Das ist mit Sicherheit der jüngste Rechner, der in unseren bisherigen Restaurationsberichten auftaucht. Herstellungsjahr ist vermutlich das Jahr 2000. Jedenfalls wurden die DELL Precision Workstation 420 MT in dem beigen Gehäuse in den Jahren 1999 bis 2001 produziert, mit dem Pentium III mit 1GHz ab 2000. Der Rechner stammt aus der Zeit, als ich noch als Software-Entwickler gearbeitet habe. Das er – entgegen meiner Gewohnheiten – auf dem Dachboden gelagert wurde, hatte ich zwischenzeitlich echt vergessen. Auf der Suche nach ebenfalls dort gelagerten ‘Byte Magazines’ fiel mir eine graue Decke auf, und natürlich wollte ich sehen, was darunter ist.

DELL Precision Workstation 420

DELL Precision Workstation 420

Und da kam die DELL Workstation zum Vorschein. Begleitet von einem “Aaaah” war die Erinnerung daran plötzlich wieder da. Sie mußte bestimmt ca. seit 20 Jahren da oben ausharren. In meinem Dachboden ist es zwar trocken, aber im Sommer wird es ziemlich heiß. Ich weiß noch, das mir der Rechner zu schade zum Entsorgen war, da dieses Modell zu seiner Zeit den absoluten HighEnd-Bereich der damaligen PC-Technik darstellte. Zumindest in der Konfiguration, in der ich den DELL damals geordert habe, mit zwei Pentium III CPU’s. Für die ganz jungen Leser: Multi-Core CPU’s gab es erst ab 2005! Herkömmliche PC’s mit mehr als einer CPU waren vor dieser Zeit die absolute Ausnahme.

Das schwere Teil (bestimmt 40kg) vom Dachboden bis in meine Werkstatt zu tragen, war anstrengend. Die äußerliche Inspektion ergab, das er weitgehend rostfrei ist. Nach Öffnung des Gehäuses und einer groben Reinigung mit Druckluft und verschiedenen Pinseln kam das Innenleben zum Vorschein. Immer empfehlenswert nach einer so langen Standzeit ist das Reinigen aller Steckkontakte mit Kontaktspray und Zahnbürste (oder ähnlichem). Empfehlenswert ist auch die Steckkarten zu entnehmen und deren Kontakte sowie die Steckplätze zu reinigen. Eine grobe Inspektion der Elko’s auf dem Mainboard (vor allem im Bereich um die CPU) mit der Taschenlampe kann auch nicht schaden. Ganz sicher ist auch die Pufferbatterie (CR2032) für das Bios leer.

Dual-Prozessor Mainboard (aus dem DELL-Service-Manual):

Mainboard Komponenten (aus DELL Service Manual)

Mainboard Komponenten (aus DELL Service Manual)

Die Konfiguration unseres des DELL

Prozessor: 2 x Intel Pentium III mit 1000 MHz (Slot 1)
Chipsatz: Intel 840
Arbeitsspeicher: RDRAM (Rambus), 512 MB im Dual-Channel-Betrieb, max. 1GB
Video: AGP, Club 3D (ATI Radeon 9550, 256 MB)
Festplatte: Quantum Atlas 10K an Adaptec 29160 (Ultra160 SCSI)
Steckplätze:  5 x PCI, 1 x AGP
Laufwerke: Diskettenlaufwerk, CD-ROM/DVD, CD-Writer
Betriebssystem: Windows 2000 Professional
Gehäuse: Midi-Tower-Gehäuse, werkzeuglos zu öffnen
Schnittstellen: SCSI, 2 COM-Ports, Parallelport, PS/2-Anschlüsse, USB 1.1, Ethernet

Nachdem die Pufferbatterie getauscht wurde, riskiere ich einen ersten Einschaltversuch.

Der DELL startet, das zuerst mal das Wichtigste. Ich hatte befürchtet, das es mit dem speziellen RAM des DELL Probleme geben könnte. Der verbaute Speichertyp RDRAM mit PC800-Speed wäre nicht mehr leicht aufzutreiben. Ich bin erleichtert, das es da keine Probleme gibt. Die angezeigten Fehlermeldungen sind nicht dramatisch und lediglich die Folge fehlerhafter Einstellungen im Bios. Der Rechner sucht offenbar eine angeschlossene IDE-Festplatte, die aber nicht existiert. Die Einstellung muß im Setup auf OFF geändert werden. Die meisten SCSI haben ihr eigenes Bios, das sich um die grundsätzliche Einrichtung und Sichtbarkeit der Festplatte im System kümmert. Lediglich in der Bootreihenfolge des Bios-Setup muß das SCSI-Gerät vorhanden sein.

Nachdem korrekte Setup-Einstellungen gemacht und natürlich Datum und Uhrzeit aktualisiert wurden startet das auf der Festplatte installierte Windows 2000. Auf dem Rechner finden sich viele Tools von damals wie TuneUp und Spybot. Ausserdem Office 2000. Ich erinnere mich, das ich den Rechner nach dessen Ausmusterung als “Partyrechner” zum wiedergeben von MP3’s verwendet habe. Damals war auch noch eine zweite Soundcard verbaut, damit ich MP3’s vorhören konnte, während eine andere MP3 lief. Zudem ist BearShare installiert, eine historische Tauschbörse für MP3 und Videos. Natürlich war das damals wie heute illegal und führte zu oftmals teuren Abmahnungen.

Jedenfalls, der DELL 420 läuft und wird mit Windows 2000 spielend fertig. Der Lüfter ist anfangs noch laut, beruhigt sich aber nach fünf Minuten. Die Club 3D Grafikkarte mit 128Bit war damals unter Windows der Konkurrent der GeForce FX 5200, bot aber die bessere Bildqualität und bessere Direct-X und Open GL Unterstützung. Sie war zu dieser Zeit daher (noch) die bessere Wahl. Der Adaptec 29160 läuft mangels 64-Bit CPU Steckplatz nur im 32-Bit Modus, schaufelt mit der Quantum Atlas 10K aber trotzdem genügend Daten über den Bus, natürlich bei SCSI-typischem Lärm. Der DELL wäre in dieser Ausstattung auch Windows XP-tauglich, aber wir lassen alles wie es ist. Die WS 420 wurde von DELL übrigens optional auch mit einem Debian Linux ausgeliefert.

Den DELL in mein privates Netzwerk einzubinden war völlig problemlos. Wer allerdings denkt, man könnte so einen Rechner noch für’s Internet einsetzen, den muß ich enttäuschen. Die letzten Browser (IE 6, Firefox 12) für Windows 2000 können nur einfach gehaltene Seite darstellen. Was noch dazu gehört, ist einer der ersten großen LCD Monitore. Den 18″ miro FP 180 hat der Großhändler Macrotron im Rahmen einer Händleraktion ca. im Jahr 2000 angeboten, zum Sonderpreis für ca. 1800 DM. Trotz des Wahnsinns-Preises habe ich mir den Monitor damals gekauft, aus Angst vor der Monitorstrahlung der alten CRT’s. Die Anlage ist somit eine schöne Youngtimer-Raritäten Sammlung.

Wer einen Rechner für alte Spiele sucht ist mit der DELL Precision Workstation 420 bestens bedient – wenn er denn ein funktionsfähiges Exemplar findet.

DELL Precision Workstation 420 MT mit Monitor miroFP 180

DELL Precision Workstation 420 MT mit Monitor miroFP 180