Die Firma Vobis wurde zwar schon 1975 gegründet (als VERO GmbH), firmierte aber erst 1981 zu ihrem bekannten Namen Vobis Data Computer GmbH um. 1989 stieg der Metro-Konzern bei Vobis ein, 1991 wurde aus der GmbH eine AG. Der Höhepunkt der Geschäftstätigkeit wurde 1997 erreicht. In diesem Jahr umfasste Vobis 776 Filialen in elf Ländern und war der unangefochtene Marktführer in Deutschland. Anfangs wurden die Computer in den jeweiligen Filialen assembliert, später entstand eine zentrale Fertigung. Viele Geräte wurden jedoch auch einfach zugekauft und neu ge-brandet. Ein gutes Beispiel hierfür sind die Highscreen Alpha AXP, die von DEC hergestellt wurden. Aber auch unser Notebook gehört in diese Kategorie, dazu weiter unten mehr. Legendär sind bis heute die Denkzettel-Prospekte, die i.d.R. monatlich herausgegeben wurden und oftmals Tageszeitungen beilagen. Wir haben viele davon digitalisiert, sie sind unter Inventar->Paperware zu finden. Die schnelle Entwicklung, der zunehmende Preiskampf und sicher auch ein paar strategische Fehlentscheidungen führten ab Anfang der 2000er Jahre zur Abwicklung der Vobis AG.

Auszug aus Denkzettel Februar 1992
Der Highscreen 386 DX/33, der ab 1992 von Vobis vertrieben wurde, ist ein extrem leichter und kompakter Personal Computer im Notebook-Format. Die CPU 80386DX ist mit 33Mhz getaktet. Das Graustufen LCD-Display hat eine Größe von 9,4“ und ist hintergrundbeleuchtet. Der Arbeitsspeicher des 386 DX/33 ist in der Gundausstattung mit 2 MByte bestückt und kann bis 16 MByte erweitert werden. Es sind 3,5“ Standard-IDE Festplatten intern verbaut (wahlweise 40 oder 60MiB ab Werk), zudem gibt es ein 3,5“ HD Diskettenlaufwerk. Ein Anschluß für einen externen Monitor ist vorhanden.

NanTan FMA3300
Der eigentliche Hersteller des Notebook’s ist die taiwanesische Firma NanTan. Das Modell wurde intern als FMA 3300 bezeichnet. Im gleichen Gehäuse gab es auch Modelle auf 486er Basis (FMA 3500), Die NanTan Notebooks wirken im Vergleich zu ihren damaligen Konkurrenten wie der IBM ThinkPad 300-Serie, Texas Instruments Travelmate 2000/3000/4000 oder dem Dell 325LT ziemlich veraltet, sind allerdings solide gebaut.
Als Zubehör für unseren Highscreen haben wir die originale Tragetasche, einen extern anschließbaren Nummernblock, einen Zusatzakku und ein Highscreen-Mauspad, aber leider weder Systemdisketten noch ein Manual. Den externen Nummernblock werden wir ohne Treiber nicht in Betrieb nehmen können.
Nachdem das Netzteil auf die Spannung von 20V überprüft wurde, schalten wir den Notebook ein. Aber es kommt kein Bild, der Lüfter und die Festplatte laufen hörbar an. Das Gerät muß geöffnet werden. Dazu werden auf der Rückseite vier Senkkopfschrauben entfernt und auf der Unterseite zwei Schrauben. Danach lässt sich die Tastatur hochklappen. An der Front rastet die Tastatur mit vier Haltenasen ein. Im hochgedrückten Zustand kann die Tastatur entfernt werden, mit etwas Glück, ohne das eine oder mehrere Haltenasen abbrechen. Tipp: vor dem Einbau die Haltenasen einfetten, dann geht das Entfernen beim nächsten mal leichter. Als nächstes eine zentral sitzende Schraube entfernen, dann lässt sich das Display nach hinten klappen.
Für die Fehlersuche entfernen wie als erstes die rechte obere Platine. Dazu müssen vier Schrauben gelöst werden. Jetzt lässt sich die Platine heben, dabei muß eine Steckverbindung zur unteren Platine gelöst werden. Die Kabel sind lang genug, um sie seitlich wegzudrücken, ohne das alle Kabel abgesteckt werden müssen. Jetzt kann man auch das vermutliche Problem erkennen, die Pufferbatterie ist ausgelaufen. Durch die austretende Kalilauge können Kurzschlüsse entstehen oder Leiterbahnen beschädigt werden. Der Akku wird kurzerhand mit einem Seitenschneider rausgezwickt. Man kann die Lauge z.B. durch Essigessenz neutralisieren, allerdings muß die Essigessenz wieder vollständig von der Platine runter, da sie selbst aggresiv auf das Mainboard wirkt. Also vorsichtig nur auf den betroffenen Stellen anwenden, danach gründlich mit Isopropanol reinigen.
Um die Leitbahnen zu checken müssen sie zuerst mit einem Glasfaserpinsel aufgeschliffen werden. Ein Merkmal sind dunkle Stellen auf der Platine, hier ist die Lauge i.d.R. unter den Schutzlack gewandert. Auch grüne scheinende Pins von IC’s sind betroffen und müssen gereinigt werden, immer mit der Hoffnung, das die Lauge nicht unter die IC’s gewandert ist. In diesem Fall müssten die IC’s runter. Hier hält sich der Schaden in Grenzen, es kann keine Leiterbahn-Unterbrechung festgestellt werden. Plus- und Minuskabel zum Anschluß des neuen Akku’s werden angelötet, danach der Bereich mit Schutzzlack wieder versiegelt.
Da lag der Fehler, der Notebook springt wieder an, das Bios erkennt die angeschlossene IDE-Platte korrekt. Natürlich kann er sich ohne Batterie seine Einstellungen nicht merken, aber darum kümmern wir uns noch. Er erkennt die Festplatte, aber er bootet nicht von ihr. Ein Diagnosetool von Diskette wird benötigt, aber keine Diskette rastet im Laufwerk ein. Die Mechanik des Laufwerks ist fest, meist weil im Laufe der Zeit das Schmierfett an den beweglichen Teilen vollständig ausgetrocknet ist. Also ausbauen und öffnen des NEC-Diskettenlaufwerks. Leider wurde von dessen Reparatur keine Bilder gemacht. Unsere bevorzugte Vorgehensweise ist, das verhärtete Fett mit WD-40 und einem kleinen Pinsel wieder anzulösen. Die beweglichen Teile können so nach mehreren Ein- und Auswurfsversuchen wieder gangbar gemacht werden. Danach ein paar Tröpfchen Nähmaschinen-Öl, und die Diskette flutscht wieder ein paar Jahre problemlos rein.
Jetzt kann der Highscreen von Diskette gebootet und mit MS-DOS 6.22 neu aufgesetzt werden. Windows 3.1 und ein paar DOS-Tools installieren wir bequem über eine INTERSVR/INTERLNK-Verbindung zu einem anderen DOS-Rechner. Als CMOS-Ersatzakku kommt eine wiederaufladbare LIR 2025 (3,6V) mit einem Halter rein.
Die CMOS-Einstellungen werden nun wieder gespeichert. Der Highscreen ist aufgrund seines DX 80386 mit 33Mhz und dem 32-Bit Datenbus recht schnell, könnte aber ein paar MiB RAM mehr vertragen. 2 MiB ist an der unteren Grenze für Windows 3.1. Er könnte ja bis 16MiB aufgerüstet werden, aber wir sind zufrieden, das er einfach wieder läuft und der ausgelaufene Akku nicht mehr Schaden angerichtet hat.
