Quelle: IBM

Das IBM Model 9585 kam 1992 auf den Markt und ist das erste Modell einer Reihe, die alle als┬áNetzwerkserver in Mehrbenutzersystemen konzipiert waren. Sp├Ątere Modelle kamen mit der Bezeichnung 9595 und 9595A und basierten ebenfalls auf der 486er CPU. Seine Verwendung als Server sieht man dem Ger├Ąt mit seinem gro├čen und schweren Metallgeh├Ąuse auch an. Auch das riesige Netzteil ist auff├Ąllig und ist ein Hinweis darauf, das so ein Rechner viele Jahre durchlaufen soll. Als wir den IBM erhielten war keine Festplatte eingebaut, auch RAM und VGA-Karte fehlten. Das bei Servern die Festplatten – die ja oft sensible Daten enthalten – nach der Stilllegung ausgebaut und vernichtet werden, haben wir schon oft erlebt. Da├č RAM und VGA Karte fehlen erweckt aber schon den Verdacht, da├č das Ger├Ąt zum Ausschlachten vorgesehen war.

Allerdings sind heute nicht mehr viele Rechner dieses Typs ├╝brig, da die meisten betrieblich eingesetzt wurden und nach ihrer Ausmusterung aufgrund der Datensicherheit vernichtet wurden. Nur wenige dieser teuren Modelle wurden privat eingesetzt oder sind am Ende ihrer Nutzungsdauer in privater Hand gelandet. Daher lohnt es sich durchaus, hier ein wenig Zeit zu investieren.

Ein Aufkleber auf dem Geh├Ąuse weist darauf hin, das der IBM von der Sahl Computer AG (Augsburg) ausgeliefert wurde. Das gro├če Systemhaus ging 2014 pleite, nachdem ihm einige Gro├čkunden weggebrochen sind. Mit zur Insolvenz beigetragen haben d├╝rfte auch, da├č einige F├╝hrungskr├Ąfte die Firma verlassen und ein Konkurrenzunternehmen gegr├╝ndet haben.

MODELL                             PROZESSOR           FESTPLATTE
PS/2 Server 85 433 (9585-0KG)      i80486DX-33         540MiB
PS/2 Server 85 433 (9585-0KT)      i80486DX-33         1000MiB
PS/2 Server 85 466 (9585-0NG)      i80486DX2-66        540MiB
PS/2 Server 85 466 (9585-0NT)      i80486DX2-66        1000MiB

Unser Modell 9585 ONT wurde mit folgender Konfiguration ausgeliefert

  • CPU: 486DX/2-66
  • RAM: 8MiB (ECC-P), maximal 256 MiB onboard
  • Massenspeicher: Diskettenlauferk 2.88 MiB, 1000 MiB SCSI HD
  • Tastatur: 101 Tasten
  • OS: IBM PC-DOS 5.0 oder neuer, optional OS/2 2.0 oder neuer, NetWare 3.11, AIX PS/2 1.3

Quelle: IBM

Weitere Infos zu diesem Modell finden Sie hier.

Die IBM PS/2 Server 85-Modelle verf├╝gen ├╝ber ein einzigartiges Systemplatinendesign, das in der Grundversion einen 486SX-33-Mikroprozessor enth├Ąlt. F├╝r Kunden, die zus├Ątzliche Verarbeitungsleistung ben├Âtigen, werden weitere CPU-Complex mit einem IBM 486DX-33 oder auch einem 486DX-50 als Upgrade-Option bereitgestellt. In unserer Variante ONT kommt ein 486DX/2 zum Einsatz, der extern mit 33 MHz und intern mit 66 MHz arbeitet. In Verbindung mit dem 32-Bit Microchannel d├╝rfte dies das leistungsf├Ąhigste Modell der Baureihe mit 80486-CPU sein.

First things first: das Geh├Ąuse, das Netzteil und das Mainboard werden zuerst mal gr├╝ndlich vom Staub befreit. Danach mu├č die Pufferbatterie (CR 2032) ersetzt werden, da sie vollkommen leer war. F├╝r das fehlende RAM finden sich in unserem Ersatzteillager zwei passende 32 MiB SIMM’s. W├╝rden alle acht verf├╝gbaren Steckpl├Ątze so best├╝ckt, k├Ąme der Rechner auf beachtliche 256 MiB RAM onboard. Normalerweise ist ein Standard SVGA Adapter im 9585 verbaut. Haben wir keine, aber eine IBM XGA-2 32-Bit MCA Karte findet sich. Die ist mit 1 MiB VRAM und 1024×768 bei 16 Farben f├╝r einen Server ziemlich unangebracht. Allerdings w├Ąre sie auch als Aufr├╝stoption von IBM verf├╝gbar gewesen. Eine zwei GiB gro├če IBM SCSI Festplatte haben wir auch und somit alle fehlenden Komponenten ersetzt.

