Man kann die 1541-Floppybeschleuniger generell in drei Bauarten kategorisieren:

1. Reine Softwarelösungen, die beim Einschalten des C64 von Diskette geladen werden mĂŒssen.

Hier wĂ€ren FastLoad, HypraLoad und UltraLoad anzufĂŒhren. Alles Programme, die in Fachzeitschriften (64er, HappyComputer) veröffentlicht wurden und nichts kosteten. Dies sind die Ladeoptimierer der ersten Stunde, quasi die Grundlagenforschung. Einige dieser Routinen entstammen ĂŒbrigens aus Kopierroutinen, die in den Anfangszeiten fĂŒr schnelle Disketten- oder Dateikopierer entwickelt wurden. Ein Pionier auf diesem Gebiet ist Thomas Tempelmann, der zuerst das schnelle Kopierprogramm FCopy entwickelte und daraus dann 1984 das oben genannte FastLoad (nicht zu verwechseln mit dem gleichnamigen Cartridge von Epyx). So manche dieser eigentlich kostenlosen Software-Routinen wurden von kommerziellen Herstellern lizensiert und kamen als Cartridge-Varianten auf den Markt (z.B. HypraLoad als HypraDisk von REX-Datentechnik).

Der Geschwindigkeitsvorteil der Softwarelader wird grĂ¶ĂŸtenteils nur durch Optimierung der seriellen Übertragung und der GCR-Dekodierung erreicht. Da diese Routinen normalerweise aus der Anfangszeit dieser Entwicklungen stammen, war der Optimierungsgrad des Codes noch nicht so raffiniert wie bei spĂ€teren Cartridge-Lösungen. Immerhin wurden Beschleunigungen um den Faktor 4-6 beim Laden von Programmen erreicht. In diesen Anfangsjahren (also bis ca. 1984) mußten die optimierten Laderoutinen zudem meist mĂŒhsam aus Zeitschriften abgetippt, gespeichert und bei jedem Neustart von Diskette wieder in den Speicher des C64 geladen werden. Eine Variante dieser Softwarelader sind solche, die beim Start eines Programms von Diskette automatisch in den Speicher geladen werden und so das Laden der eigentlichen Anwendung beschleunigen. Diese automatischen Schnelllader stehen allerdings immer nur den betreffenden Anwendung bzw. auf der entsprechend prĂ€parierten Diskette zur VerfĂŒgung und beschrĂ€nken sich i.d.R. ausschließlich auf LadevorgĂ€nge.

Einige ErklĂ€rungen zu den nachfolgend aufgefĂŒhrten Features:

  • Reset-Taster
    Eine Taster ist vorhanden, um einen Hardware-Reset des C64 auszulösen.
  • Centronics
    Eine Centronics-Schnittstelle mit entsprechendem Handshake ist implementiert. Der Anschluß eines Druckers erfolgt i.d.R. ĂŒber den Userport. NatĂŒrlich wird dazu noch ein spezielles Kabel fĂŒr C64/C128 benötigt, das einerseits an den 24-poligen Userport und andererseits an den Drucker mit seinem standartisierten 36-poligen Centronics-Stecker paßt.
  • Hardcopy
    Der aktuelle Bildschirminhalt wird direkt an den Drucker gesendet, auch wÀhrend eines laufenden Programms
  • Maschinensprache Monitor
    Monitore zeigen die Speicherstellen eines Computers im RAM in Form von Hexadezimal-Zahlen an. Mit einem in einem ROM integrierten Monitor ist es auch möglich, ein laufendes Programm zu unterbrechen und zu manipulieren. Monitore fĂŒr C64/C128 gibt es auch zum Betrachten des Inhalts einer Diskette (Diskmonitore)
  • Fast Format
    Fast alle Floppy-Beschleuniger beeinhalten eine Routine zur schnellen Formatierung einer Diskette. Das Formatieren einer Diskette ĂŒber CBM DOS dauert ca. 70 Sekunden. Die schnellsten Fast Format-Routinen schaffen diesen Vorgang in unter 10 Sekunden. Ob die Disketten dann allerdings wirklich sauber formatiert sind, bleibt dahingestellt. Dieses Feature wird nicht mehr eigens aufgefĂŒhrt.
  • DOS-Wedge, Kurzbefehle
    Erweiterter Umfang und vereinfachte Dateibefehle. Z.B: statt OPEN 1,8,15,”N:DISKETTENNAME,01″:CLOSE 1 muß meist nur @N:DISKETTENNAME,01 eingegeben werden. Der aktuelle Status der Floppy wird nur die einfache Eingabe von @ angezeigt.
  • Funktionstasten
    StandardmĂ€ĂŸig ĂŒberlĂ€sst Commodore es den Programmen, die Funktionstasten mit Befehlen oder Progranmfunktionen zu belegen. Fast alle nachfolgend aufgefĂŒhrten Floppybeschleunger nutzen diese Möglichkeit. Speeddos hat z.B. folgende Belegung:
    F1  LIST: Listet das aktuelle Basic-Programm
    F2  MONITOR: Ruft den internen Maschinensprachemonitor auf.
    F3  RUN: Started ein geladenes Programm
    F4  OFF: Schaltet die Funktionstastenbelegung ab
    F5  LOAD: LÀdt ein Programm von Diskette
    F6  SAVE: Speichert ein im Speicher befindliches Programm auf Diskette speichert.
    F7  DIRECTORY: Das Verzeichnis (Disketteninhalt) einer Diskette wird ausgegebe
    F8  SWITCH: Umschaltung zwischen GerĂ€teadresse 8 und 9 fĂŒr das Diskettenlaufwerk.

