Branco Weiss

Branco Weiss, 1929 in Zagreb geborener Dipl. Ing. Chemie, grĂŒndete 1959 „Kontron“ mit dem Zweck der Herstellung von MeßgerĂ€ten, Bauteilen und Computerperipherie. Der GeschĂ€ftssitz war anfangs in ZĂŒrich. Bisher konnte ich nicht in Erfahrung bringen, was Kontron anfangs hergestellt hat. 1974 zeigte Kontron auf einer Computerausstellung in Frankfurt ein Plottersystem, Off-line-Magnetbandstationen sowie ein interaktives graphisches Display System. Im gleichen Jahr wir Kontron wird von Roche ĂŒbernommen. Zwei Jahre spĂ€ter, 1976, ĂŒbernimmt Kontron als alleiniger Distributor die Zilog CPU’s in Deutschland. Ebenfalls 1976 ĂŒbernimmt die Kontron Elektronik GmbH (Eching), den Vertrieb der ADDS System-BildschirmgerĂ€te in Deutschland. Den Zilog Z80 Entwicklungskit vertreibt Kontron in Deutschland unter eigenem Namen.

Ab 1978 vetreibt Kontron im Stil eines Discounters die Videoterminals REGENT 100/200 mit großem Erfolg. Die se neuen GerĂ€te ließen sich ĂŒber die TTY-Schnittstelle problemlos an jeden Minicomputer anschliessen.

1979 schied Branco Weiss aus der Firma aus. Angeblich liessen die vertraglichen Abmachungen mit Roche keine innovative Arbeit mehr zu. Branco Weiss ist nach seinem RĂŒcktritt mehr als 40 Jahre als Förderer von Start-Up Unternehmen sowie als KunstmĂ€zen sehr aktiv. Danach wurde der GeschĂ€ftsbereich Datasystems der Kontron AG neu formiert. Er setzte sich nun aus den reorganisierten Abteilungen Computer-Peripherie und Computer-Systeme zusammen. Der Zusammenschluß sollte zu besserer Koordination sowie zu höherer Einsatzeffizienz fĂŒhren und damit den Servicebereich verbessern. Die HauptaktivitĂ€ten sollten wie bisher im Computer Peripherie-Markt, den Terminals, Druckern und Plottern sowie bei Terminal-Netzwerken und Kommunicationssystemen liegen. Als Neuheit sollten auch komplette Einplatz-Mikrocomputersysteme angeboten werden. Sie basierten auf den ADDS-Systemen 50 und 70, die als vollstĂ€ndig ausgerĂŒstetes System mit 32K-Hauptspeichern, zwei Diskettenlaufwerken und einem Matrixdrucker wenig mehr als 25 000 Franken kosten sollten. Die Systeme konnten, was in dieser Leistungsklasse eher selten anzutreffen war, in Cobol, Fortran und Basic programmiert werden. Deshalb standen den Benutzern eine ganze Reihe von Anwendungsprogrammen, welche speziell fĂŒr die Schweiz erstellt wurden, zur VerfĂŒgung. Ein eigens fĂŒr das System entwickelter ADDS*PLUS erlaubt es, einfache Erfassungsprogramme direkt am Bildschirm zu entwickeln.

1981 wurde Kontron in eine Holding mit dem Namen „Kontron Elektronik GmbH“ umgewandelt. Neun GeschĂ€ftsbereiche waren im Zuge einer Neuorganisation jetzt in GmbH-Form am Markt vertreten. Die Einzel-Töchter traten in folgenden AktivitĂ€tsbereichen in Erscheinung: Bildanalyse, Computerperipherie, Halbleiter, Hochfrequenz, Leiterplatten, Meßtechnik, Mikrocomputer, Produktion und Registriertechnik. Die Mikrocomputer-Serie PSI80 wurde um ein Modell mit Festplatte erweitert. Das Modell PSI80D/W5 erhielt eine 5 MB Festplatte und war damit das Spitzenmodell dieser Mikro-Familie. Neben dem Festplattenlaufwerk gehörte ein 308-KB-Floppy-Disk-Laufwerk, ein Bildschirm mit 16 KB Video RAM sowie die Zentraleinheit mit 64 KB RAM auf Z80A-Basis zur Ausstattung. Vereinfacht werde die Übertragung von Software auf den PSI80 durch die KompatibilitĂ€t des Systems zum Betriebssystem CP/M.

Zur Erweiterung ihres Druckerangebots hat die Kontron AG 1982 neben den bereits gefĂŒhrten Druckern der Dataproducts nun auch die Matrix-Drucker von Microline in ihre Palette aufgenommen. Den Anwendern der PSI80-Systeme von Kontron aus Eching bei MĂŒnchen steht nun neben KOS auch das Betriebssystem CPM 2.2 von Digital Research zur VerfĂŒgung.

1984 wurde das KDS-Entwicklungssystem auf den Markt gebracht. KDS ist ein Arbeitsplatz mit CP/M-Betriebssystem, 256-KB-Hauptspeicher, Doppelfloppylaufwerk (2×616 KB) und optional einer 10-MB-Festplatte. Das System unterstĂŒtzt eine große Anzahl von 8-und 16-Bit-Prozessoren fĂŒr die Hard-und Softwareentwicklung und konnte zudem mit dem Universal-Emulator (KSE) erweitert werden. Zur Hardwarefehlersuche war ein Logikanalysator (Kontron-KLA/KSA-Serie) in das System integrierbar. FĂŒr die Softwareentwicklung stand eine große Bibliothek von Pascal-Programmen und Compilern zur VerfĂŒgung. Eine NachrĂŒstung des Kontron-KDS-Systems mit Unix in Verbindung mit einer 68000 CPU war vorgesehen.

