Datenspeicher
Wie bereits oben erwähnt, gab es in der Grundkonfiguration keinen Datenspeicher. Man musste sich einen handelsüblichen Kassettenrekorder besorgen (am besten von einem Homecomputerhersteller wie Atari oder Commodore) und am Kassettenport anschließen. In IBM’s Produktlisten findet sich kein solches Gerät. Gegen Aufpreis konnten natürlich ein oder zwei Diskettenlaufwerke geordert werden. Die Disketten wurden einseitig beschrieben, wodurch 160K Speicherkapazität pro Laufwerk zur Verfügung standen. Die von IBM verwendeten Tandon Laufwerke hätten auch doppelseitig schreiben können, aber DOS 1.0 bot dafür keine Unterstützung. Festplatten konnten vor Ende 1982 nicht eingebaut werden, wegen des BIOS (s.o.) und des zu schwachen Netzteils. Anmerkung: dem Autor dieses Artikels kein 5150 untergekommen, der nicht mit mindestens einem Floppy-Laufwerk ausgestattet war.
Betriebssysteme und Software
Als Betriebssysteme standen neben dem obligatorischen IBM PC-DOS (Aufpreis 40 US$) auch das inzwischen fertiggestellte CP/M 86 von Digital Research (Aufpreis 240 US$) sowie UCSD p System (University of Southern California at San Diego, Aufpreis 200 US$) zur Verfügung. Letztere erlangten aufgrund des hohen Preises keine grosse Bedeutung. Durch die Verbindung mit einem Pascal- und/oder Fortran- Compiler richtete sich USCD p hauptsächlich an Software-Entwickler. Eine nationale Zeichenanpassung gab es dafür nicht. Es ist zudem bis heute unerklärlich, wie die hohe Preisdifferenz von CP/M 86 im Vergleich zu PC-DOS zustande kam. Die Vermutung liegt nahe, daß IBM nicht daran interessiert war, möglichst viele CP/M 86 mit dem IBM PC auszuliefern. Jedenfalls war das der frühe K.O. für CP/M 86, der Anteil von PC-DOS bei den Auslieferungen lag bei über 95%. Durch das Basic im ROM konnte der 5150 jedoch auch ohne ladbares Betriebssystem benutzt werden und kam so einem einfachen Homecomputer – vor allem mit der optionalen CGA-Karte – recht nahe. Im Bereich der Anwendungssoftware sorgte IBM dafür, das weitere erfolgreiche Programme für den PC adaptiert wurden. Natürlich bemühte sich auch Microsoft, die Softwarepalette für den IBM PC bzw. für das eigene Betriebsystem DOS zu erweitern. Doch die damals noch kleine Firma war vollauf damit beschäftigt, Programmierwerkzeuge für IBM in Form eines Assemblers sowie für die Sprachen Basic, Cobol, Fortran und Pascal herzustellen. Ansonsten sah es mit Geschäftsanwendungen zum Erscheinungstermin eher mager aus, aber bereits im darauf folgenden Jahr sollte sich das ändern.
– VisiCalc 1.0 (Tabellenkalkulation, Visi Corp.)
– Easy Writer 1.0 (Textverarbeitung, Information Unlimited Software)
Sonstiges
– Die Firmen Logitech (Eingabegeräte), Adaptec (Festplattencontroller) und Iomega (Datenspeicher) werden gegründet
– Mit dem Osborne 1 erscheint der erste tragbare Computer (CP/M).
1982: Der Erfolgszug “IBM PC” gewinnt an Fahrt
Am Ende des Jahre 1981 Jahres hatte IBM bereits 30000 PC’s verkauft und wurde von diesem Erfolg völlig überrascht. Der Grossrechner-Hersteller hatte seine eigene Marktmacht und den weltweiten Bedarf an so einem “Spielzeug” vollkommen unterschätzt. Die IBM eigenen Verkaufsprognosen lagen bei ca. 250.000 Stück in 5 Jahren! 1983 sollten Monate dabei sein, in denen IBM diese Stückzahl verkaufen würde! Bereits ein Jahr nach dem Verkaufsstart- also im August 1982 – lag die Zahl der verkauften Einheiten bei 250.000 Stück. Lieferungen nach Europa waren 1982 nur begrenzt möglich, da IBM die Nachfrage in den USA kaum befriedigen konnte. Personal musste firmenintern “umgeschichtet” werden. Noch heute bestätigen IBM Mitarbeiter, das viele Angestellte, die ursprünglich bei IBM mit Mainframes beschäftigt waren und in die neugegründete PC-Abteilung ESD wechseln sollten, sich ernsthaft geweigert haben. Der Wechsel in die “Spielzeugabteilung” wurde quasi als Strafversetzung betrachtet und so mancher musste per Dienstanweisung zu diesem Schritt “überredet” werden. Bei IBM bestand jedoch Handlungsbedarf, denn für den Konzern war aufgrund der Verkaufszahlen ein vollkommen neuer Produktionszweig entstanden, der hohen Gewinn versprach.