2. Expansion Port-Cartridges, wodurch die Lader bereits nach dem Einschalten zur VerfĂŒgung stehen.

Dies ist mit Sicherheit die eleganteste Art, den C64 bzw. die 1541 zu tunen. Man muss nicht zuerst von Diskette einladen, braucht weder Rechner noch Floppy aufzuschrauben und keinen Lötkolben oder sonstige elektronische Kenntnisse mitzubringen. Einfach Cartridge einstecken, C64 an und los gehts.

Im ersten Jahr nach dem Kauf eines neuen C64 war dies sicher die zu bevorzugende Methode, da man den Rechner nicht öffnen mußte und so das Garantiesiegel erhalten blieb. Ein weiterer Vorteil der Cartridges ist, das man in dessen Eprom Speicherplatz hat um mehr zusĂ€tzliche FunktionalitĂ€t unterbringen. Die Schnellladerroutinen sind hier manchmal nur eine Dreingabe. Dennoch mĂŒssen sich die Modifikation zur Steigerungen von Lade- und SpeichervorgĂ€ngen notgedrungen auf das Modifizieren des C64-Betriebssystems beschrĂ€nken. Da die Floppy selbst nicht modifiziert wird, ist die erreichbare Geschwindigkeitssteigerung von daher limitiert. Trotzdem, die erreichten Leistungen im Vergleich zum Standard-C64 sind enorm, und die zusĂ€tzlich gebotenen Features wie Funktionstastenbelegung, zusĂ€tzliche Befehle fĂŒr das Disketten-Handling oder integrierte Programme wie Monitore, Freezer und Hardcopy erfreuten Hacker, Cracker und Gamer. UnterstĂŒtzung paralleler Drucker in Form von Centronics-Schnittstellen sind oftmals  implementiert. Das verbreitete Final Cartridge besitzt sogar eine mausgesteuerte grafische BenutzeroberflĂ€che. Im Modul Magic Formel ist eine ganze Palette von leistungsfĂ€higen Standardprogrammen enthalten. Wenn die zusĂ€tzliche Software was taugte, wertete es die jeweilige Cartridge-Lösungen natĂŒrlich enorm auf, war sogar oft das eigentliche Kaufargument. Ein weiterer Vorteil der Cartridges war, das Sie auch an spĂ€teren Modellen wie dem C64 C sowie am C128 (natĂŒrlich nur im C64 Modus) eingesetzt werden konnten. Aufgrund des geĂ€nderten Platinendesigns der spĂ€teren C64- und 1541-Modelle war dies bei den hardwaregestĂŒtzten Varianten oder wenn auch nur die C64/1541 Kernal’s ersetzt werden mußten, nicht so problemlos möglich.

Hier eine kleine Übersicht ĂŒber die bekanntesten Cartridges, vom einfachen Lademodul bis zur kompletten Office-Lösung.