Zudem sprang Kontron im gleichen Jahr auf den IBM Zug auf und bot gleich zwei IBM-kompatiblen PC’s an. Die sogenannten Ergo-PCs trugen die Modellbezeichnung 988 und 9888 und basieren auf einem Intel 8088 und dem Betriebssystem MS-DOS 2.0. Sie waren von 64 KB bis 256 KB ausbaubar, verfĂŒgten ĂŒber ein bis zwei Diskettenlaufwerke mit wahlweise 320 oder 640 KB und einen 17,8-MB-Festplattenspeicher.

1985 feierte Kontron sein 25 jĂ€hriges Bestehen. Die als reine Vertriebsgesellschaft fĂŒr analytische GerĂ€te gegrĂŒndete Firma hatte sich in dieser Zeit zu einer weltweit tĂ€tigen Unternehmensgruppe mit eigener Produktion in den Bereichen Elektronik, Analytik und Medizin entwickelt. Mit rund 2400 Mitarbeitern in zehn LĂ€ndern erwirtschaftete Kontron 1984 einen Jahresumsatz von 563 Millionen Schweizer Franken.

1987 ĂŒbernahm John Zabolitzky, Physik-Professor und Fellow des Supercomputer-Instituts der UniversitĂ€t Minnesota, den Vorsitz im neugegrĂŒndeten Kontron-Technologie-Forum. 1989 ĂŒbernimmt der MĂŒnchener Autohersteller BMW die mittlerweile defizitĂ€re Kontron zu 100%. Laut Aussage von BMW soll die Firma aber weiterhin eigenstĂ€ndig agieren und sich zu einem international wettbewerbsfĂ€higen Unternehmen entwickeln. Zwar solle das Echinger Unternehmen das Elektronik-Know-how des Automobilkonzerns erweitern sowie bestimmte Elektronik-Komponenten fĂŒr BMW entwickeln und produzieren, dies mĂŒsse aber mit dem eigenen Produktprogramm ĂŒbereinstimmen und zu einem wettbewerbsfĂ€higen Preis möglich sein.

Bei stĂ€ndig sinkendem Umsatz steigt Kontron 1990 in den Halbleiter- und Komponentenvertrieb ein. Zwei Jahre spĂ€ter, 1992, rutschte Kontron mit 220 Millionen DM Verlust noch weiter in die roten Zahlen. Eine neuerliche Umstrukturierung mußte durchgefĂŒhrt werden, wobei 400 der 1100 ArbeitsplĂ€tze verlorengingen.

1993 kommt Kontron mit robusten Notebooks auf den Markt. Im Inneren eines gekapselten Leichtmagnesiumgehaeuses verbirgt der „Inlite“ einen 386SL- Prozessor mit einer Taktfrequenz von 25 MHz. Das Modell ist fĂŒr den Einsatz im Freien, wie z.B. in der Vermessungstechnik oder fuer industrielle Anwendungen vorgesehen. Fuer knapp 10000 Mark ist der portable Rechner mit TFT-Farbdisplay (Thin-Film-Transistor) ausgestattet. Bildschirm und Gehaeuse sind wasser-, staub- sowie wetterfest gekapselt. Das Modell „Marlin“ geht noch einen Schritt weiter: selbst im Wasser untergetaucht, wird sein Betrieb nicht beeintraechtigt. Marlin kostet rund 8000 Mark.

Die BMW AG liquidierte ihre Tochtergesellschaft Kontron Elektronik GmbH zum 30. September 1999. Nach einem Bericht der „SĂŒddeutschen Zeitung“ entschloß sich die Konzernleitung des MĂŒnchner Automobilherstellers zu diesem Schritt, nachdem Versuche gescheitert waren, die Gesellschaft zu verkaufen. Von der Schließung des Unternehmens, das BMW 1989 von Hoffmann La Roche erworben hatte, sind 240 Mitarbeiter betroffen, fĂŒr ein Sozialplan erstellt wurde.

Doch bereits im Jahr 2000 wird Kontron als „Kontron Embedded Computers AG“ in Eching bei MĂŒnchen unter Vorstandschef Hannes Niederhauser neu gegrĂŒndet. Niederhauser hatte 1999 Teile der in Liquidation befindlichen Kontron aufgekauft und diese mit anderen Unternehmen verschmolzen (seiner eigenen Firma Boards AG sowie ECT Divison Teknor Industrial Computers). Und man hatte bereits große PlĂ€ne. Zum einen wurde fĂŒr das FrĂŒhjahr 2001 der Börsengang ins Visier genommen, zum anderen peilte man mittelfristig die WeltmarktfĂŒhrerschaft im Segment Embedded Computer Technology (ECT).

2001 zĂ€hlte Kontron zu den fĂŒhrenden Anbietern von Minirechnern in Highend-Anwendungen, bei denen es vor allem auf die Schnelligkeit ankommt.