Eines haben die verschiedenen Apple II-Modelle gemeinsam: sie haben alle mehr oder weniger Computergeschichte geschrieben. Der Apple II von 1977 gehört zu den ersten kommerziell vermarkteten Computermodellen mit Mikroprozessor. Das Nachfolgemodell Apple IIe war eines der meistverkauften Computermodelle aller Zeiten und eines der am längsten produzierten. Erst 1993 wurde die Baureihe eingestellt.

Es gibt mehrere 8-Bit Modelle mit dem Apple II – Prefix. Dazugehört mit dem IIgs ein Modell mit 16-Bit:

  • Apple II (1977, MOS 6502 1.0 MHz, 16 KiB RAM)
  • Apple II+,  Apple II europlus (1979, MOS 6502 1.0 MHz, 48 KiB RAM)
  • Apple IIe (1983,  MOS 6502 1.0MHz, 64 KiB RAM, ab 1985 als “enhanced” mit CPU WDC 65C02 und 128 KiB)
  • Apple IIc (1984, WDC 65C02 1.0 MHz, 128 KiB RAM)
  • Apple IIe Platinum (1986, WDC 65C02 1.0 MHz, 128 KiB RAM, erweiterte Tastatur mit Nummernblock)
  • Apple IIgs, (1986, WDC 65C816 1 MHz  / 2,8 MHz, 128 KiB RAM)

Das eklatanteste Unterschied des Apple II im Vergleich zu seinen direkten Konkurrenten wie Commodore PET 2001 oder Tandy TRS-80 war, das er über 8 Erweiterungssteckplätze (8-Bit-Apple-Bus-System) verfügte und somit individuell ausgebaut werden konnte. Ein weiterer Unterschied ist auch, das Apple ab 1978 neben dem integrierten Basic mit Apple DOS ein eigenes Betriebssystem anbieten konnte. Die Konkurrenz setzte zu dieser Zeit auf ein um Diskettenbefehle erweitertes Basic als OS und/oder auf CP/M. Letzteres gab es mit der Microsoft SoftCard ab 1980 auch für den Apple II. Dazu weiter unten mehr.
Um in einen Apple II eine Steckkarte einzubauen muß keine Schraube rausgedreht werden. Einfach den oberen Deckel abheben und schon hat man Zugriff auf die Komponenten. Ein sehr wartungsfreundliches Gehäuse also. Dabei geht bei einem Apple II am Mainboard selten was defekt.

Wie kam es zu diesem Reparaturbericht? Nun, ist unseren Lagern stehen die Apple II – Modelle seit Jahren in den Regalen. Zu unserer Freude sind in einem weiteren Lager jetzt weitere Apple II zum Vorschein gekommen, bestehend aus mehreren Apple IIe und auch einem Apple II europlus. Natürlich werden die Geräte jetzt sofort gesichtet, geprüft und – gut verpackt – erneut eingelagert.

Unsere erste Erkenntniss bei den Inbetriebnahmen von Apple II Rechnern ist: schalte das Gerät niemals ein, bevor du im Netzteil den oder die X2-Entstörkondensatoren gewechselt hast. Die goldfarbenen Kondensatoren des Herstellers Riva platzen zu 90% bei der Wiederinbetriebnahme und erzeugen eine Rauchwolke, die ungesund riecht. Also entweder vorher austauschen oder das Gerät im Freien ca. 10 Minuten laufen lassen. Das gilt für alle Netzteile der Modelle Apple II, II europlus und IIe. Es gibt übrigens mindestens drei Varianten dieser Netzteile. Von der Länge her kürzere NT-Gehäuse mit buchstäblich reingequetschtem X2 Kondensatoren, eine ebenfalls kuze Variante aber einer kompakteren Platine und eine etwas längere Bauform, die sich dadurch auch besser warten lässt, weil die Bauteile nicht so eng beieinander sitzen.