FastLoad

Epxy – 1984

  • 5x schneller Laden
  • DOS-Wedge (Kurzbefehle)
  • Maschinensprache/Monitor

Manual/Einbauanleitung

Disk-Booster 64

Conrad Elektronik – 1987

  • 8 – 10x schneller Laden
  • F-Tastenbelegung
  • Reset-Taster

Manual/Einbauanleitung

Super-Betriebssystem

RTO Elektronik – wie REX 9583

  • 6x schneller Laden
  • DOS-Wedge (Kurzbefehle)
  • F-Tastenbelegung

Manual/Einbauanleitung

HypraDisk (basiert auf HypraLoad)

REX Datentechnik 9503 – 1985

  • 7x schneller Laden
  • Kurzbefehle
  • F-Tastenbelegung
  • Reset-Taster
Profi-DOS

REX Datentechnik 9645 – 1987

  • 8x schneller Laden
  • Hardcopy
  • F-Tastenbelegung

Manual/Einbauanleitung

Dela-DOS / S/4 Modul

DELA-Elektronik – 1986

  • 8x schneller Laden / TurboTape
  • Hardcopy
  • F-Tastenbelegung, DOS-Wedge (Kurzbefehle)
  • Reset-Taster
Quick-Disk

U.Bothe – 1985

  • 5 – 7x schneller Laden
  • Disk-Backup / File-Copy
  • F-Tastenbelegung, DOS-Wedge (Kurzbefehle)
  • Centronics
  • Reset-Taster

Manual/Einbauanleitung

Exos V3

Rex Datentechnik 9805 – 1986

  • 14x schneller Laden
  • F-Tastenbelegung, DOS-Wedge (Kurzbefehle)
  • RAM-Disk
  • Reset-Taster

Manual/Einbauanleitung

QuickDisc+

Evesham Micros / Softcell – 1985

  • 5 – 7x schneller Laden
  • Disk-Backup / File-Copy
  • F-Tastenbelegung, DOS-Wedge (Kurzbefehle)
  • Centronics
  • Reset-Taster

Manual/Einbauanleitung

Magic-Formel 2.0

Grewe Datentechnik – 1986

  • 11x schneller Laden
  • Snapshot/Hardcopy/Freezer
  • F-Tastenbelegung, DOS-Wedge (Kurzbefehle)
  • 40/80-Zeichen-Modus
  • Reset-Taster

Manual/Einbauanleitung

Power Cartridge

KCS – 1985

  • 10x schneller Laden / TurboTape
  • Hardcopy/Freezer/Backup
  • F-Tastenbelegung,
  • DOS-Wedge (Kurzbefehle)
  • Maschinensprache Monitor
  • Reset-Taster

Manual/Einbauanleitung

Final Cartridge III

RISKA – 1987

  • GUI mit MausunterstĂŒtzung/Utilities
  • 15x schneller Laden
  • Hardcopy/Freezer/Centronics
  • F-Tastenbelegung, DOS-Wedge (60 Kurzbefehle)
  • Maschinensprache Monitor
  • Reset-Taster

Manual/Einbauanleitung

Nordic-Power 2.1

Data&Electronics – 1989

  • 15x schneller Laden, TurboTape
  • F-Tastenbelegung, DOS-Wedge (Kurzbefehle)
  • Centronics, Hardcopy
  • Disk-Backup, Disk-Copy
  • Reset-Taster

Manual/Einbauanleitung

Action-Replay 6.0

Datel – 1989

  • 15x schneller Laden
  • F-Tastenbelegung, DOS-Wedge (Kurzbefehle)
  • Centronics
  • Disk-Backup, Disk-Copy
  • Reset-Taster

Manual/Einbauanleitung / Utility Disk

Action-Cartridge Plus 6.0

vts data GmbH – 1989

  • 15x schneller Laden
  • F-Tastenbelegung, DOS-Wedge (Kurzbefehle)
  • Centronics
  • Disk-Backup, Disk-Copy
  • Reset-Taster

Manual/Einbauanleitung

Retro-Replay

Individual Computers – 2001

  • wie Action-Replay 6.0
  • Flash-ROM (austauschbare Firmware)
  • zuschaltbare zweite 64-KiB Bank

Manual

3. Lösungen durch Umbau bzw. Erweiterung der Hardware

Hier werden zumindest die Betriebssysteme (Kernel) des C64 und der Floppy und somit quasi die gesamte Übertragungslogik des C64 und der 1541 ersetzt. Ein Eingriff in den Rechner und in das Diskettenlaufwerk ist fĂŒr die meisten der notwendigen Umbauten unumgĂ€nglich. Manchmal muss gelötet werden, vor allem wenn der Kernel-Baustein im C64 und/oder der 1541 ersetzt werden muß, diese aber nicht bereits ab Werk gesockelt sind.

