung dieser Fehler die dritte und endgültige OS-Revision nachgeschoben. Ein in der Szene bekannter Poke Befehl, der die erste Speicherstelle im Video-RAM anspricht, gibt Auskunft über die Version des Betriebssystems: Poke 1024,1. In der Urversion wird ein weisses “A” ausgegeben, in der zweiten ein blaues (unsichtbar, da es der Hintergrundfarbe entspricht) und in der letzten Version ein wieder sichtbares hellblaues “A”.

Einige haben vielleicht die Originalverpackung des C64 im Kopf, auf der ein C64 abgebildet war, wie ihn letztlich die wenigsten besaßen. Der Ur-C64 hatte noch nicht den Regenbogenstreifen im Logo und ein “64” statt dem späteren “Power” neben der Betriebs-LED stehen. Die Funktionstasten waren noch grau und die Beschriftung der Tastatur recht gross, ähnlich der des VC-20. Das änderte sich im Laufe des Jahres 1983, dem zweiten Produktionsjahr des C64. Ab da hatte der C64 die Optik, die er – abgesehen von immer wieder mal abweichenden Gehäuseoberflächen und Tastenfärbungen – bis 1986 behalten sollte. Der C64 mit den silbernen Logos, der auf der Verpackung abgebildetet war, blieb jedoch bis zum Erscheinen des C64C.

In unserer Sammlung befinden sich zwei C64 mit silbernen Logo mit verschiedenen Platinen-Revisionen.

Die Variationen des C64 bezüglich Gehäuse- und Tastaturfarben und vor allem die Bauarten der Platine sind fast nicht mehr überschaubar. Dies hatte – zumindest softwareseitig – nie Auswirkungen auf die Kompatibilität. Auf der Hardwareseite konnte es sich Commodore jedoch nicht verkneifen, verschiedene IC’s bzw. deren Hersteller hier und da zu wechseln. Das wäre weiters nicht schlimm gewesen, wenn nicht auch manchmal an der Pin-Belegung gefummelt worden wäre. Vielleicht sogar absichtlich, um damit Clones (Nachbauten) zu erschweren. Wann welcher Chip auf der Platine gesockelt wurde oder nicht, das ließ sich Commodore sowieso offen. Metallabschirmungen für den Grafikchip (VIC) kamen und gingen. In den Jahren 1983 gab es zwei, 1984 drei verschiedene Platinen. Boards mit dem Herstellungsjahr 1985 sind allerdings überhaupt nicht bekannt. Während der gesamten Bauzeit wurden immer wieder Modifikationen vorgenommen, um den Strombedarf zu senken oder um einfach nur Kosten einzusparen.

SX 64, der tragbare C64

Ende 1982 kündigte Commodore unter der Modellbezeichnungen SX-100 (Single Drive) und DX-64 (Double Drive) erstmals tragbare Varianten des C64 an. Beide Modelle sollten einen integrierten Monitor besitzen, der SX-100 monochrom (mit einem Diskettenlaufwerk, der DX-64 farbfähig (mit zwei Diskettenlaufwerken). Doch weder in der einen noch in der anderen Form sollte er jemals produziert werden. Erst Ende 1983 kam das Gerät als SX 64 auf den Markt, tatsächlich mit einem kleinen integrierten 5″ Farbmonitor, nur einer eingebauten 1541 und einer abgesetzten Tastatur. Bis zu diesem Zeitpunkt gab es noch keinen tragbaren Computer mit einem Farbmonitor! Für eine bessere Lesbarkeit der kleinen Farb-Röhre wurden lediglich die Farben des Einschaltbilds modifiziert. Weil eine Floppy bereits eingebaut war, konnte Commodore beim SX 64 auf einen Kassettenanschluss (die entsprechenden Routinen fehlen auch im ROM) verzichten. Auch der Anschluß für den Fernseher fiel weg, dafür ist ein Anschluß für einen (größeren) externen Monitor vorhanden. Alle Platinen ermöglichten zwar die vollständige Kompatibilität zum normalen C64, wurden aber für den Einbau in das Portable modifiziert. Ein Manko für einen eigentlich mobilen Computer ist, wenn ein Akku fehlt. Dies ist beim SX64 der Fall, wodurch für den Betrieb immer eine Steckdose notwendig ist. Ein Vorteil des SX64 war, das aufgrund der nahezu vollständigen Software-Kompatibilität die gesamte Palette der für den C64 verfügbaren Software (incl. der auf Steckmoduln gespeicherten) genutzt werden konnte. Lediglich Programme, die aus irgendwelchen Gründen versuchten, die Routinen des Kassettenports anzusprechen, sollten nicht laufen.

Commodore-Werbeprospekte für den SX-64 von 1984

 

 

 

 

 

 

 

Eine große Verbreitung erlangte der SX64 nicht, schon wegen des hohen Kaufpreises von knapp 3000 DM. Dazu kam, das es ab 1983 bereits brauchbare Laptop’s gab, die sehr viel kleiner und leichter waren und trotzdem einen eingebauten Akku besaßen. Weil er aber relativ selten ist, ist er bei Commodore Fan’s seit vielen Jahren ein beliebtes Sammlerstück.

Der C64 C, das neue Modell

Wirklich neu ist nur das Design. Das nun flache Gehäuse ist dem 1985 erschienenen C128 (siehe weiter unten) angepasst und wirkt moderner als das Alte, der C64-C bzw. C64 II ist aber leider auch kein “Brotkasten” mehr. Die Tastatur ist identisch, so das sie auch mit dem Vorgänger verwendet werden kann. Angeblich hatte Commodore die Markteinführung bis 1986 hinausgezogen, denn fertig war der C64 C bereits 1985. Der Grund für die Auslieferungsverzögerung war, das sich der “alte” C64 in der Brotkastenform noch so prächtig verkaufte. Die eigentliche Sensation bei der Einführung des C64 C ist aber das neue, per Diskette ladbare grafische Betriebssystem GEOS (entwickelt von Berkeley Softworks), das standardmässig zum Lieferumfang gehörte.