Ein vorbeugender Gesamtwechsel der Kondensatoren der Netzteile ist u.E. nicht erforderlich. Diese sind von guter Qualität, ein Austausch ist daher nur notwendig, wenn die benötigten Spannungen nicht mehr stabil geliefert werden können. Probleme mit dem NT werden schnell erkennbar, wenn viele Steckkarten sowie mehrere Diskettenlaufwerke mit versorgt werden müssen, die Belastung also höher ist.

Der Apple II Standardmonitor

Die 12″ Grün-Monitore stammen von Sanyo und sind ebenfalls von guter Qualität. Sie sind vom Design her auf die Apple II – Serie abgestimmt, waren aber erst ab 1984 verfügbar. Als Besonderheit verfügt der Monitor über einen beweglichen inneren Rahmen, mit dem die Röhre vertikal verstellbar ist. Vor 1984 mußten passende Monitore von Fremdherstellern benutzt werden, oder auf den hauseigenen, aber optisch nicht so gut passenden Monitor des ab 1983 erhältlichen Apple III zurückgegriffen werden. Bei einem dieser Apple II – Monitore haben wir testweise ein komplettes “Recapping” durchgeführt. Dies brachte in unserem Fall jedoch keine merkliche Erhöhung der Darstellungsqualität.

Das Disk II – Diskettenlaufwerk

1977 erkannte Steve Jobs, das ein Kassettenrekorder als Datenspeicher für professionelle Anwendungen zu langsam ist und somit keine Zukunft hat. Er wollte ein Diskettenlaufwerk für den Apple II, aber ein möglichst günstiges. Durch den Verzicht auf alle elektronischen Komponenten konnte er den Einkaufspreis bei Shugart für die reine SA-400-Laufwerksmechanik auf 100US$ pro Laufwerk drücken. Das SA-400 wurde vom Marktführer Shugart zu dieser Zeit an viele Computerhersteller geliefert. Es besitzt nur einen Schreib-/Lesekopf, was zu dieser Zeit dem Stand der Technik entsprach. Disketten konnten also nur einseitig beschrieben werden.
Steve Woszniak’s Genialität ist es in der Folge zu verdanken, das durch seinen selbstentwickelten Controller aus dem radikal abgespeckten Laufwerk am Ende ein funktionsfähiges Diskettensystem für den Apple II wurde. 1978 kam das Disk II zu einem günstigen Preis auf den Markt, was Apple für einige Zeit einen immensen Vorteil gegenüber der Konkurrenz verschaffte.

Diskettenlaufwerke konnten zwar über Basicerweiterungen angesprochen werden, aber eleganter war für Jobs eine Lösung mit einem Betriebssystem. Die Entwicklung vergab man an die Firma Shepardson Microsystems. Das erste DOS 3.2.1 konnte einseitig 114 KiB auf einer Diskette unterbringen. Bei späteren Versionen (DOS 3.3 und ProDOS) erhöhte sich die Kapazität auf 140 KiB.

Die einfach aufgebauten einseitigen 5.25″ Disk II – Laufwerke haben im Laufe der Jahre einige Macken bekommen. Aber aufgrund überschaubaren Anzahl an Komponenten – noch dazu alles Standard-IC’s – sollten sie eigentlich leicht zu reparieren sein. Bei dem angesprochenen II europlus sind zwei Disk II – Laufwerke dabei. Diese funktionieren und können auch originale Apple Disketten verarbeiten. Ebenfalls zwei Disk II sind an einem der IIe angeschlossen. Als erste Maßnahme wird eine Reinigung aller Laufwerke durchgeführt. Bitte beachten: Führungsschienen nur reinigen, keine Schmiermittel auftragen !

Trotzdem konnten beide an den IIe angeschlossenen Laufwerke weder die Disketten des europlus noch originale Apple Disketten lesen. Sie verarbeiten aber alle Disketten, die von Ihnen selbst erzeugt wurden, anstandslos. Die naheliegende Diagnose: die Laufwerke sind de-justiert!