Obwohl die meisten Hersteller fertige BausĂ€tze geliefert haben, soll hier kurz auf das Ersetzen des C64-Kernel’s (nicht C64 C) eingegangen werden. Die meistverwendeten Eproms fĂŒr diesen Zweck waren 27xx Typen. Der C64 Kernel ist in einem ROM gespeichert, das eine GrĂ¶ĂŸe von 8 KiB hat. Der passende Eprom-Typ mit dieser SpeicherkapazitĂ€t wĂ€re der Typ 2764. Leider hat das ROM des C64 24 Pins, ein Eprom 2764 (und auch andere Typen wie 27128, 27256 etc.) aber 28 Pins. Man braucht also einen Adapter. Eine schöne Beschreibung zum Aufbau dieses Adapters fĂ­nden Sie hier. Um zwei verschiedene Kernel, z.B. den von Speeddos und den originalen des C64 in einem Eprom unterzubringen, benötigt man die doppelte GrĂ¶ĂŸe, also den Typ 27128 (16 KiB). Beide Kernel-Images können so in einem Eprom untergebracht werden und die ROM-Bank durch Anlegen eines HIGH oder LOW Signals an der Adreßleitung des 27xx auf die unteren oder die oberen 8KiB umgeschaltet werden.

Zudem muß bei parallelen Speedern (siehe weiter unten) die zusĂ€tzlich notwendige parallele Kabelverbindung zwischen C64 und 1541 installiert werden. Das Öffnen der Floppy 1541 war dabei unumgĂ€nglich. Einige Hersteller haben zumindest C64-seitig eine elegante Lösung ĂŒber separate Steckplatinen am User Port des C64 gewĂ€hlt (z.B. Turbo Access, Prologic DOS). Trotzdem war auch da manchmal ein Öffnen (und den damit verbundenen Problemen mit der Garantie) des C64 notwendig, da irgendwelche zusĂ€tzlichen Steuerleitungen benötigt wurden. Garantieverlust ist heutzutage natĂŒrlich keine echte EinschrĂ€nkung mehr 😉

Um Benutzern das Lesen der Schaltung und das Löten zu ersparen, gab es natĂŒrlich auch hier Firmen, die BausĂ€tze fĂŒr die Erweiterung mit parallelen Kabeln anboten. FĂŒr solche, die des Weller mĂ€chtig sind, findet sich auf der Seite von www.pitch.de eine Anleitung zum Bau eines Parallel-Kabel (und viele andere Bastelideen).

Bei dieser Art von Floppybeschleunigern muß bemerkt werden, das eine 100%ige KompatibilitĂ€t nicht mehr gewĂ€hrleistet werden kann. Alle Hersteller achteten darauf, um durch eine möglichst weitgehende Abschaltungsmöglichkeit ihrer Modifikationen sensible, hardwarenah entwickelte Programme lauffĂ€hig zu halten. Sehr oft wird eine Abschaltung des Beschleunigers durch den massiven Kopierschutz einer Diskette notwendig. Die Eproms, die das originale 8K große Kernal ersetzten, können die doppelte (oder noch mehr) SpeicherkapazitĂ€t besitzen und in den zusĂ€tzlichen Speicherbereichen auch das Original-Kernal des C64 enthalten, das im Bedarfsfall durch Umschaltung der Eprom-Speicherbank wieder aktiviert werden kann.

Nun zu den grundlegenden Unterschieden, vor allem bezĂŒglich der DatenĂŒbertragung:

Parallele Übertragung:
hier wird die bisherige serielle Leitung nur noch zur BefehlsĂŒbermittlung benutzt, die eigentlichen Nutzdaten jedoch ĂŒber ein zusĂ€tzliches paralleles Kabel transportiert. Der prinzipielle Geschwindigkeitsvorteil dieses parallelen Kabels liegt auf der Hand: es muss nicht ein Bit nach dem anderen transportiert werden wie bei der seriellen Übertragung, sondern 8 Bits (oder mehr) können gleichzeitig gesendet werden. Die Implementierung des dafĂŒr notwendigen Kabels war anfangs nicht einheitlich, erst spĂ€ter setzte sich das Speeddos-Kabel als Standard durch. Zum Einbau wurde dem I/O Chip der Floppy 1541 ein spezieller Sockel “untergeschoben”, wo an festgelegten Pins das Parallelkabel quasi “genormt” angelötet werden muss. NatĂŒrlich muß das Betriebssystem der 1541 und des C64 fĂŒr diese VerĂ€nderung modifiziert werden. Viele Kopierprogramme (Copy ++, RapidCopy, SuperNibbler, CFB Copy, Burstnibbler u.v.m.) erreichten nur durch Verwendung dieses Kabel und durch eigene Algorithmen – also auch ohne die speziellen Kernel-Routinen eines Floppybeschleunigers – enorme Kopierleistungen.