Anmerkung: 1500US$ für einen Computer ohne Diskettenlaufwerk, ohne echtes Betriebssystem, nur mit Kassettenanschluß, ohne Monitor. Dafür bekam man von Commodore, von Apple oder Tandy bereits gut ausgestattete Komplettsysteme. Es ist vom Preis-Leistungsverhältnis her nicht wirklich nachvollziehbar, warum sich der IBM PC so gut verkaufte. Die einzigen wirklich plausiblen Erklärungen sind der in der Branche hoch angesehene Name ‘IBM’ sowie die offene Systemarchitektur, die es vielen Herstellern ermöglichte, Erweiterungen (Zusatzplatinen, Speichererweiterungen, Festplatten etc.) zu entwickeln.
Aufgrund der Lieferengpässe konnten sich bei uns in Deutschland in den Jahren 1981 und 1982 andere MS-DOS basierte PC’s verbreiten. Hier wäre der (dem IBM PC hardwaretechnisch überlegene) Sirius I zu nennen. Sirius dürfte auch einer der ersten OEM Kunden von Microsoft gewesen sein (DOS 1.25, kann Disketten doppelseitig beschreiben). Zur Erinnerung: Microsoft lieferte DOS nicht ausschließlich an IBM, welche das Betriebssystem als IBM PC-DOS zusammen mit ihren PC’s vermarkteten. MS hatte sich vertraglich vorbehalten, sein OS auch an andere Firmen zu verkaufen. Daher gab es von Anfang an OEM-Versionen von DOS. Auch DEC brachte mit dem Rainbow 100 eine DOS-Maschine auf den Markt, die in Deutschland noch vor dem IBM PC verfügbar war. Doch das alles bedeutete keinen Schaden für “Big Blue”. Keiner dieser Konkurrenten konnte sich in diesem einen Jahr, den sie in Deutschland bzw. Europa Vorsprung hatten, entscheidende Marktanteile sichern. In den USA – wo die Konkurrenten von Anfang an gegeneinander antreten mussten – war dieser Konkurrenzkampf relativ schnell zugunsten von IBM entschieden. IBM hatte einen neuen Standard gesetzt!
Betriebssysteme und Software
Die erste Betriebssystemversion DOS 1.0 hatte viele Bugs. Eine erste korrigierte Revision erschien bereits im Mai 1982 mit der Versionsnummer 1.1. Im Laufe dieses Jahres erreichen auch eine Reihe angepasster bzw. speziell für den IBM PC entwickelte Anwendungen den Markt. Diese und auch die des Jahres 1983 (siehe weiter unten) sollten (Software-)Geschichte schreiben:
– Multiplan (Tabellenkalkulation, Microsoft)
– dBase II ( Datenbank, Ashton-Tate)
– Wordstar 3.3 (Textverarbeitung, MicroPro)
– WordPerfect 1.0 (Textverarbeitung, Satellite Software)
– Autocad 1.0 (CAD, Autodesk)
– Volkswriter Deluxe (Textverarbeitung, Lifetree Software)
– Norton Utilities 1.0 – (Hilfsprogramme, Peter Norton Computing)
– Basic Compiler (Entwicklung, IBM)
– Pascal Compiler (Entwicklung, IBM)
– Fortran Compiler (Entwicklung, IBM)
– Cobol Compiler (Entwicklung, IBM)
– Macro Assembler (Entwicklung, IBM)
IBM wusste, das ein Computer nur so gut war wie die dafür verfügbare Software. Daher ließen sie nicht nur Microsoft Programmiersprachen entwickeln, sondern gaben auch Anwendungen bei Softwarefirmen in Auftrag, die dann unter dem IBM-Label verkauft wurden. Eine Firma, die in den Anfangsjahren auffällig viele Programme für das IBM Regal bereitstellen durfte, ist die Software Publishing Corp. Sie lieferten u.a. die umfangreiche “IBM Assistant”-Reihe sowie die Programme “pfs:write”, “pfs:file” und “pfs:report”. Auch spezielle Branchenanwendungen wie Finanzbuchhaltungen oder Warenwirtschaftssysteme – aufgrund spezieller Anforderungen meist von national operierenden Softwarefirmen hergestellt – vermarktete IBM im typischen Schuber-Design.