Prospekt C64 II aka C64 C

 

 

 

 

 

 

 

Ein echtes Problem beim C64 C ergab sich für Hardwarefirmen- und bastler durch die höhere Integration der Bauteile auf der neuen Platine. Zudem beschränkte das flachere Gehäuse interne Hardwareerweiterungen bezüglich der Bauhöhe. Viele dieser schönen internen Zusatzplatinen waren daher nicht mehr verwendbar und mußten völlig neu konzipiert werden mussten. Ab 1987 – mit der Platinen-Revision 3 (betrifft auch G-Modell und Aldi-C64) – erfolgte die nächste umfassendste Modifikation. Das dabei Betriebssystem und Basic in ein einziges 16K-ROM verpflanzt wurden war noch das kleinste Problem. VIC und SID wurden durch neue Chips ersetzt, was – zumindest beim SID – zudem zu einer qualitativen Abwertung führte.
Das neue Gehäuse des C64 C fand nie – bis in die heutigen Tage – die Akzeptanz des “Brotkastens” (siehe C64 G).

C64 G, der erste Retro-Computer ?

Aufgrund von vielen Kundenanfragen entschloss man sich bei Commodore 1987 zu einer Neuauflage des alten “ausbaufähigen” Gehäuses als Commodore Video Supergame 64 (nicht zu Verwechseln mit dem Modelltypen GS, siehe weiter unten). Die Gehäuse wurden jetzt in weiß gehalten, die Farbe und Bedruckung der Tasten wechselte im Produktionszeitraum mehrfach. Dafür wurde die Platine nochmals überarbeitet und viele Bauteile ersetzt. Das RAM schrumpfte auf zwei Chips, die CPU 6510 wurde durch den 8500 (aus dem C128) ersetzt. Insgesamt waren die Veränderungen so stark, das die Fangemeinde bis auf das alte Gehäuse darüber nicht glücklich gewesen sein dürfte. Dazu dürfte auch beigetragen haben, daß viele Erweiterungen nicht mehr funktionierten, da die 9V-Spannung des C64C und seiner Vorgänger nicht mehr enthalten war. Man hatte eben auf eine Neuauflage der alten “Bastelkiste” gehofft. Die Softwarekompatibilität jedoch war gelungen, darüber konnte man sich nicht beschweren. Die C64 G wurde bis 1990 verkauft. Der C64 C wurde in dieser Zeit natürlich weiterproduziert.

Weitere Varianten des C64

Eine erste C64 Variante entstand bereits 1982, als sich Commodore entschloss, den im Schul- und Ausbildungsbereich weit verbreiteten Apple Computern Konkurrenz zu machen. Weiterlesen.

Der Commodore 128 wurde 1985 vorgestellt. Er integriert einen kompletten, softwarekompatiblen C64, stellt jedoch zusätzlich einen leistungsfähigeren C128 Modus sowie einen Modus für das Betriebssystem CP/M zur Verfügung. Die beiden letztgenannten können in 80 Zeichen-Darstellung betrieben werden und waren somit für professionelle Geschäftsanwendungen geeigneter als die 40 Zeichen des C64. Besonders die Möglichkeit, auf die riesige Software-Biblitohek von CP/M Zugriff zu haben (Wordstar, dBase II, Multiplan) war für die Commodore-Marketingabteilung sicher ein verkaufsförderndes Werbeargument für den C128. Der potentielle Käufer hatte nun die Auswahl, sich statt eines C64 für mehr Geld mit dem C128 sozusagen einen C64 mit zusätzlichen (Business-)Optionen zuzulegen. Wer jedoch nur Zocken wollte, für den war der billigere C64 eigentlich die bessere Wahl. Man muß allerdings davon ausgehen, das der C128 in der Praxis die meiste Zeit im C64-Modus betrieben wurde. Obwohl es durchaus auch für den C128-Modus und damit möglichen 80-Zeichen durchaus Standard-Software gab. Wegen der häufigen Verwendung als C64-Ersatz wird dieser technisch doch recht komplexe Computer in diesem Artikel als C64-Variante aufgeführt. Den C128 gab es auch in einer Desktop-Ausführung mit abgesetzter Tastatur, eingebauter Floppy 1571, Tragegriff und eingebautem Lüfter (Commodore C128D). 1986 folgte noch der C128D-CR, zur besseren Abschirmung im Blechgehäuse und aufgrund eines neu konzipierten, stromparenden Mainboards ohne Lüfter.

Ein Teil unserer Lagerbestände an C64 und C64C in OVP

Dann gab es da noch einen entsetzlich kastrierten C64 für den japanischen Markt. Der VC-10 (auch “Max Machine”) kam 1984 heraus und war ausschließlich zum Spielen gedacht, denn der serielle Port und der Userport wurden eingespart, das RAM von 64 KiB auf 4 (!) KiB zusammengestutzt. Die Folientastatur war eher eine Notlösung, vermutlich um Spielstände eingeben zu können.

Commodore Max Machine

Irgendwann 1987 kam in Deutschland die Supermarktkette Aldi erstmals auf die glorreiche Idee, mit dem C64 erstmals einen Computer in seinen Filialen anzubieten. Dafür wurde ein eigenständiges Modell erzeugt, das trotz des Dumpingpreises auch noch Gewinn in Aussicht stellen konnte. Man nahm die Hauptplatine des C64 C und dessen Tastatur und verpflanzte alles in Restbestände des bekannte “Brotkasten”-Gehäuse des C64, legte eine Datasette und Geos in die Packung, fertig war der Billig-C64. Die Zeitschrift “64er” betitelte dieses Modell bald als “Aldi-C64”. Eine Besonderheit soll an dieser Stelle noch erwähnt werden: bei allen (!) anderen Modellen, die vorher und nacher produziert wurden, lag eine 9 Volt Spannung am Userport an, die beim “Aldi-C64” fehlte. Damit wurde so mancher Erweiterung, die an dieser Schnittstelle betrieben wurde (z.B. Eprommer) der Strom entzogen, wodurch Sie nicht mehr funktionierten. Böse Zungen behaupten, die fehlende Spannung wäre ein Produktionsfehler gewesen und Commodore “entsorgte” auf diese Art die Platinen, die sonst hätten entsorgt werden müssen. Dieses Modell wurde übrigens nur in Deutschland verkauft und ist daher bei Commodore-Sammlern im Ausland recht begehrt.