Verbesserte Laderoutinen bringen die paralellen Floppybeschleuniger entweder ĂŒber eigenes Betriebssystem ein, das als Eprom jeweils das Standard C64/1541-Kernal ersetzt (Speeddos, RapidDos, DolphinDos, ProfessionalDOS u.a.) oder sie gehen den Weg ĂŒber den Expansion- oder den User-Port, wodurch – wie bei den Cartridge-Lösungen – ein Öffnen des C64-GehĂ€uses (und der damit verbundene Garantieverlust) meist vermieden werden konnte (Turbo Access, Prologic DOS). Bei Turbo Access erfolgt der Anschluß des parallelen Kabels C64-seitig am Expansion-Port, das originale Kernel des C64 muß nicht ausgebaut werden. Die Prologic DOS-Platine wird – abhĂ€ngig von der Version – am Expansion- bzw. User-Port angeschlossen. Auf der Platine sind parallele Anschlußmöglichkeiten untergebracht, normalerweise fĂŒr bis zu zwei Floppy’s. Bei beiden ist der Expansion-/User Port durchgeschleift und kann weiterhin z.B. fĂŒr Erweiterungen oder Drucker genutzt werden. Das Kernal der 1541 wird bei allen Lösungen ersetzt, außerdem muß die parallele Kabelverbindung verbaut werden. Einige der aufwĂ€ndigeren Speeder wie DolphinDOS oder Professional DOS bringen zudem eigenes RAM auf einer eigenen floppyseitigen Platine mit, um zusĂ€tzliche Geschwindigkeitssteigerungen durch Datenpufferung zu erreichen. Durch den zusĂ€tzlichen Speicher ist es möglich, eine ganze Spur einer Diskette (in diesem Fall sind 8KiB RAM nötig) in einem Lesevorgang zu laden (zu puffern). Eine originale 1541 besitzt nur 2KiB RAM und kann daher nur einen Sektor einer Spur auf einmal lesen. Da die Sektoren einer Spur nicht hintereinander angeordnet sein mĂŒssen (abhĂ€ngig vom Interleave-Faktor), geht viel Zeit verloren, denn die Floppy muß warten, bis sich die Diskette neuerlich gedreht hat und der gerade benötigte Sektor wieder anliegt. Dieses Verfahren gipfelt in einer massiven Weiterentwicklung von TurboAccess, genannt TurboTrans: auf dessen floppyseitiger Zusatzplatine sind 256KiB RAM (bis zu 512Kib RAM) verbaut. Dadurch können – je nach RAM Ausbau auf der Platine – bis zu drei komplett gefĂŒllte Disketten eingelesen und zwischengespeichert werden. Die so gepufferten Daten werden im Bedarfsfall rasend schnell aus diesem Speicher ĂŒber ein paralleles Kabel in das RAM des C64 ĂŒbertragen, ohne das die 1541 ihren Schreib-/Lesekopf auch nur einmal bewegen muss.

Ein weitere relevante Beschleunigung wurde erreicht, in dem die Taktfrequenz der CPU in der 1541 erhöht wurde. Ein Beispiel dafĂŒr ist Professional DOS, welches neben einem zusĂ€tzlichen Floppy-RAM auch den CPU-Takt der 1541 optional von 1MHz auf 2MHz anhebt. Dadurch kann vor allem die Dekodierung des GCR Formats beschleunigt werden. Was das GCR Format ist? Kompliziert, aber es reicht, wenn man weiss, das alle Daten, die zwecks Speicherung zur Floppy gesendet werden, in dieses Format umgewandelt werden, um Schreib-/Lesefehler aufgrund von Laufwerksschwankungen möglichst auszuschalten. Umgekehrt mĂŒssen die Daten nach dem Lesen jedoch wieder zurĂŒckkodiert werden. Das kostet Rechenzeit. Aber hier konnten die 1541-Hacker – auch ohne höheren CPU-Takt der Floppy – bereits die Geschwindigkeit nur durch Optimierung des originalen C= Codes erhöhen.

