Adam Osborne mit seinem Osborne 1

Adam Osborne gehört in die Gruppe der Computerpioniere. Er war Softwareentwickler, schrieb viele FachbĂŒcher (Verlag McGraw-Hill) und verfasste Publikationen fĂŒr Fachmagazine. Ende der 1970iger Jahre war er der Meinung, dass “die etablierten Hersteller die nĂ€chste große Produktentwicklung verpassten”. Damit meinte er tragbare und damit mobile Computer. 1980 grĂŒndete er mit diesem Ziel die Osborne Computer Corporation. Im April 1981 wurde dann das erste Produkt – der Osborne 1 vorgestellt. Der Rechner wog 12 kg und kostete bei der EinfĂŒhrung auf dem Markt in den USA 1.795 US-Dollar. Im Rechner arbeitete eine Zilog Z80-CPU mit 4,0 MHz und als Betriebssystem wurde CP/M 2.2 verwendet. Eine interne Batterie besaß der Osborne 1 nicht, der Anschluß an eine Stromversorgung war fĂŒr den Betrieb notwendig.

Mehr ĂŒber die Geschichte von Adam Osborne finden Sie hier.

Ein großes Problem des Osborne I war dessen integrierter 5″ Monitor. Dieser besaß zwar eine relativ hohe SchĂ€rfe in der Darstellung der möglichen 52 Zeichen und 24 Zeilen, war aber – besonders mit der optional möglichen 80-Zeichen Darstellung – einfach zu klein, um professionell damit GeschĂ€ftsanwendungen (Textverarbeitung, Tabellenkalkulation) zu betreiben. FĂŒr stationĂ€ren Betrieb und mit dem Einbau des optionalen Screen Pac (80-Zeichen Darstellung) war es aber auch möglich, einen externen Composite-Monitor anzuschließen.

Quelle: vtspecialcollections.wordpress.com

Osborne 1 (1981)
CPU: Zilog Z80 (4.0 MHz)
RAM: 64KiB RAM
Bildschirm: eingebauter 5″ CRT Monitor, 52 x 24 Text
Schnittstellen: parallel, seriell, IEEE-488, Modem
Storage: 2 x 5.25″ SS-SD Diskettenlaufwerk
Gewicht: 11 kg
Betriebssystem: CP/M 2.2
Osborne Executive (1983)
CPU: Zilog Z80 (4.0 MHz)
RAM: 128KiB RAM
Bildschirm: eingebauter 7″ CRT Monitor, 80 x 24 Text
Schnittstellen: parallel, 2 x seriell, IEEE-488
Storage: 2 x 5.25″ SS-DD Diskettenlaufwerk
Gewicht: 13 kg
Betriebssystem: CP/M 3.0
Osborne Vixen (1984)
CPU: Zilog Z80 (4.0 MHz)
RAM: 64KiB RAM
Bildschirm: eingebauter 7″ CRT Monitor, 80 x 24 Text
Schnittstellen: parallel, seriell
Storage: 2 x 5.25″ DS-DD Diskettenlaufwerk
Gewicht: 8 kg
Betriebssystem: CP/M 3.0

In unserem Inventar befinden sich fĂŒnf Osborne I und auch das relativ seltene Nachfolgeprodukt Osborne Executive. Keines der GerĂ€te war in den letzten 20 Jahren in Betrieb, es ist höchste Zeit, sie wieder mal unter Strom zu setzen. Schon nach dem Einschalten des ersten Osborne 1 durfte ich wieder einen Tag pausieren, da ein Riva Entstörkondensator im Netzteil platzte und mit seinem Gestank den ganzen Raum verpestete. Im unteren Bild sieht man den Rauch aus dem Laufwerksschacht kommen. Drei dieser berĂŒchtigten Kondensatoren sind auf der Netzteil-Platine vorhanden: auf C2 ein 0.1uF mit 250VAC sowie zwei 0.01uF mit 250VAC auf C1 und C11. Ganz klare Empfehlung: die sollten alle raus, sie sind von der Spannungsfestigkeit her knapp ausgelegt und zudem mehr als 40 Jahre alt. Es ist nur ein Frage der Zeit, wann sie abrauchen. Bei den anderen Osborne 1 werde ich den Austausch ganz sicher vor dem Einschalten machen. Ob man die anderen Elektrolyt-Kondensatoren des NT’s auch gleich wechselt, darĂŒber werden in einschlĂ€gigen Foren fast schon philosophische Diskussionen gefĂŒhrt, das muß jeder fĂŒr sich entscheiden. Sollte jedoch bei einem der Elko’s Elektrolyt austreten (feuchte bzw. verfĂ€rbte Stellen auf der Platine) oder Wölbungen auf deren Oberseite erkennbar sein, dann sollten man auch die alle tauschen.