Das Modell C64 GS (Games System) erschien 1990 für ca. 650 DM und war ein vollständiger C64 II ohne Tastatur und serielle Schnittstelle. Gedacht als reine Spielkonsole, die nur mit Steckmodulen im Erweiterungssteckplatz zum Leben erweckt werden konnte. Einer von vielen Commodore-Flops, denn ein kompletter C64 war nicht viel teurer als der GS, ein Gebrauchter mit Sicherheit ein ganzes Stück billiger. Zudem benötigten auch viele Spielmodule eine Tastatur, die der GS nicht hatte. Diese Variante wurde dann auch bald wieder eingestellt.

C64 Games System

Wir haben kein originales C64GS in der Sammlung, nur einen Nachbau. Der Elektronik-Vertrieb Völkner hat Anfang der 1990iger Jahre die C64 GS Gehäuse abverkauft. Zwei dieser Gehäuse sind bei uns gelandet. Wie so ein Umbau abläuft, lesen sie hier.

Eine Besonderheit – eigentlich ausschließlich für Sammler – gab es anläßlich des Verkaufs des millionsten C64 im Jahre 1986. Die goldenen C64 wurden an Prominente übergeben sowie an verdiente Händler verschenkt. Da es sich dabei jedoch um billig mit Goldbronze lackierte, aber ansonsten um voll funktionsfähige C64 handelte, wurden viele davon von der Acryglasplatte demontiert und verwendet. Sammler haben – tatsächlich originale – goldene C64 ohne Acrylglasplatte auch auf Wertstoffhöfen gefunden. Unser Gerät haben wir 2004 von der Witwe eines ehemaligen Commodore-Händler’s aus Mühldorf erhalten. Nach dem Tod Ihres Ehemanns wollte sie das Stück in guten Händen wissen.

C64 Gold, Seriennummer ausgeschnitten

Mittlerweile ist Vorsicht geboten, wenn ein “Goldener” angeboten wird, z.B. auf Internet-Auktionshäusern. Aufgrund des horrenden Sammlerpreises tauchen vermehrt Nachbauten auf. Allerdings gibt es einige Merkmale, an denen man ein Original erkennen kann. Um Betrügern ihr Handwerk so schwer wie möglich zu machen, verzichten wir an dieser Stelle auf die Aufzählung dieser Merkmale und haben auch die Seriennummer aus dem obigen Bild herausgeschnitten.

Am Ende die Modell-Chronologie soll noch der C65 (C64 DX) angesprochen werden. Eigentlich keine Variante des C64, denn der C65 hätte das Erbe des C64 antreten sollen. Er wäre – im Gegensatz zu allen vorgenannten Folgemodellen – ein echter technischer Fortschritt gewesen. “Wäre” deshalb, weil es nie zur Auslieferung kam. Man geht davon aus, das der C65 dem Amiga geopfert wurde. Die verantwortlichen Manager bei Commodore waren der Meinung, sich mit dem C65 lediglich selbst Konkurrenz zu machen. Die ca. 1000 produzierten, noch nicht fehlerfreien Prototypen wurden nach der Pleite Commodore’s im Jahre 1993 für ca. 150 EUR pro Stück abverkauft. Wie viele von den Geräten noch existieren, weiss man nicht, schätzungsweise zwischen 100 und 200. Viele C65 dürften – unberücksichtigt des heutigen Sammlerwerts – in den Mülltonnen verschwunden sein, nachdem die Benutzer festgestellt hatten, daß ihr neuer Rechner nicht 100%ig kompatibel zum C64 war. Zudem musste die Software auf das 3,5″ Format (1581 kompatibel) des internen Laufwerks des C65 umkopiert werden. Bei kopiergeschützten Disketten nicht immer ganz einfach…

Die Speichermedien des C64

Da wäre zuerst mal die ungeliebte Datasette 1530/1531. Da Floppy-Laufwerke anfang der 80iger Jahre für private Anwender noch unerschwinglich waren, war sie der Standard-Massenspeicher für den C64. Die Meinungen über den Datendurchsatz des Teils gehen auseinander: viele schwören auf die Datasette, den sie brachte eine gewisse Gemütlichkeit mit sich, ein wertvolles Gut zur “Entschleunigung” in der Hektik des Computerzeitalters. Andere waren ebenfalls von der Nützlichkeit der Datasette überzeugt, denn die Ladezeiten der 1530/1531 lagen immerhin erheblich unter den Zeiten, die zum Abtippen täglich benötigter Programme oder Texte notwendig war. Die restlichen 99,99% der Datasetten-Anwender waren – vornehm ausgedrückt – sehr unzufrieden mit den langen Lade- und Speicherzeiten.

Mitte 1982 kam Abhilfe. Das Diskettenlaufwerk VC-1541 wurde ausgeliefert. Sie ist das bis heute wichtigste Zubehör für den C64. Nicht unerwähnt bleiben soll, das alle Diskettenlaufwerke von Commodore sogenannte intellegente Laufwerke sind. Während bei IBM PC’s die Laufwerke durch einen Controller im PC gesteuert werden, sitzt bei den Commodore Laufwerken die ganze Steuerungslogik incl. eigener CPU im Laufwerk selbst. Einige davon besaßen leistungsfähigere CPU’s als der Computer, an den sie angeschlossen waren (z.B. die Floppy 1581).

Das VC-1541 Laufwerk war keine Neuentwicklung speziell für den C64. Commodore mußte dafür lediglich in den betriebseigenen Baukasten greifen. Die 1541 unterschied sich hardwareseitig nicht wesentlich von der VC-1540, die ebenfalls im Jahre 1982 für den VC-20 auf den Markt kam und kompatibel zum Doppellaufwerk 4040 war. Die beiden Vorgänger und auch die 1541 beschreiben Disketten einseitig, formatieren 35 Spuren auf die Diskette und unterteilen jede der Spuren in einzelnen Sektoren. Außen sind es mehr (21, klar, der Umfang ist höher) und nimmt dann nach innen immer weiter ab (19, 18, 17), ingesamt sind es 684. Jeder Sektor kann 256 Bytes (davon 254 frei für Daten) aufnehmen, so ergibt sich eine gesamte Diskettenkapazität von 170K. Die Dateien, die auf einer Diskette abgelegt werden können, bestehen aus einem 16-Zeichen langen Namen und einer Dateierweiterung. Diese können sein: PRG (Programme), SEQ (sequentielle Dateien, REL (relative Dateien, für Direktzugriff) und USR (Benutzerdateien).