Bemerkung zur Beschreibung von Dolphindos 2.0: unser Arbeits-C64 ist mit einem Dolphindos 2.0 ausgestattet. Wir besitzen zwar mehrere funktionsfÀhige Originalplatinen von Dolphindos 2.0, betreiben diesen C64 mit seinen zwei 1541 jedoch mit einem Umbau, der auf dem 6502 RAM/ROM Expansion von Nicolas Welte basiert. Das vorletzte Bild zeigt ein originales Dolphindos, das letzte Foto zeigt eine der 1541 mit eingebauter 6502 RAM/ROM Platine (Dolphindos-Patch $6000 in 1541).

Bemerkung zur Beschreibung von Dolphindos 3.0: wir waren zu faul, nur wegen eines Fotos der Dolphindos 3.0 Platine den C128D aufzuschrauben. Stattdessen haben wir eine 1571 geöffnet und dessen Platine abgelichtet. Das war dann aber auch ganz schön aufwĂ€ndig, da auch hier zuerst das Netzteil und das Laufwerk der 1571 ausgebaut werden mĂŒssen.

TurboAccess 2.6/2.7

Roßmöller – 1984

  • Platine in Expansion-Port (durchgeschleift)
  • Platine in 1541
  • 6x schneller Laden
  • Umschaltung auf Original C64 Betriebssystem
  • Kurzbefehle, FastFormat
  • Centronics
  • Reset-Taster

Manual/Einbauanleitung

TurboTrans 3.4

Roßmöller – 1986

  • Platine in Expansion-Port (durchgeschleift)
  • Zweiteilige Platine in 1541 (256/512 KiB RAM)
  • 6x schneller Laden (Diskette), 200x schneller von RAMDisk
  • Umschaltung auf Original C64 Betriebssystem
  • Kurzbefehle, FastFormat
  • Centronics
  • Reset-Taster

Manual/Einbauanleitung (Quelle: Forum64)

Speeddos Plus

Elektronik Service – Christoph Dichte – 1984

  • Kernal in C64/1541
  • 8x schneller Laden
  • Umschaltung auf Original C64 Betriebssystem
  • Funktionstasten, Kurzbefehle
  • Centronics

Manual/Einbauanleitung

Grewe Turbofloppy 2.4

Grewe Datentechnik – 1985

  • Platine in Expansion-Port
  • Speeddos kompatibles Parallel-Kabel
  • 6-7x schneller Laden (16-fach mit prĂ€parierter Diskette)
  • 42 Track
  • Kurzbefehle, FastFormat
  • Reset-Taster

Manual/Einbauanleitung

Prologic DOS (Classic)

Jann Datentechnik / REX Datentechnik – 1985

  • Platine in Expansion- oder UserPort, Platine in 1541 (8 KiB RAM)
  • 27x schneller Laden
  • 35/40 Track
  • Funktionstasten, Kurzbefehle
  • Centronics, Hardcopy

Manual/Einbauanleitung

Dolphindos 2.0

The Dolphin Software – 1986

  • Kernal in C64, Platine in 1541 (8 KiB RAM)
  • Speeddos kompatibles Parallel-Kabel
  • 26x schneller Laden
  • 35/40 Track
  • Maschinensprachemonitor
  • Funktionstasten, Kurzbefehle
  • Centronics, Hardcopy

Manual/Einbauanleitung

Rapid-DOS

C-T Computertechnik – 1987

  • Kernal in C64/1541
  • Speeddos kompatibles Parallel-Kabel
  • 10x schneller Laden
  • 35/40 Track
  • Kurzbefehle, FastFormat
  • Centronics
  • Reset-Taster

Manual/Einbauanleitung

Professional DOS

Mikrotronic System – 1987

  • Kernal in C64/C128, Platine in 1541/1571 (8 KiB RAM)
  • 22-32x schneller Laden
  • 35/40 Track
  • Maschinensprachemonitor
  • Funktionstasten, Kurzbefehle
  • Centronics, Hardcopy

Manual/Einbauanleitung

Dolphindos 3.0

The Dolphin Software – 1988

  • Kernal in C64/C128, Platine in 1541/1571 (8 KiB RAM)
  • 27x schneller Laden
  • 35/40 Track
  • Maschinensprachemonitor
  • Funktionstasten, Kurzbefehle
  • Centronics, Hardcopy

