ACT (Applied Computer Techniques) war in England 1965 als Time-Sharing-Unternehmen gegr├╝ndet worden. Sie vermietete Rechenleistung an Firmen, die sich keinen eigenen Computer leisten konnten oder leisten wollten. 1985 wird ACT in Apricot Computers PLC umbenannt, welche nachfolgend die gleichnamige Computerserie herstellen und vertreiben sollte.

Der erste Versuch von ACT, einen eigenen Mikrocomputer zu etablieren, war der ACT 800. Dieser wurde von einem US-Hersteller hergestellt und von ACT unter eigenem Namen in Gro├čbritannien vermarktet. 1982 unterzeichnete ACT einen Vertrag mit der Firma Victor ├╝ber den Vertrieb des Victor 9000 in Europa. Das f├╝r den europ├Ąischen Vertrieb in Sirius I unbenannte Computermodell des genialen Entwicklers Chuck Peddle wurde ein gro├čer Erfolg. Der eigentlich ├╝berm├Ąchtige Konkurrent IBM konnte seinen PC 1982 nur in geringen St├╝ckzahlen exportieren, weil die Nachfrage in den USA sehr gro├č war. Aus diesem Grund und weil der Sirius I mit 128 KiB RAM, zwei Hochleistungs-Diskettenlaufwerken und einem Bildschirm mit vergleichweise hoher Aufl├Âsung technisch ├╝berlegen war, konnten recht ordentliche St├╝ckzahlen an den Mann gebracht werden.

Erst ab 1983 konnte IBM seine Produktions-Kapazit├Ąten steigern. Trotz der genannten technischen ├ťberlegenenheit verlor der Sirius I in der Folge zunehmend Marktanteile in Europa. Die Marke IBM zeigte bei den Interessenten Wirkung, die Eigenschaft “IBM-kompatibel” wurde f├╝r einen B├╝ro-PC zudem immer wichtiger. Die Inkompatibilit├Ąt des Sirius I zum IBM PC – die von Victor auch nie beabsichtigt war –┬á stellte sich jetzt als Kaufhinderniss heraus. Trotz der ├╝berm├Ąchtigen Konkurrenz von IBM h├Ątte der Sirius I / Victor 9000 vielleicht eine kleine Chance gehabt zu einem Standard zu werden, wenn Victor’s Marketing in den USA besser gewesen w├Ąre.

Trotzdem hat der Erfolg des Sirius ACT dazu veranla├čt, eigene PC’s zu bauen. Sie beauftragten die Beratungsfirma QED, einen eigenen Computer zu entwerfen. Die erste Anforderung bestand nat├╝rlich darin, an einen Projektnamen zu finden. Auf Apricot ist man angeblich gekommen, weil darin die Buchstaben ACT enthalten sind. Au├čerdem sollte der neue Computer mit dem Sirius Software-kompatibel sein, da es zu dieser Zeit noch mehr Software f├╝r den Sirius gab als f├╝r den IBM-PC.

Apricot PC

Um den neuen Computer zu bauen er├Âffnete ACT eine neue Fabrik im schottischen Glenrothes, einem Gebiet, das wegen der Anzahl der dort ans├Ąssigen High-Tech-Unternehmen als ÔÇ×Silicon GlenÔÇť bekannt wurde. Mit dem Apricot PC wurden einige neue Features eingef├╝hrt, insbesondere die neuen 3,5″ Diskettenlaufwerke, die Sony entwickelt hatte. Der Apricot war der erste Computer au├čerhalb Japans, der diese neue Laufwerke verwendete. Auch das Geh├Ąuse des Rechners war f├╝r die damalige Zeit klein und extravagant.

Im Juni 1983 wurden zun├Ąchst zwei Versionen des Apricot PC auf den Markt gebracht, beide mit 8086 CPU (4,77 MHz) und 256 KiB RAM (max. ausbaubar bis 768 KiB RAM): eins mit einem Diskettenlaufwerk und das andere mit deren zwei. Es wurden jedoch nur wenige Modelle mit nur einem Diskettenlaufwerk hergestellt, und noch weniger davon wurden verkauft. Der Hauptzweck dieser Ausstattungsvariante schien es gewesen zu sein, mit einem m├Âglichst niedrigen Preis Werbung machen zu k├Ânnen. Fakt ist, das B├╝ro-PC’s mit nur einem Diskettenlaufwerk auch damals nicht mehr dem technischen Standard entsprochen haben. Ab M├Ąrz 1984 war eine weitere Modellvariante verf├╝gbar, die zeitgem├Ą├č ├╝ber ein Diskettenlaufwerk und einer 5 MB oder 10 MB Festplatte aufwartete. ACT wartete den Markterfolg des Apricot PC erst gar nicht ab, denn man hatte schon lange vor dem Marktstart die Planungen f├╝r die Nachfolgemodelle abgeschlossen.