Sammlung von Commodore Diskettenlaufwerken von links nach rechts: 1551 (C16, C116, Plus/4), 1541 (mehrere Designs), 1570, 1541 II, 1581

Aufgrund der höheren Leistung des C64 und damit einhergehenden “Timingsproblemen” mußten bei der 1541 softwareseitig Anpassungen am Betriebssystem der Floppy vorgenommen werden, die sich aber nicht gerade leistungsfördernd auswirkten. Dazu muss man wissen, das die 1541 – wie oben bereits erwähnt – ein intelligentes Laufwerk ist, weil sie ein eigenes Betriebssystem besitzt. Befehle zum Lesen oder Schreiben von Daten führt die Floppy so weitgehend selbständig aus, der C64 überträgt lediglich den Befehl dazu und empfängt anschließend die Daten. Um die Organisation der Diskette kümmert sich die 1541 selbst.
Eine wesentliche Einschränkung gegenüber den professionellen CBM Laufwerken (wie eben der 4040) ist der Verlust der leistungsfähigeren IEEE-488-Übertragung. Die 1540/1541 empfängt und sendet diese mittels einer vergleichsweise primitiven und langsamen (aber billig zu realisierenden) seriellen Übertragung, schon weil der C64 nicht anders konnte. Der Verzicht auf IEEE-488 ist sicher eine der Einsparungen, die Commodore machen mußte, um den C64 1982 mit üppigen 64K RAM zu diesem Preis auf den Markt bringen zu können. Um dies auszugleichen, gab es später Nachrüstungen von Commodore, aber auch von Drittherstellern wie Data Becker oder TeWi.

Auch von der VC 1541 kamen im Laufe der Jahre viele verschiedene Versionen heraus. Anfangs stammten die Laufwerksmechaniken von der Firma Alps, später wurden Sie durch Laufwerke vom Mitsumi ersetzt. Auch der gewohnte “unkaputtbare” Klappverschluss der Alps-Modelle wurde im Zuge dieses Wechsels einem Knebel geopfert. 1986 bzw. 1987 erschienen die beiden hardwareseitig nicht mehr 100%ig kompatiblen C- und G-Modelle der Floppy, im gleichen Gehäuse, jedoch in hellem Plastik gehalten. Als 1986 der C64 C auf den Markt kam, wurde auch die 1541 II in einem neuen, flacheren Gehäuse sowie einem externen Netzteil auf den Markt gebracht. Die termischen Probleme waren so verschwunden, auch konnte man endlich die Geräteadressen per Dip-Schalter umstellen, wenn man mit mehreren 1541 arbeiten wollte. Trotzdem erreichte die 1541-II nie den Kultstatus des Ur-Modell’s.
Jeder Benutzer kennt die Macken der 1541 und zählt sie heute fast schon “liebevoll” auf: das laute Knattern beim Formatieren einer Diskette, weil die Spur 0 über einen Anschlag “mechanisch” gefunden werden mußte. Die tropischen Temperaturen, die sie nicht nur im Sommer aufgrund des integrierten und elektrisch billig konzipierten Netzteils erreichte. Und sie hätte wirklich noch einen Schmiernippel verdient gehabt, so oft musste mit einem Tropfen Öl das nervige Quietschen der Laufwerkslager abgestellt werden.

Trotz aller Mängel, die VC 1541 wurde und ist das Standardlaufwerk für den C64 und daher genauso erfolgreich wie der Rechner selbst. Natürlich gab es bald Clones der 1541 (z.B. Oceanic). Manche waren auch schneller und die wenigsten hatten durch externe Netzteile die gleichen thermischen Probleme wie die 1541. Mit einem IEEE-488 Adapter war es zudem möglich, die Doppellaufwerke der CBM Reihe (z.B. 2040 – 4040) bzw. die SFD-1001 oder die 2031 (LP) am C64 zu betreiben. Das meiste Zubehör kam jedoch zur Verbesserung der Leistungen der 1541 auf den Markt. Einige Firmen entstanden nur zu diesem Zweck, die Kombination aus C64 und 1541 ernährte sie bis Anfang der 90iger Jahre bestens (siehe dazu weiter unten Die Floppybeschleuniger).

Nicht unerwähnt bleiben soll, das es auch Weiterentwicklungen der 1541 gab. Im Zusammenhang mit dem C64 spielen sie jedoch keine große Rolle. Laufwerke wie die die 1571 (das Standardlaufwerk des Nachfolgers C128, wie auch deren Vorgänger 1570), sind software-kompatibel und können mit identischen Kabeln problemlos an den C64 angeschlossen werden. Da diese Laufwerke, wenn sie am C128 betrieben werden, auch CP/M-Disketten verarbeiten müssen, beherschen sie zusätzlich zum GCR-Format auch das MFM Format (wie es übrigens auch die IBM PC’s Disketten bis heute verwenden). Allerdings kann der C64 keine der Vorteile der neuen Laufwerke (z:b: doppelseitiges Beschreiben der Diskette, höhere interne Taktung, Burstmode) im entsprechenden Kompatibilitätsmodus ausnutzen. Hardwareerweiterungen, die speziell an die 1541 angepasst sind, aber auch so manche Software, die intensiv auf das Betriebssystem der 1541 zugreift, können mit der 1571 ebenfalls nicht verwendet werden.
Dann gibt es da noch das 3,5″ Laufwerk 1581. Diese Neuentwicklung erschien 1987, besitzt eine schnellere CPU als der C64 selbst (2 MHz Takt) und beschreibt Disketten ebenfalls doppelseitig ausschließlich im MFM-Format. Sie erreicht ca. 800K Kapazität und besitzt ein wesentlich erweitertes Dateisystem. So lassen sich Disketten z.B. in mehrere Abschnitte (Partitionen) unterteilen und so die Diskettenorganisation (ähnlich Verzeichnissen unter Unix/DOS/Windows) erheblich verbessern. Auch für die 1581 gelten die Kompatibilitätsbeschränkungen wie für die 1570/1571. Richtig genutzt werden kann dieses Laufwerk eigentlich nur unter dem grafischen System Geos. Eine weitere 3,5″ Floppy (FD 2000) für den C64 gab es vom Hersteller CMD, der aber leider 2001 sämtliche Entwicklungen einstellte.