Manual/Einbauanleitung

Dann haben wir da noch eine KuriositĂ€t anzubieten, die bestimmt nicht oft existiert: Dolphindos 1.3. Uns ist nicht bekannt, ab welcher Version Dolphindos in den Verkauf ging. Bekannt ist nur, das die Version 1.0 nur an Betatester herausgegeben wurde. Im Vergleich zur Version 2.0 ist ziemlich viel handverdrahtet. Möglich ist auch, das es sich um eine der ersten Nachbauten von Dolphindos handelt. Zudem ist der Datumsaufdruck auf einem IC’s irritierend, er weist auf 10.89 hin. Jedenfalls lag der 1541 eine zu diesem GerĂ€t gehörende Conrad-Reparaturechnung vom April 1987 ĂŒber den Austausch des 6522 bei.

Serielle Übertragung:
die Geschwindigkeitssteigerungen werden hier ĂŒber Modifikationen der Kernal-Routinen des C64 und der 1541 erreicht. Die maximale Leistung der seriellen Übertragung zwischen C64 und 1541 wurde von Commodore bei Weitem nicht ausgeschöpft und bietet viel Verbesserungspotential durch optimierte Programmierung. Die KompatibilitĂ€t zu bestehender Software ist bei serieller Übertragung naturgemĂ€ĂŸ sehr viel höher, da diese Technik grundsĂ€tzlich nĂ€her an der Serie liegt. Trotzdem, der einzige wirklich leistungsfĂ€hige Speeder, der mit serieller Übertragung grĂ¶ĂŸere Verbreitung finden konnte ist JiffyDOS der Firma CMD. Vor dessen Erscheinen hielt man die Geschwindigkeiten, die von JiffyDOS ohne zusĂ€tzlichem parallelen Kabel erzielt werden als unerreichbar. Auch der Umfang der Befehlserweiterungen (DOS-Wedge) fĂŒr den Dateizugriff, die JiffyDOS mitbringt, sind fĂŒr den C64 das Maß der Dinge. Sie bilden – bis heute – die Grundlage zur UnterstĂŒzung neuentwickelter Hardware (siehe unten). Aber auch Gutes kann noch verbessert werden: S-JiffyDOS ist ein Patch fĂŒr JiffyDOS und wurde von Jochen Adler entwickelt. Vor allem beim Speichern einer Datei ist es deutlich schneller als JiffyDOS. Ein weiterer Vertreter wĂ€re noch zu nennen: das 64’er DOS aus der gleichnamigen Zeitschrift des Markt&Technik-Verlages. Das 64’er DOS erschien stĂŒckchenweise jeweils in einer Heftausgabe. Es konnte entweder abgetippt werden oder war als binĂ€re Datei auf einer kostenpflichtigen Heftdiskette gespeichert. Auch hier werden die Kernal’s in C64 und 1541 ersetzt.

Bemerkung zu S-JiffyDos: Der Umbau in der 1541 auf dem zweiten Bild auf drei umschaltbare DOS-Versionen (Original, JiffyDos, S-JiffyDos) in der 1541 wurde mit Multiroms (Vintage Computers) durchgefĂŒhrt. Diese ersetzen 2332/2364 ROM’s ohne Sockel. Im dritten Bild der gleiche Umbau, hier aber bei einer 1541 II und konventionell mit Eprom.

JiffyDos 6

Creative Micro Designs – 1987

  • Kernal in C64/C128, Kernal in 1541/1571
  • 6-10x schneller Laden
  • RAMDOS Support
  • Funktionstasten, Kurzbefehle
  • DOS-Wedge (Diskcopy, Printer Interface, Directories)

Manual/Einbauanleitung

S-JiffyDos (JiffyDos 6 Patch)

Jochen Adler – 1987

  • wie JiffyDos 6, Umbaumaßnahmen in Floppy erforderlich
  • 30% schneller als JiffyDos 6
  • 35/40 Track
  • DOS-Wedge Erweiterungen

Manual/Einbauanleitung

64er DOS V3

Markt&Technik – 1987

  • Kernal in C64, Kernal in 1541
  • 8x schneller Laden
  • Hardcopy
  • Kurzbefehle

Manual/Einbauanleitung

Eine Vergleichstabelle der einzelnen Floppy-Speeder finden sie hier.