Nachbauten
Mit zunehmenden Erfolg tauchten – beinahe zwangsweise – erste Nachbauten des IBM PC auf: der MPC – ein portables Modell der Firma Columbia Data Products – kann diese historische Leistung für sich verbuchen. Nochmal zum besseren Verständnis: IBM wollte Nachbauten eigentlich gar nicht verhindern, daher die frühzeitige Offenlegung der ISA-Bus Architektur und die Veröffentlichung ihres eigenentwickelten BIOS-Quellcodes in den Handbüchern des IBM PC. Aber für die Verwendung von Letzterem wollte IBM Lizenzgebühren haben. Doch es lief nicht wie von IBM gewünscht, denn bald hatten findige Programmierer die Funktionen des BIOS analysiert und mit eigenem Code rekonstruiert. Das erste vollständig IBM-kompatible BIOS wurde im Compaq Portable eingesetzt. Die junge Firma musste 1 Million US$ für die Entwicklung aufwenden (s.a. Nachbauten 1983). Einige weitgehend software-kompatible Computer, die die gleiche CPU und das gleiche Microsoft-Betriebssystem benutzten, aber keine wirklichen IBM-Clones sind sollen hier zusammenfaßt werden:
- Wang Professional PC (1982): War in Deutschland oftmals in Schulen zu finden. Viele Standardprogramme für den IBM PC (z.B. Wordstar, dBase) gab es auch in Versionen für den Wang PC. Beim Wang scheitert der Datenaustausch mit dem IBM PC haupsächlich am unterschiedlichen Diskettenformat.
- DEC Rainbow 100 (1982): Mit zwei CPU’s ausgestattet (Intel 8088 und Zilog Z80) konnte er nicht nur MS-DOS, sondern auch 8-Bit CP/M Software verarbeiten. Die DEC besitzt ein kurioses Disketten-Doppellaufwerk (RX50), welches mit einem Motor zwei Disketten verarbeitet. Leider auch Inkompatibel mit dem IBM-Format.
- Texas Instruments Professional Computer (1983, Desktop und Portable): Der TI kann zwar IBM-Disketten lesen, aber wie beim Wang können keine ISA-Erweiterungskarten des IBM PC verwendet werden.
- ACT Sirius I / Victor 9000 (1982): Innovativer PC mit einer Bildschirmauflösung von 800×400, aber inkompatibles Diskettenformat. Diese Rechner konnte in Deutschland und Großbritannien sehr erfolgreich vermarktet werden. Der Erfolg endete, als der IBM PC auch in diesen Ländern in Stückzahlen lieferbar war.
- Zenith Z-100 (1982): Wie die DEC Rainbow konnte der Zenith neben DOS auch 8-Bit CP/M verarbeiten, da er neben dem 8088 auch mit einer 8085 CPU ausgestattet ist. Inkompatibel zum IBM PC war nicht nur der im TI verwendete S-100 Bus, sondern auch das Diskettenformat. Optional war der Z-100 bereits 1982 mit einer Winchester-Platte lieferbar.
Zubehör
– Die Firma Davong Systems stellt die erste 5MB Festpaltte für den PC vor (Preis ca. 2000 US$)
– Logitech und Mouse Systems stellen die ersten Zeigergeräte (Mäuse) für den IBM PC vor.
Werbung
In den Jahren 1981 und 1982 findet man in deutschen Computerzeitschriften keine Werbung für den IBM PC. Der Grund dafür war sicher, das IBM im den ersten Produktionsjahr den amerikanischen Markt kaum befriedigen konnte, das Produkt in Europa also gar nicht verfügbar war. IBM sicherte sich Charlie Chaplin (natürlich nur ein Double, CC starb 1977) als Werbeträger. Der weltbekannte Komiker wurde in zahlreichen Werbeanzeigen und für Merchandising-Produkte in Zusammenhang mit dem IBM Personal Computer abgelichtet. Dieser Werbevertrag hielt bis mindestens 1985. 20 Millionen Franken kostete IBM diese Kampagne, zahlbar an die Schweizer Chaplin-Erben. Nachfolgend einige Anzeigen aus US-Fachzeitschriften (beide Abbildungen stammen von der Seite www.oldcomputers.com). Im amerikanischen byte-Magazine Ausgabe 01/1982 fand sich ein erster Testbericht.