Nachdem kein originaler IBM-Einbaurahmen vorhanden ist, m├╝ssen wir improvisieren. Einfache Einbauschienen f├╝r 3,5″ Laufwerke in 5,25″ Sch├Ąchten erlauben eine ausreichend stabile Fixierung der Festplatte. Vier weitere 5,25″ Laufwerke w├Ąren noch m├Âglich. Am besten nat├╝rlich SCSI-Laufwerke, denn ├╝ber eine IDE-Schnittstelle verf├╝gt der Rechner standardm├Ą├čig nicht. Das mitgelieferte SCSI Kabel ist lang und h├Ątte eine entsprechende Anzahl an Anschl├╝ssen.

Die Spannungen des Netzteils sollten vor Inbetriebnahme gemessen werden. In unserem Fall sind sie OK, auch unter Last.

Quelle: Ardent Tool of Capitalism

Jetzt k├Ânnen wir es riskieren, den Rechner einzuschalten. Er liefert zwar eine Einschaltmeldung mit dem gro├čen IBM-Logo, das verschwindet aber nach ein paar Sekunden, danach schwarzer Bildschirm, kein Cursor mehr, keine weitere Fehlermeldung oder ├╝berhaupt eine Bildschirmausgabe. Auch die Tastatur reagiert nicht mehr. Wir k├Ânnen also nicht mal von der Referenz- oder Diagnosediskette booten. Nachdem keine anderen Erweiterungskarten als die zum Betrieb zwingend notwendige VGA-Karte eingebaut sind bleibt nur das testweise Abklemmen der Festplatte. Als dies auch nichts bringt, testen wir verschiedene 16 MiB und 8 MiB RAM SIMM’s. Aber auch das ├Ąndert das Verhalten nicht. Manchmal kommt noch kurz die Anzeige, da├č das RAM hochgez├Ąhlt wird, bevor der Bildschirm schwarz wird. Die Recherche im Internet bringt uns auf die Seite von Ardent Tool of Capitalism. Dort k├Ânnen ├╝brigens auch Images der Referenz- und der Diagnostik-Diskette f├╝r dieses Modell heruntergeladen werden. Wir entdecken einen Hinweis auf defekte Kondensatoren (Kapitel Blown Nichicon Capacitors) auf dem Mainboard Typ 2, mit einem ├Ąhnlichen Fehlerverhalten wie bei unserem Rechner. Es ist gut m├Âglich, das auch in unserem Fall der Zugriff auf den SCSI-Bus den Fehler ausl├Âst. Unser Mainboard entspricht jedenfalls genau diesem Typ.

Andere Optionen bleiben eigentlich nicht mehr. Also Ausbauen des Mainboards und wechseln dieser Kondensatoren. Wie bei vielen PS/2 Modellen ├╝blich geht das ├ľffnen des Geh├Ąuses ohne Werkzeug. Hier mu├č zuerst die Frontplatte von unten abgezogen und oben ausgeh├Ąngt werden, danach ist der Seitendeckel einfach wegklappbar. Jetzt die gro├če blaue Fl├╝gelschraube am Netzteil l├Âsen und herausklappen. Achtung, das Netzteil ist schwer, fallenlassen tut ihm vermutlich nicht gut ;:) Bitte auch beachten, das der SCSI-Anschlu├č dar├╝ber blockieren k├Ânnte. Um das Mainboard auszubauen, mu├č das Netzteil ganz entfernt werden. Dazu ist das Abschrauben einer Sicherungsleiste mit Massekabel notwendig.

Um die Stecker f├╝r Floppy und Indikator zu entfernen ist zun├Ąchst ganz links oben ein Sicherungsb├╝gel auszuh├Ąngen. Nach dem Entfernen der Schrauben kann das Mainboard selbst herausgenommen werden. Auf der Unterseite befinden sich zwei Abstandshalter aus Kunststoff, die einfach nur gesteckt sind.

Die beschriebenen Kondensatoren befinden sich an den Positionen C293, C503 und C504, alle vom Typ 10uF mit 25V. In der Abbildung unten sind sie rot eingekreist. Nach dem Ausl├Âten konnte man schon sehen, das die Kondensatoren teilweise ausgelaufen sind. Eine gute Reinigung der umgebenden Bauteile ist also wichtig. Anschlie├čende Messungen best├Ątigten den visuellen Eindruck. Die ESR Werte von zwei der Kondensatoren sind extrem hoch, sie sind mit Sicherheit defekt. Alle drei werden daher ersetzt, mit gleicher Kapazit├Ąt aber mit 35V Spannungsfestigkeit.

Nachdem alles wieder zusammengebaut ist: Gro├če Freude! Das ist es tats├Ąchlich gewesen, der Rechner bootet wieder einwandfrei mit der Referenzdiskette. Dort im Hauptmen├╝ CTRL+A dr├╝cken und anschlie├čend die Diagnosediskette einlegen. Auf der finden sich die Funktionen, um die Festplatte Low-Level zu formatieren. Danach konnte sie testweise unter MS-DOS 6.22 partitioniert und formatiert werden. Alles funktioniert problemlos. Und wieder ein seltenes St├╝ck Computertechnik gerettet.