Abschließend kann man festhalten, das die Namensgebung der Schnellader – vor allem bei den Cartridge-basierten Lösungen – doch recht unĂŒbersichtlich ist. Oftmals wurde das gleiche Produkt unter anderem Namen veröffentlicht, manche davon auch als illegale Kopie. Einige serielle Schnelllader kamen als Cartridge-Lösung auf den Markt, gleichzeitig gab es aber auch eine Version als Kernal-Ersatz. Auch die Rechteinhaber wechselten durch Verkauf oder Übernahme und bewirkten eine NamensĂ€nderung. Viele Schnelllader wurden nur im Herstellungsland vertrieben und sind nur dort bekannt. Bei manchen Schnellladern wĂ€re eine langwierige Recherche in Fachzeitschriften notwendig um festzustellen, ob die Variante als legale Kopie auf den Markt kam.

Weitere Informationen zu Schnellladern:

Commodore.Software

Mingos Commodore Page

Zum Abschluß noch ein Vergleichtest von Schnellladern aus dem Sonderheft 9 der 64er (Markt&Technik Verlag) aus dem Jahr 1986.

Über diese traditionellen Floppyspeeder hinaus gab es viele neue Erweiterungen, die den C64 fĂŒr die gestiegenen Erfordernisse der 90iger Jahre fitmachen sollten. Allen voran die Firma CMD, die Festplatten, RAM-Links und ein schnelles 3,5″ Diskettenlaufwerk fĂŒr den C64 entwickelte. Keine Basteleien, sondern ausgesprochen professionelles (und teures) Zubehör fĂŒr den eigentlich technisch veralteten C64. Sogar eine mit 20 MHz getaktete CPU brachte CMD auf den Markt. Die KompatibilitĂ€t der “Super-CPU” hielt sich jedoch in engen Grenzen. Viele Spiele liefen nicht – oder einfach nur zu schnell (!).

Interessant und rational nicht nachvollziehbar ist, das die Entwicklungen fĂŒr diesen Computer – der dem technischen Stand des Jahres 1982 entspricht – offenbar noch nicht beendet sind. Dies gilt im Besonderen fĂŒr den Bereich der Datenspeicherung. Die C64-Fan-Gemeinde ruht nicht und bastelt unentwegt weiter, teilweise auf hohem Niveau. Reich werden kann man mit Neuentwicklungen fĂŒr den C64 bestimmt nicht mehr, aber fĂŒr die Finanzierung dieses Hobby’s reicht es allemal. Das alles jedoch ist kein klassisches Tuning mehr, denn die Hardware des C64 und/oder der 1541 werden ja teilweise oder auch vollstĂ€ndig durch Emulations-Hardware und neue Speichermedien ersetzt. Das ist vergleichbar mit einem Auto-Oldtimer von 1970, den man entweder mit zeitgenössischem Doppelvergaser und scharfer Nockenwelle aufbohrt oder man gleich aktuelle Fahrzeugtechnik verwendet, auf die man die Karosserie des Oldtimers draufsetzt.

SD2IEC: eine gĂŒnstige Lösung auf Basis eines ATmega644, die eine 1541 vollstĂ€ndig emuliert. Angeschlossen am seriellen Port speichert sie auf SD/MMC Karten. Um die Ladezeiten zu verkĂŒrzen, können die ROM’s von Schnellladern (z.B. JiffyDOS, siehe oben) eingesetzt werden.

1541-III: eine Àhnliche Lösung wie das SD2IEC, ebenfalls mit Speicherung auf SD/MMC-Speicherkarten.

1541 Ultimate: ein 1541-Emulator, der sich zu einem Standard fĂŒr Commodore 64- und 128-Computer entwickelt hat. Das neueste Produkt ist das Ultimate-64, in dessen FPGA das 1541 Ultimate enthalten ist und das den C64 vollstĂ€ndig emuliert. Das Mainboard des C64 wird dabei nicht mehr gebraucht. Neben den Standard-C64-AnschlĂŒssen besitzt es zusĂ€tzlich welche fĂŒr HDMI-, Ethernet- und USB.

Pi1541: ein Commodore 1541-Festplattenemulator in Echtzeit, der auf einem Raspberry Pi ausgefĂŒhrt werden kann. D64-, D81-, G64-, NIB- und NBZ-Commodore-Images sind verwendbar und werden auf einer SD-Karte gespeichert.