Die 1980 gegründete Firma Iomega stellt 1983 mit der Bernoulli-Box sein erstes Wechselplatten-Laufwerk vor. Ursprünglich war es für den Macintosh als mobiler Datenspeicher gedacht, aber bald erkannte man die Nützlichkeit auch für den IBM PC. Zu einer Zeit, in der 10 MiB Festplatten zum Austattungs-Standard wurden, war eine Einheit mit zwei zusätzlichen 10 MiB bzw. 20 MiB Wechselplatten das absolute High-End. Für Iomega jedenfalls war das der Beginn einer Erfolgsgeschichte. Viele weitere Innovationen in Form von Speichermedien für den PC und den Mac sollten folgen, u.a. das verbreitete ZIP-Laufwerk, bei dem auch eine ähnliche Technologie verwendet wurde.

Die riesige Kassette (ungefähr DIN-A4 Format), die in das Laufwerk eingeschoben wird, beinhalten das 8″ große Speichermedium in Form einer PET-Filmscheibe.

Die Platte dreht sich nach dem Arretieren mit etwa 3000 U/min, erst dann werden die Schreib-Lese-Köpfe geladen. Der Bernoulli-Effekt bewirkt eine Art Luftkissen, wodurch der Schreib-Lese-Kopf ca. 1 Mikrometer über der Scheibe schwebt und diese nicht berührt. Ein Headcrash wie bei einer Festplatte – bei dem durch den Kontakt mit der Schreib-/Leseeinheit die Oberfläche der Platte oder der Schreib-/Lesekopf selbst zerstört wird – ist daher so gut wie ausgeschlossen. Die Laufwerke verfügen über eine eigene Intelligenz in Form von Selbsttestroutinen im ROM und einen seriellen Anschluss für die Diagnose. Als Schnittstelle wird ein abgespecktes SCSI (SASI?) verwendet. Trotz eines Filtersystems gelangt offensichtlich Schmutz in das Laufwerk. Jedenfalls müssen die speziellen Reinigungskassetten der Bernoulli-Box deutlich öfter benutzt werden als bei Diskettenlaufwerken. Die Kassetten haben – ähnlich 3,5″ Disketten – einen Schalter zum Aktivieren und Deaktivieren des Schreibschutzes.

Die Bernoulli-Box hatte Anfangs eine Speicherkapazität von 10MiB (Modell A210H), doch bald folgte ein neues Modell mit 20MiB (Modell A220H) nach. Die externen Einheiten beherbergen je zwei Laufwerke. Das beliebteste System war aber die Bernoulli Box II (Modell B220X), deren handlichere Plattenkassetten einen ähnlichen Formfaktor wie 5¼-Zoll-Disketten haben. Dieses Laufwerk konnte dann auch intern verwendet werden, denn es paßte in den Schacht eines PC’s. Trotzdem gab es auch diese kleineren Laufwerke als externe Ausführung, mit ein oder zwei Einheiten im Gehäuse. Sie werden über einen externen SCSI-Anschluss mit dem Computer verbunden.

Die Speicherkapazität der Bernoulli-Festplatten wurde in der Folge immer weiter gesteigert: 44 MB, 90 MB, 150 MB und 230 MB. Die Schnittstelle ist normalerweise SCSI.

Gegen Ende der 1990iger Jahre verloren die externen Wechselspeicher langsam an Bedeutung und wurden zunehmend durch Flash-basierte Speicher wie USB-Sticks ersetzt. 2008 wurde Iomega von der EMC Corporation übernommen. Diese wiederum gingen mit Lenovo 2012 ein Joint Venture ein. Iomega als Speicher-Hersteller existiert heute praktisch nicht mehr.

Aber zurück zu unseren Bernoulli Laufwerken. Im Inventar befinden sich ein Iomega A210H (2 x 10Mib) und ein A220H (2 x 20Mib). Zudem haben wir zwei A220H der Firma Borsu Computer. Die deutsche Firma hat die Iomega-Laufwerke von Anfang an lizensiert und unter eigenem Label vertrieben. Die Laufwerke selbst scheinen technisch identisch zu sein, bei den Adaptern gibt es Unterschiede. Dazu später mehr. Ebenfalls im Inventar ist der zu den Borsu-Laufwerken gehörende Rechner, ein NoName-AT mit zwei integrierten Seagate ST-225 und einer internen Bernoulli Box II (B220X) mit nochmal 20MiB Speicherkapazität pro Medium. Das alleine ist für die damalige Zeit eine gewaltige Ausstattung. Als ob das nicht gereicht hätte, ist in diesem Rechner ist auch noch ein zweiter Adapter für eine externe Borsu (A220H) vorhanden.

Oben sehen Sie die zwei verbauten 8-Bit Controller: ein PC2 und PC2B. Am PC2B ist das interne Bernoulli II – Laufwerk angeschlossen. Alles in allem verfügt die Anlage somit über fünf(!) 20MiB große Festplattenspeicher. Ein Ensemble, das wir beim Einlagern zusammengelassen haben.

Welche Abweichungen bei den Controllerkarten für die Bernoulli-Boxen zwischen Iomega und Borsu es gibt ist schwer festzustellen, da die Adapter ja auch verschiedene Revisionen darstellen. Ein Unterschied ist jedenfalls erkennbar, zumindest beim PC2B. Es wurden auch bereits Versuche unternommen, eine A210H oder eine A220H an einem SCSI-Controller zu betreiben. Die Bernoulli-Laufwerke werden zwar erkannt, aber ein Zugriff auf deren Inhalt funktioniert nicht. Erklären läßt sich das einmal mit den Abweichungen von späteren SCSI-Standard, aber auch mit der ungewöhnlichen Sektorgröße von 256 KiB, mit der die Festplatten formatiert sind. Alle Festplatten arbeiteten damals mit einer Sektorgröße von 512 KiB. Die Konfiguration des Iomega-Adapterkarten finden Sie hier (Quelle: stason.org).

Um die Inbetriebnahme, Wartung und technische Daten der Bernoulli Box nicht weiter erklären zu müssen, hier der Einfachheit halber das Owners Manual.

Um zu sehen, ob sich größere Mengen Staub in den Bernoulli Boxen befindet, haben wir die Gehäuse geöffnet. Weiter zerlegen wollten wir ohne Not nicht, so lange die Laufwerke alle funktionieren.