Die Floppybeschleuniger

Schon kurz nach Erscheinen der Floppy 1541 und der ersten ROM Listings entdeckten ausgefuchste C64-Hacker “Umständlichkeiten” (beispielsweise bei der GCR Kodierung/Dekodierung) und unnötige “Sicherheitsreserven” in den Laderoutinen der 1541 (z.B. bei der Kommunikation zwischen 1541 und C64). Bereits die ersten modifizierten Kernalroutinen des CBM DOS 2.6 der 1541 brachten 4 – 6- fach verbesserte Ladezeiten über den standardmäßigen seriellen Bus. Wie bereits erwähnt muss man wissen, das jede Floppy 1541 – im Gegensatz zu “dummen” PC-Laufwerken – im Prinzip ein eigenständiger Computer ist. Sie besitzt natürlich keine Anschlüsse für Video, Sound oder Eingabegeräte, sondern lediglich für Input und Output von Daten. Um die Floppy zum Lesen oder Schreiben zu bewegen, muß der C64 nur relativ abstrakte Befehle zur Floppy senden. Um die eigentlichen Schreib- und Lesevorgänge kümmert sich die Floppy selbstständig. Dafür muss sie natürlich ein eigenes Betriebssystem besitzen, welches in einem ROM Speicher auf der Floppy-Platine abgelegt ist und die Befehle des C64 interpretiert. Aufgrund des geringen Speicherplatzes und aus Geschwindigkeitsgründen besteht dieser Code aus reiner Maschinensprache. Entsprechend konnten nur Maschinensprache-Programmierer die dort gespeicherten Befehle verstehen, optimieren und dann wieder ein neues ROM erzeugen. Bald entstand ein regelrechter Wettbewerb um die schnellsten Ladezeiten. Einer dieser Hersteller war CMD mit verschiedenen Produkten. Wer sich für traditionelle Floppybeschleuniger interessiert: hier geht’s weiter.

Drucker und Monitore

Anfangs wurde der C64 normalerweise am Fernseher betrieben, das hatte Commodore auch so vorgesehen. Da der Rest der Familie dann aber ausschließlich am “C64-Programm” beteiligt war, musste entweder ein Zweitgerät oder ein passender Monitor beschafft werden. Natürlich muss man bei speziellen C64-Monitoren immer zuerst die von Commodore selbst nennen. Oft aber wurden andere Marken an den C64 angeschlossen, denn die Commodore Monitore waren zwar gut, aber teuer. Die Commodore-Farbmonitore 1701/1702 waren ab 1983 verfügbar und speziell als Fernseherersatz entwickelt. Man muss wissen, das der C64 ein PAL-Signal abgab, damit er eben ohne Zusatz am Fernseher betrieben werden konnte. Monitore für den C64 mussten daher die gleiche Zeilenfrequenz von 15,625 kHz haben wie ein Fernseher. Mit einem herkömmlichen VGA-PC-Monitor (31 kHz) geht da also gar nichts. Alternativ zum teuren Farbfernseher oder Farbmonitor konnte man sich ersatzweise einen billigen Videomonitor von Philips oder Sanyo (meist Grün- oder Berstein) beschaffen. Doch gerade das Spielen machte ohne Farbe wenig Spass (eigene Erfahrung). Spätere Farbmodelle von Commodore wie der 1801/1802 waren bereits billiger, aber die Konkurrenz – hauptsächlich Philips – zog natürlich nach. Die Monitore für den später folgenden Amiga (Modelle 108x) – die i.R. auch am C64 betrieben werden konnten – stellte dann auch ausschliesslich Philips her. Trotzdem dürften die meisten der mit dem C64 benutzten Monitore aus dem Commodore-Zubehörregal stammen.

Bei den Druckern ist die Sache komplizierter, denn der C64 unterstützt von sich aus nur serielle Drucker. Commodore brachte eine ganze Palette von Druckern auf den Markt, die über eine serielle Schnittstelle verfügten: zuerst den VC 1525/1526 sowie ab 1984 mehrere Modelle der MPS-Reihe. Anfangs waren es 7-Nadeldrucker (oder ähnlich) mit 80-Zeichen pro Zeile, die jedoch allesamt vom Schritfbild her nicht korrespondenzfähig waren.

Das liess Raum für spezialisierte Hersteller wie Epson, Star, Oki oder Seikosha. Das Problem mit der seriellen Datenübertragung lösten die Hersteller später selbst, in dem sie Drucker mit austauschbaren Schnittstelleneinheiten (z.B. Star) anboten.
Zuvor jedoch war die große Zeit für Zubehörentwickler wie Merlin, Görlitz oder Wiesemann, die spezielle, aber nicht gerade billige Interfaces anboten, um einen C64 mit einem leistungsfähigen Centronics-Drucker (dem damaligen Industriestandard) zu verbinden. Durch die erzielte Druckqualität war es möglich, auch mal einen förmlichen Brief an den Anwalt mit dem C64 zu schreiben. Die begehrtesten Modelle waren die 9-Nadeldrucker von Star (NL-10, NR-10) sowie von Epson (FX-80, FX-85), die z.T. auch über einen sogenannten NLQ-Modus (Near Letter Quality) verfügten. Bei NLQ wird trotz einer geringen Nadelzahl durch minimale Spalten- und Zeilenvorschübe und nochmaligem Druck des Zeichens ein schreibmaschinenähnliches Schriftbild erzielt. Natürlich geht das zu Lasten der Druckgeschwindigkeit. Später hatte auch Commodore selbst leistungsfähige 9- und 24-Nadeldrucker (MPS-12xx) im Programm, mit dem MPC sogar farbfähig. Die meisten davon wurden bei Epson gebaut bzw. waren einfach Modelle dieses Herstellers, nur mit Commodore-Label versehen. Spätere Modelle besassen zwar noch eine serielle Schnittstelle für den C64, oft aber auch bereits einen paralellen Anschluss für den Betrieb an den Amiga- und PC-Modellen.