Bitte beachten: die nachfolgenden Bilder stammen von verschiedenen Osborne 1 Computern.
Sie stimmen daher nicht unbedingt mit den Beschreibungen ĂŒberein.

Das GehÀuse des Osborne 1 ist einfach zu öffnen, allerdings sind lange Kreuzschlitz (Philips) Schraubendreher von Vorteil, da manche Schrauben der Seitendeckel tief im GehÀuse versenkt sind.

Vor dem Abnehmen der Frontblende muß der Tastaturstecker gelöst sowie die beiden Monitorregler abgezogen werden. Letztere erfordern manchmal einen grĂ¶ĂŸeren Kraftaufwand, man kann einen kleinen Schraubendreher zu Hilfe nehmen oder auch einen Chipabzieher. Zudem sollte man beachten, falls ein Screen Pac verbaut ist (erkennbar am zusĂ€tzlichen RCA-Stecker rechts unten auf der Frontblende), daß das Verbindungskabel zur Hauptplatine abgezogen werden muß.

Nachfolgend beispielhaft die Überholung eines der NT. Bei diesem wurden alle Elko’s im PrimĂ€r- und SekundĂ€rbereich gewechselt. FĂŒr den Riva auf C2 hatte ich nur einen Ersatz mit 275V Spannungsfestigkeit auf Lager. FĂŒr die anderen Netzteilen habe ich welche vom Hersteller Wima bestellt (300V).

Sollte es grĂ¶ĂŸere Probleme geben kann diese Reparaturanleitung fĂŒr das Astec-Netzteil helfen. ErfahrungsgemĂ€ĂŸ sind aber altersschwache Kondensatoren die Hauptverursacher fĂŒr Fehlfunktionen. Ein umfassenderes Field Service Manual fĂŒr den Osborne 1 gibt es hier.

Die Mainboards des Osborne erweisen sich als wenig fehlertrĂ€chtig. Von sechs Board’s war nur eines defekt. Problematisch können die optionalen Double-Density– und die Screen Pac-Erweiterungen sein, denn sie sitzen in IC-Sockeln auf dem MB und könnten Kontaktprobleme haben.

Bei zwei Board’s stellten sich tatsĂ€chlich oben genannte schlechte Kontakte als Fehlerquelle heraus. Nach einer Intensivreinigung der Sockel und der IC-Pins lief alles wieder. Die Mainboard’s lassen sich im Betrieb schlecht testen, da im eingebauten Zustand die BestĂŒckungsseite innen liegt. Aus einem Osborne mit funktionsunfĂ€higen und irreversibel verbastelten Mainboard haben wir einige Ersatzteile (Netzteil, Monitor, Laufwerke) gewonnen, die es ermöglichen, ein Mainboard auszubauen und außerhalb zu testen.

Beim oben genannten defekten Osborne haben wir mit dem Osborne System Confidence Test zwei defekte RAM-Chip’s gefunden und ausgetauscht.

Die verbauten Single-Sided Laufwerke sind vom Aufbau her Shugart-Ă€hnlich. Die Schreib-/Leseköpfe können nach so langer Zeit der Nichtbenutzung immer eine Reinigung vertragen. Auch die Schienen, auf denen sich der Kopf vor und zurĂŒck bewegt, sollten gut gereinigt werden. Ob hier auch eine Schmierung was hilft oder eher schadet, ist in Fachkreisen strittig.

Abschließend kann man sagen, das sich unsere Osborne nach ĂŒber 40 Jahren gut geschlagen haben. Der Reparaturaufwand war gering.

Alles wieder funktionsfÀhig und fertig zur Einlagerung