Ein IBM XT war 1984 mit 640KiB RAM und mit 10MB Festplatte nicht gerade ein Schnäppchen (ca. US$ 4800), aber der 1984 erschienene Compaq Deskpro XT als direkter Konkurrent toppte preislich selbst den IBM.

Introduced June 28, 1984. Reviewed in Byte Magazine, May 1985, pp. 260-267. For use with MS-DOS 2.11.
Model Price CPU Options
Model 1 $2495 4.77-7.14Mhz 8086 128Kb RAM, 1 FDD
Model 2 $2995 4.77-7.14Mhz 8086 256Kb RAM, 2 FDD
Model 3 $4995 4.77-7.14Mhz 8086 256Kb RAM, 1 FDD, 10Mb HDD
Model 4 $7195 4.77-7.14Mhz 8086 640Kb RAM, 1 FDD, 10Mb HDD, 10Mb Tape Drive

Doch der hohe Preis lässt sich durchaus rechtfertigen. Die Weiterentwicklungen zum IBM XT 5160 und die damit verbundene wesentlich höhere Systemleistung des Deskpro sind nicht nur in der grundsätzlich schnelleren und höher getakteten CPU zu suchen. Da der 8086 nicht nur intern mit 16Bit, sondern im Gegensatz zum 8088 auch einen 16-Bit Datenbus bedienen kann, macht der Compaq konsequenterweise auch auf ISA Karten und das RAM 16-Bit Zugriffe. Auch wenn das BIOS ein funktional 100%iger Clone des IBM BIOS ist, dürfte eine derartige Maschine eigentlich nicht mehr voll kompatibel zum IBM-Original sein. Könnte man meinen, ist aber falsch! Tatsache ist, daß sich mit dem Deskpro auf Software-Ebene – zumindest bei Standard-Anwendungen – keinerlei Kompatibiltätsprobleme ergaben. Damit machte Compaq auch eifrig Werbung. Eine echte Power-Maschine, die für den reinen DOS-Anwender durchaus eine Alternative zum neuen IBM AT 5170 war. Mehr dazu.

So sieht der Rechner von innen aus:

Auf der Rückseite sieht man den runden Monitoranschluß in Form einer DIN-Buchse. Er erlaubt nur den Anschluß eines Compaq eigenen Monitors. Dieser bernsteinfarbene Monitor hat – im Zusammenspiel mit der Standardgrafikkarte des Deskpro – besondere Fähigkeiten. Er ist in der Lage, CGA-konforme Farbgrafikmodi in Form von Graustufen (640×200 oder 320×200) wie auch einen hochauflösenden Textmodus (80×25 oder 40×25) darzustellen. Bei IBM mußte man sich entweder für MDA oder CGA entscheiden, der Compaq zusammen mit diesem Monitor kann beides.

Unser Deskpro hat jedoch eine separate EGA-Karte eingebaut, die alles noch besser kann, aber einen speziellen Monitor benötigt. Eine beliebte Aufrüstung zu dieser Zeit.

Unser Deskpro hat eine Standzeit von ca. 5 Jahren hinter sich, jetzt soll er wieder mal in Betrieb genommen werden. Vorsichtshalber machen wir das mit einem Trenntrafo, so das die Spannung auf maximal 220V begrenzt werden kann. Ausserdem sollte man solche Wiederinbetriebnahmen immer bei offenem Gehäuse machen. So sieht man wenigstens, ob und auch ungefähr wo Rauch aufsteigt. Als das Netzteil anlief gab es dann tatsächlich einen Knall und Funkenflug. Aus dem NT stieg der zuvor beschworene Rauch auf. Stecker raus…

Der Deskpro hat kein IBM konformes Netzteil, was Bauform und Anschlüsse betrifft. Schaltpläne für dieses Modell gibt es im Internet auch nicht. Das Netzteil muss ausgebaut werden.

Der Fehler war schnell gefunden. Ein Tantal-Kondensator (C27, 2,2uF, 25V) war geplatzt. Gleichartige Tantals mit diesem Nennwert gibt es auf der Platine des Netzteils noch drei Stück. Die Erfahrung lehrt, alle gleichartigen Kondensatoren ebenfalls zu Ersetzen. Da die NT-Platine auch einen leichten Fischgeruch von sich gab – ein untrügliches Zeichen, das irgendwo ein oder mehrere Elko(s) undicht geworden sind – müssen wohl alle Kondensatoren im Sekundärbereich gewechselt werden.

Nachdem das Netzteil wieder zusammen- und eingebaut ist, der nächste Test. Siehe da, ein Lebenszeichen. Der Deskpro besitzt ein CMOS-Bios das über eine Diskette konfiguriert wird. Eine Diskette mit Compaq Setup 6.06 eingelegt, nach F1 bootet der Rechner und fordert zunächst auf, das Systemdatum und -uhrzeit einzustellen. Danach erfolgt eine Abfrage, welchen Monitor man verwendet. Dies stellt man in auf Color, wenn ein entsprechender Monitor angeschlossen ist. Die angeschlossene Festplatte ermittelt Setup meistens selbst, soweit es sich um ein gängiges Modell handelt.

Nach dem Speichern der Konfiguration bootet der Deskpro von Festplatte.

Zu guter Letzt fiel noch das Tastaturkabel ins Auge. Die Ummantelung des Spiralkabels hat sämliche Weichmacher verloren und löst sich auf. In einem einschlägigen Forum bekam ich den Tipp, das diese Kabel identisch sind mit denen der IBM Model M – Tastatur. Für diese findet sich im Internet eine Quelle, bei der man neue Spiralkabel mit entsprechenden Steckern beziehen kann.