Der C64: ein reine Spielmaschine?

Natürlich war der C64 die ultimative Spielmaschine, daran gibt es keinen Zweifel. Er ernährte 10 Jahre lang bekannte Softwarefirmen wie Electronic Arts, Microprose, Sierra oder Activision. Über den C64 als Spielmaschine wurde schon alles geschrieben, daher (und mangels eigener Zocker-Erfahrung) soll das Thema hier nicht weiter ausgeführt werden. Nur so viel: das Interesse an vielen dieser Spieleklassiker ist ungebrochen. Ungeachtet den ausgefeilten, hochauflösenden 3D-Animationen heutiger PC-Spiele erinnert man sich gerne an die grafisch primitiven, aber ungemein unterhaltsamen und leicht zu erlernenden C64-Games. Spielspass ist offensichtlich auch heutzutage mit knapp 1 MHz möglich.
Vielerorts wurde der C64 jedoch auch beruflich eingesetzt, z.B. in Kleinbetrieben, Arztpraxen, Steuerkanzleien oder auch bei so manchem Freiberufler. Denn schließlich war die komplette C64-Anlage bis Ende der 80iger Jahre in der Anschaffung relativ billig, zumindest im Vergleich zu IBM und Kompatiblen. Und er konnte – wie jeder andere Computer auch – Text verarbeiten, Tabellen berechnen und Daten speichern. Dementsprechend gab es von Anfang an Standardsoftware für Textverarbeitung (Vizawrite), Datenbank (Superbase) und Tabellenkalkulation (Multiplan). Für den deutschsprachigen Markt brachten u.a. Data Becker und SM Software eine ganze Palette von Standard- und Geschäftsanwendungen auf den Markt. Sybex vermarktete seine erfolgreiche Star-Serie (Textverarbeitung, Datenbank, Malprogramm) und auch von Commodore gab es einfach gehaltene Programme wie Text 64 oder Datei 64. In den USA erschien eine riesige Palette von Businessprogrammen, einige Hersteller (z.B. Rainbow Arts, Spinnaker) brachten auch eingedeutschte Versionen auf den hiesigen Markt. Ein leistungsfähiges Malprogramm wie der Koalapainter brauchte sich vor Profisoftware von 10mal so teuren Computer nicht zu verstecken. Oftmals entstand aus Software, die in Computerzeitschriften als “Listing des Monats” abgedruckt wurde, später eine Verkaufsversion (z.B. HiEddi, GigaPaint).

Geos

Diese grafische Benutzeroberfläche für den C64 lizensierte Commodore von der Firma Berkeley Softworks. Ab 1987 – mit Einführung des C64C (oder C64 II, später auch für den C128) gehörte diese Software in Deutschland zum Lieferumfang des C64. Zwei speziell für Geos entwickelte Anwendungen in Form der Textverarbeitung geoWrite und die Bildbearbeitung geoPaint gehörten ebenfalls zum Paket. Da Geos wie jede andere GUI über die Maus (oder Joystick, für Hardcore’r) bedient wird, gab es natürlich auch dafür von Commdore ein Zusatzprodukt in Form des C64-kompatiblen Maus-Modells 1351.

C64 GEOS-Versionen:
1985 GEOS 1.0/1.1 SDK
1986 GEOS 1.2 (fertiges Produkt)
1987 GEOS 1.3 (internationale Version)
1988 GEOS 1.5 (für C64C)
1989 GEOS 2.0 (meistverkaufte Version)
1993 C64/GEOS 2.5 (in Deutschland vom M&T Verlag entwickelt und vertrieben)

Zubehör für den C64

Für den C64 wurde von Anfang an Hardware-Zubehör produziert, mit zunehmenden Verkaufszahlen immer mehr. Am Ende existierte eine wahre Flut von Erweiterungen, für Musik, zur Steuerung von Relais oder Eisenbahnen, für Kommunikation u.s.w. Hier können nur ein paar Rosinen rauspicken und damit andeuten, was es ausser Laufwerken und Druckern noch alles alles gab. Ansonsten würde das jeden Rahmen sprengen.

Für besondere Anwendungen konnte man den 64KiB des C64 z.B. weiteren Speicher hinzufügen. Diesen konnte er wegen seiner 8-Bit Architektur zwar nicht direkt ansprechen, aber es konnten spezielle Programme dafür entwickelt werden. Neben Spielen und der oben gezeigten Benutzeroberfläche Geos sind das RAM-Disks, in denen der Inhalt einer oder sogar mehrerer Disketten gespeichert werden konnte. Die Nachteile: ein stärkeres Netzteil wird notwendig und nach dem Ausschalten des C64 ist alles weg. Im Gegensatz zu heutigen Flash-Speichern (u.a. SSD-Festplatten, USB-Sticks, Memory Karten) verliert normales DRAM seinen Speicherinhalt, wenn es nicht mehr mit der notwendigen Spannung versorgt wird.

Weil der C64 wegen des genialen Soundchip’s (SID 6581/6582) mit seinen 3 Tongeneratoren und seinen 4 verschiedenen Wellenformen so toll musizieren konnte, gab es auch da Zubehör in Form von Klaviaturen.