Apricot F1

So erschienen bereits Ende 1984 der Apricot F1 und das Apricot Portable. Wie der Apricot-PC war das Modell F1 ein Desktoprechner und nicht mit IBM-PCs kompatibel, wodurch der Recher nur in Gro├čbritannien wirklich erfolgreich war. Er wurde mit Software f├╝r Grafik, Kommunikation, Textverarbeitung, Tabellenkalkulation, einigen Spielen und Systemwerkzeugen geb├╝ndelt, zudem┬á mit einem GUI-Frontend names Activity. Wie schon sein Vorg├Ąnger wurde er mit einem 3,5 “-Diskettenlaufwerk ausgestattet. Sehr aussergew├Âhnlich war auch die Infrarot-Tastatur (IR). Diese enthielt eine Echtzeituhr. W├Ąhrend des Startvorgangs des Computers fordert das BIOS den Benutzer grafisch auf, die Taste “DATE / TIME” zu dr├╝cken. Dadurch wurden die in der Tastatur gespeicherten Information f├╝r Datums- und Uhrzeiteinstellungen ├╝ber IR an den Computer ├╝bertragen und so die Echtzeituhr im Computer eingestellt. Ein ebenfalls per IR mit der Zentralanheit verbundener Trackball diente als Maus -Ersatz. Diese Innovationen waren zu dieser Zeit echte Alleinstellungsmerkmale bei PC’s.

Der Apricot Portable befand sich in einem harten, anthrazitfarbenen Koffer, war mit ca. 7 kg durchaus tragbar und bestand aus zwei Hauptteilen: der Zentraleinheit (Monitor) und der Tastatur. Optional war auch hierf├╝r maus├Ąhnliches Trackboard erh├Ąltlich. Eine serielle Microsoft-Maus konnte jedoch ebenfalls angeschlossen werden. Vom Modell F1 erbte das Portable die IR-Verbindung der Tastatur und des Trackballs mit dem Computer. Zusammen mit dem 25-zeiligen LCD-Bildschirm ergab sich auch bei diesem Modell wieder ein unvergleichliches Design. Wie der F1 wurde auch das Portable mit bis zu 1MB RAM, einem integrierten Festplattenlaufwerk, einem Spracherkennungssystem f├╝r Eingabe/Ausgabe und einem umfangreichem Softwarepaket ausgeliefert.

 

Apricot Portable

Der letzte nicht IBM-kompatible Apricot-Computer erschien 1985. Das Modell XEN war ein i286-basiertes System, das mit dem IBM AT konkurrieren sollte. Dazu steigerte man den CPU-Takt auf 7,5Mhz, wodurch er erheblich schneller war als der IBM. Das verbaute schnelle RAM machte es m├Âglich, das der XEN schneller (zero wait-states) auf seinen Speicher zugreifen konnte als der IBM. Insgesamt konnte die Systemleistung um 60% gegen├╝ber dem IBM AT gesteigert werden – wenn man der damaligen Produktwerbung glaubt. Das zu dieser Zeit frisch erschienene Microsoft Windows 1.0 wurde speziell auf den XEN angepa├čt und dem Softwarepaket beigelegt. 1986 erschien der XEN-i, der zum ersten Mal in der langen Modellreihe kompatibel zum IBM PC war. Daf├╝r baute Apricot anfangs sogar ein 5,25″ Diskettenlaufwerk ein. Nach Erscheinen der PS/2 Reihe 1987 – bei der IBM selbst modell├╝bergreifend nur noch 3,5″ Laufwerke verwendete – wurde dieses aber wieder durch 3,5″ Laufwerk ersetzt. Dem XEN folgte dann bis 1990 weitere Modelle in Form des XEN-i mit i386 und i486 CPU’s.

Im April 1990 wurde Apricot durch den Mitsubishi-Konzern ├╝bernommen, wobei die Software-Abteilung bei Apricot verblieb. Damit verschwand leider auch das aussergew├Âhnliche PC-Design der Apricot-Computer. Was jetzt noch an Modellen folgte, war nicht mehr innovativ, sondern Konfektions-Computertechnik. In der zweiten H├Ąlfte der 90iger Jahre beschlo├č Mitsubishi, die gesamte PC-Produktion einzustellen. Damit endet auch die Geschichte der Marke Apricot.