Als erstes sollte man die Einstellung der Laufwerksdrehzahl kontrollieren. Zum Einstellen hat Apple ein Poti auf Motorsteuerkarte (auf der Rückseite des Laufwerks) vorgesehen, mit der diese reguliert werden kann. Dieses Poti wird bereits zugänglich, wenn nur der Deckel des Laufwerks abgenommen wird. Die richtige Drehzahl (295-300 U/min) kann dann an der Unterseite des Laufwerks mittels der Kalibrierungshilfe kontrolliert werden. Es gibt aber auch einiges an Software, die bei Einstellung der Laufwerksdrehzahl unterstützen. Hier wären z.B. die Programme APTest, ComputerInspector und Locksmith (alle zu finden auf Apple2Online) zu nennen.

Das sogenannte Alignment bzw. Kalibrierung eines Laufwerks einzustellen ist schwieriger und sollte nur dann durchgeführt werden, wenn ein Laufwerk trotz Schreib-/Lesekopf-Reinigung und Drehzahl-Justierung keine Originaldisketten lesen kann. Zudem sollte ein grundsätzliches Wissen über Funktion von Diskettenlaufwerken und dem Aufbau einer Diskette vorhanden sein. Die Einstellungsprozedur ist zwar kein Hexenwerk, aber mit dem Risiko verbunden, danach ein Laufwerk zu haben, das nicht mal mehr seine von ihm selbst erzeugten Disketten lesen kann. Wer also nur über ein Laufwerk verfügt, hat bei einem Fehlschlag das Risiko, das er danach gar kein arbeitsfähiges Laufwerk mehr hat. Des Weiteren macht es nachvollziehbarerweise nur Sinn, ein ansonsten voll funktionsfähiges Laufwerk – das generell Schreiben, Lesen, Formatieren kann – zu justieren.

Apple Disk II – Technische Verfahren

Apple II – Diagnostics Review

Auch hierfür gibt es unterstützende Programme wie APTest. Die Alignment-Funktion von APTest misst die Positionen bzw. die Zentrierung des Schreib-/Lesekopfes auf verschiedenen Spuren der Diskette und zeigt die Abweichungen an. Dementsprechend muß die Spurlage korrigiert werden. Für diese Messung muß keine spezielle und schwer zu findende Alignment-Diskette zur Verfügung stehen. Eine originale, jedoch nicht kopiergeschützte Diskette (z.B. von Apple) kann auch verwendet werden.

Die Laufwerksriemen können ausleiern, was aber selten der Fall ist. Neue Riemen gibt es bei Console 5. Eine Reinigung des Antriebsrades sowie der Antriebsscheibe mit Isopropanol ist immer eine empfehlenswerte Maßnahme. Durch lange Standzeiten können sich bereits Ablagerung darauf befinden, wodurch eine gleichmäßige Drehzahl nicht mehr gewährleistet werden kann.

Am Ende wollte eines der Laufwerke trotz passender Drehzahl und Kalibrierung keine Diskette formatieren. Das kann an einem der IC’s des Analogboard’s liegen, aber auch an den Elko’s. Hier brachte ein Recapping den gewünschten Erfolg.

Software für den Apple II

Viele Apple II Geräte werden nach vielen Jahren von ihren Lagerstätten in Kellern und Speichern geholt, um sie aus nostalgischen Gründen wieder in Betrieb zu nehmen. Oftmals fehlen die zugehörigen Disketten oder sie sind nicht mehr lesbar. Für dieses Problem gibt es seit vielen Jahren eine geniale Lösung: ADTPro. Selbst wenn die DOS 3.3 – oder ProDOS-Bootdiskette fehlt, kann diese mit dem sogenannten Bootstrapping neu erzeugt werden. Dazu ist Apple-seitig eine serielle Schnittstelle erforderlich, zur Not funktioniert eine Verbindung jedoch auch über den Kassettenport. PC-seitig muß ebenfalls eine serielle Schnittstelle vorhanden sein. Wenn der moderne PC nicht mehr darüber verfügt, kann ADTPro dies auch mit einer USB-Verbindung realisieren, ein passendes Kabel (USB To Serial Adapter) vorausgesetzt.

Mehrere Webseiten (z.B. Apple2Online) bieten Diskettenimages an, die durch ADTPro übertragen und wieder zurück auf eine Diskette geschrieben werden können.