Da es sich bei C64 + Peripherie um viele Einzelteile handelt, lag es nahe, das Ganze in ein PC-ähnliches Gehäuse zu verpacken. Die Firma EDS (Münzenberg) entwickelte solche Gehäuse für den C64/1541 sowie für eine externe Tastatur. In das Gehäuse wandern die C64-Platine und das C64-Netzteil sowie eine 1541, die ohne ihr eigenes Gehäuse eingebaut wird. Innen befindet sich ein normaler Mehrfachstecker, der auf der Gehäuserückseite als Kaltgerätekabel-Buchse endet. Um auch einen Monitor versorgen zu können, wird der 220V-Anschluß in eine ganz normale Schuko-Steckdose gebrückt. Somit wird für C64, 1541 und Monitor nur eine Stromversorgung benötigt. Für die Kühlung der Bauteile im Gehäuseinneren sorgt ein Lüfter. Die originale C64 Tastatur wird im externen Tastaturgehäuse verbaut. Neben diesem Gehäuse für eine 1541 gab es noch ein weiteres, das zwei 1541 aufnehmen konnte.


Von der Fa. CMD (Creative Micro Designs) stammt eine der legendärsten Erweiterungen, die SuperCPU. Durch Verwendung eines mit 20MHz getakteten 65816 Prozessors wird der C64 rasend schnell. Diese 16-Bit CPU besitzt einen 6502 Emulationsmodus. Zudem können durch eine optionale SuperRAM-Card zusätzliche und direkt adressierbare 16MiB RAM eingebaut werden. Aber auch die Floppy FD-2000 (1.6 MiB auf HD-Disketten), die CMD HD (Festplatte) und RAMLink (16 MiB RAM) sind legendäre HighEnd-Erweiterungen für den C64. Übrigens stammt auch der bekannte serielle Floppy Speeder JiffyDOS von CMD.

Unter den vielen klassischen Umbauten für den C64 sticht eine hervor, die vom Umfang her alle anderen toppt: das C-645 B.M.S.-System. Die umfangreiche Zusatzplatine, die in den C64 eingebaut werden muß, wurde in der Zeitschrift RUN 1986 veröffentlicht. Das System stammt von einem Entwickler namens Otto Winter. Dieser wollte mit dem B.M.S.-System nach eigener Aussage “die Grenze des mit dem C64 technisch machbaren” erforschen. Später wurde das System von CTJ-Computertechnik Karl Junges vertrieben und kostete zusammen mit einem Speeddos-kompatiblen Parallel-Floppyspeeder (Rapid-DOS) und dem Vollausbau mit 512 KiB RAM incl. Einbau ca. 500 DM. Es gab jedoch auch billigere Versionen mit nur 320 KiB und ohne Rapid-DOS.

Anzeige in der Zeitschrift RUN 1987

Das B.M.S.-System war in der Lage, den C64 mit vier verschiedenen Betriebssystemen gleichzeitig zu benutzen. Neben dem originalen C64- und dem B.M.S.- Betriebssystem können noch zwei zusätzliche im 256 KiB Eprom untergebracht werden. Einzigartig dabei ist, das jedes  dieser Systeme seinen eigenen 64 KiB Speicherbereich hat! Theoretisch – und natürlich auch praktisch – kann man so vier Programme gleichzeitig laufen lassen. Umgeschaltet wird nicht per Schalter, sondern per Software mittels der Tastenkombination CTRL+RUN/STOP plus den Zahlen 1 – 4 für das gewünschte Betriebssystem. Jedem dieser Betriebssysteme kann einer von vier möglichen Zeichensätzen zugeordnet werden. Auch diese Auswahl erfolgt über eine Tastenkombination. Zudem verfügt das B.M.S System über ein ROM, in dem vier verschiedene Basic abgelegt werden können. Auch diese können einem Betriebssystem zugeordnet werden.

Eigentlich selbstverständlich sind bei dieser Ausstattung, das eine Centronics-Schnittstelle, eine Hardcopy Routine und ein erweiterter Bildschirm-Editor implementiert sind.

Zuverlässigkeit

Der C64 (und auch der C128) und seine Peripherie-Geräte waren/sind angesichts ihres niedrigen Preises ziemlich zuverlässig. Insgesamt zeigt die Erfahrung, daß die späteren Platinen der G- und C-Modelle weniger störungsanfällig sind. Bestimmte Probleme mit der Hardware zeigen sich jedoch in regelmäßigen Abständen. Schwerere Schäden werden durch statische Entladungen am CIA-Chip (6526) verursacht – normalerweise durch versehentliches Berühren des Joystick- oder des Gameports. Das passiert meistens, wenn das Gerät aus- oder eingeschaltet wird. Eine Schädigung dieses Chips führt i.d.R. zu Funktionsstörungen bei der Tastatur- oder Joystick-Steuerung. Zum Ausfall neigen auch der PLA (906114) und der SID (6581), beide ziehen bei einem Ausfall einen schwarzen Bildschirm nach sich. Im Falle des SID ist das weniger problematisch, denn der C64 läuft auch ohne ihn, dann eben ohne Sound. Die Netzteile neigen zur Überhitzung und fallen – vor allem bei Dauerbetrieb – irgendwann aus. Als Folgefehler wird dabei manchmal das RAM im C64 beschädigt, wodurch merkwürdig aussehende farbige Blöcke oder Zeichen auf dem Bildschirm erscheinen. Der SID kann auch defekt werden, wenn z.B. ein Monitor nicht richtig angeschlossen wurde. Weniger häufig versagt der 6510-Mikroprozessor, der VIC (6567), das Kernel-ROM (901227), das Zeichen-ROM (901225) oder das BASIC-ROM (901226). Eine weitere typische Fehlerquelle sind   verbaute Logik-IC’s der 77er-Reihe von MOS. Für diese gibt es Ersatz in Form von 74LS IC’s.

Die Commodore-Laufwerke (1541) litten ebenfalls unter überlasteten Netzteilen und Hitzentwicklung in den Laufwerken. Regelmäßig sollte auch der Schreib-/Lesekopf gereinigt werden, spätestens, wenn Lesefehler auftreten. Bei quietschenden Laufwerken half oft ein Tröpfchen Ballistol auf den Sprengring der Achse des Andrucktellers. Auch Justierungen des S/W-Köpfes ist gelegentlich notwendig, seltener ein Nachstellen der Drehzahl.

Oft gab es einfache und leicht umzusetzende Lösungen für Störungen beim C64. Die Glassicherung ist ein Standardteil, leicht auszutauschen und problemlos bei Conrad oder anderen Elektronik Shops zu beziehen. Manchmal waren auch nur neue Verbindungskabel oder die Reinigung der Steckerbuchsen von außen erforderlich. Einige scheinbar komplexe Probleme ergaben sich aus der Tatsache, dass sich verschiedene IC’s manchmal in ihren Sockeln lösten und so der Kontakt zur Platine verloren ging. Das alles war und ist heute noch leicht zu beheben, in dem sie nachgedrückt oder entfernt und wieder neu eingesetzt werden. Zumindest in der Einführungszeit des C64 war es üblich, dass der Rechner selbst und auch die Peripheriegeräte in der Regel vom Händler vollständig durch ein neues Ersatzgerät ersetzt wurden, und zwar zu einem Preis, der unter der durchschnittlichen Mindestreparaturgebühr für die meisten IBM- und Apple-Systeme lag.

Ersatzteilversorgung

In Internetauktionshäusern tauchen immer wieder NOS-Bestände (New Old Stock, also unbenutzt, aber alt) von PLA, SID, VIC und ROM’s auf. Allerdings zu horrenden Preisen, etwa für ein Drittel des Preises eines funktionsfähigen gebrauchten C64. Bei allen anderen der oben genannten Chips kann man davon ausgehen, das ein C64 dafür geschlachtet wurde. Unsere Empfehlung: nur im Notfall ausgelötete IC’s kaufen. Und wenn, dann nur mit Funktionsgarantie.

Die PLA ist ein recht häufiger Grund für einen Totalausfall. Für diese gibt es eine Vielzahl von Ersatz-Konstruktionen (PLAnkton, SuperPLA…). Auch ein defekter SID (6581) kann einen schwarzen Bildschirm auslösen. Ersatz dafür gibt es ebenfalls, z.B. den SwinSID in verschiedenen Bauformen. RAM’s sind noch gut zu bekommen, u.a. in den bekannten Auktionshäusern. 4164 bei Platinen mit acht Bausteinen, 41464 bei den Neueren mit zwei. Auch alle Logik-IC’s (TTL) sind ebenfalls gut verfügbar (LS-, HC-Reihe). Erwiesen ist, das auf einer Platine die verbauten TTL von MOS potentielle Ausfallkandidaten sind.

Auch sind inzwischen neue Netzteile verfügbar, zu finden z.B. auf amazon.de. Mit ca. 45-50 EUR nicht gerade billig, aber trotzdem empfehlenswert.

Reparaturen

Jetzt könnte man noch ein Faß aufmachen, was Reparaturanleitungen des C64/C128/1541 etc. betrifft. Ein Faß deshalb, weil es recht viele davon gibt. Für (Wieder-)Einsteiger soll nochmal auf das Forum-64 verwiesen werden. Dort sind Fachleute unterwegs, denen alles schon mal untergekommen ist. Auch was den Nachfolger C128 betrifft. Ansonsten gibt es einige empfehlenswerte Anleitungen im Internet, wie zum Beispiel Retro-Computing von Peter Sieg.

Verschiedene Diagnostic Kits erhält man u.a. bei Vintage Computers, Tynemouth oder TFW8B, darunter auch Nachbauten der bekannten Commodore Dead Test Cartridge 781220. Deren Diagnose kann auch hilfreich sein, wenn man bei der Fehlersuche Experten im Internet zu Rate ziehen will.

Schaltpläne der verschiedenen Platinen-Revisionen sowie ROM-Images und vieles mehr findet auf den Seiten von Bo Zimmermann.

Wenn man des Lötens mächtig ist, kann man sich einen Test-C64 mit voll gesockelter Platine aufbauen. Damit ist es möglich, die verschiedenen IC’s auf Funktion zu testen. Dieser nicht unhebliche Aufwand rentiert sich natürlich nur, wenn man öfter mit einem C64-Patienten konfrontiert ist.

Neue C64

Die Nachfrage von C64-Enthusiasten bewegt den einen oder anderen Hersteller dazu, auf der Retro-Welle mitzuschwimmen. Daher gibt es nicht nur neue Zusatzprodukte für den C64, sondern sogar komplett neue C64. Diese sind meist mit Zielrichtung Spiele konzipiert, wie z.B. der C64 DTV, ein Joystick mit eingebauten Spielen, der TheC64 Mini. Nur sind das keine vollwertigen Geräte, sondern eher vergleichbar mit dem C64 GS (siehe oben). Näher kommt dem Ganzen schon der seit Weihnachten 2019 erhältliche TheC64 Maxi, der jetzt auch über eine funktionsfähige Tastatur und integrierte Betriebssysteme für VC-20 und C64 verfügt.
Oder der MK2 von Individual Computers. Man bekommt ein neu konzipiertes und elektrisch stabileres Board, muss aber z.T. die originalen Chips aus einem alten C64 auf der Platine einsetzen (Prozessor, Video-, Sound-  und die Portchips). Ein großer Vorteil des MK2 ist das Flash-ROM, in dessen Flash-Speicher mehrere softwaremäßig umschaltbare Kernals übertragen werden können.

Man kann die MK2 – Platine in eine altes Gehäuse verbauen oder sich von verschiedenen Hersteller ein neues Gehäuse in verschiedenen Farben oder sogar durchsichtigem Acryl besorgen.

Wer ein verbasteltes und/oder irreparables Mainboard hat, muß auch nicht verzweifeln. Bob’s Bits aus England bietet zu einem fairen Preis geclonte C64-Mainboards (SixtyClone) an, die man allerdings selber bestücken muß. Mit ein bisschen Löterfahrung und grundlegenden Elektronik-Kenntnissen kriegt man sowas durchaus zum Laufen. Wie es geht findet ihr hier.

All das dürfte deutlich machen, das die C64-Fangemeinde diesen kleinen 8-Bit Homecomputer wie auch den großen Bruder C128  die nächsten Jahre weiter am Leben halten wird.

Copyright @ 2004-2021 Wolfgang Kainz-Huber
Der Autor hat zwar im Rahmen seiner Möglichkeiten sorgfältig recherchiert,
kann aber keine Verantwortung für die Richtigkeit der Angaben übernehmen.
Quellen:
Wikipedia, Commodore 64: a visual Commpendium