Einer von vielen Industrierechnern von Siemens, die unter der Modellreihe Sicomp produziert wurden. Im robusten Metallgehäuse, aber insgesamt schmucklos präsentiert sich auch unser Sicomp PC 32-05. Sammlungstechnisch interessant, da er mit einem Intel 80386DX mit 16MHz ausgestattet ist. Mit dieser Taktfrequenz wurden die ersten 386-basierten Computermodelle ausgeliefert, am bekanntesten ist wohl  der Compaq Deskpro 386, der 1986 als erster PC mit dieser CPU auf den Markt kam. Laut Wikipedia müßten es auch welche mit nur 12MHz geben, ist uns aber noch keiner in einem Computer verbaut untergekommen. Schon die DX mit 16MHz sind selten und wurde schnell von der Version mit 20MHz abgelöst. Bis Produktionsende wurden die Taktfrequenzen in mehreren Schritten bis auf 33MHz erhöht, andere Hersteller wie AMD oder Harris schafften sogar 40MHz. Der 80386 folgte auf den 80286 und steht für einen immensen Schritt in der Entwicklung der Intel-CPU’s. Volle 32-Bit-Architektur, integrierte Memory Management Unit (MMU) für die Speicherverwaltung und der Virtual 8086 Mode, der es erlaubte, mehrere DOS-Programme gleichzeitig in einer geschützten Umgebung auszuführen. Letzteres war enorm wichtig für System-Stabilität in Multitasking-Umgebungen (z.B. Windows /386).

Ein paar technische Daten zum Sicomp PC 32-05:

  • CPU: 80386DX mit 16 MHz
  • RAM: 2 MiB (auf dem Mainboard erweiterbar auf 8MiB)
  • Bus: 2 x 8 Bit ISA,  5 x 16 Bit ISA, ein spezieller Steckplatz (vermutlich für RAM Erweiterungen)
  • Monitor: unbekannt
  • Grafik: HGC, 80×25 Zeichen
  • Massenspeicher: ein 3,5″ HD plus 30MiB MfM-HD
  • Tastatur: Siemens
  • Betriebssystem: vermutlich MS-DOS 3.30 bei der Auslieferung, installiert war MS-DOS 5.0

Das Baujahr des Sicomp festzustellen ist schwierig, denn im Netz sind keine Hinweise auf den Produktionszeitraum dieses Modells zu finden. Handbücher liegen uns auch keine vor. Die Modellplakette gibt diesbezüglich auch nichts her. Das Award Bios des Sicomp datiert auf 1987. Einige IC’s datieren ebenfalls auf 1987, das wird dann vermutlich auch das Herstellungsjahr sein.

Unser Sicomp hat wohl ein langes Arbeitsleben hinter sich, denn nach Entfernen des oberen Gehäuseteils (fünf Schrauben) sah man im Gehäuse ein cm hoch den Staub liegen. Die Rechnermodelle der Sicomp-Reihe wurden oft in Industriesteuerungen eingesetzt. Daher der Staub, und vielleicht ist das auch der Grund für das schnöde Gehäuse. Jedenfalls, die grobe Reinigung mußte im Freien mit Industrie-Staubsauger durchgeführt werden. Danach putze ich das Gehäuse mit Reiniger. Die Laufwerke sind in einem aufgenietenden Rahmen im oberen Gehäuseteil montiert, die Festplatte nicht unbedingt fachgerecht, wie man sehen kann. Auf der ausgebauten Festplatte sieht man noch Staub liegen. Bei einem ersten Startversuch ohne angeschlossene Laufwerke läuft nicht mal mehr der Lüfter an. Gleiches Ergebnis nach Ausbau aller Steckkarten. Entweder Netzteil defekt oder Kurzschluss auf dem Mainboard. Beides wäre nicht verwunderlich bei dem vielen Staub.

Immerhin findet sich – nach guter Compaq-Tradition – auch im Siemens ein Aufkleber mit den Jumper-Einstellungsmöglichkeiten des Mainboards.

Das Netzteil wird gecheckt. 5V sind da, die 12V nicht wirklich, aber ohne Last gemessen. Fest steht: das Netzteil ist nicht tot, aber es muß geöffnet werden. Da ist bestimmt auch noch genug Staub drin. Erstens ist es schon mal offen, zweitens gibt es eine Schwäche bei 12V, dann wechsle ich vorsichtshalber alle Elko’s im Sekundärbereich. Hinweis: Finger weg von Netzteilen, wer sich damit nicht auskennt.

An das Mainboard angeschlossen startet das Netzteil weiterhin nicht, was auf einen Kurzschluss auf dem Mainboard schließen lässt. Als Elektronik-Amateur baue ich das Mainboard aus und suche den Kurzschluss immer zuerst bei den Tantal-Kondensatoren, die in der Nähe des Netzteilanschlusses liegen. Diesmal habe ich damit kein Glück, die sind alle OK. Bei der weitere Suche finden sich dann zwischen den ISA-Steckplätzen gleich mehrere niederohmige Tantals (10uF, 25V), die für die 12V Versorgung der ISA-Steckkarten zuständig sind. Es sind alle defekt, die ganze Reihe! Nach dem Austausch läuft das Netzteil wieder an. Dieser Defekt ist wohl dem vielen Staub geschuldet.

Leider läuft auch die Festplatte (Magnetic Peripherals 94205-051, 40MiB) nicht mehr an. Vielleicht ist auch das reparabel. Nach dem Zerlegen stellt sich auch hier ein defekter Tantal-Kondensator heraus, den ich mit einem gleichwertigen Elko ersetze. Jetzt läuft die Platte zwar wieder an, bleibt aber nach 30 Sekunden wieder stehen. Das tut sie, unabhängig ob verkabelt oder nicht. Da werde ich wohl Ersatz suchen müssen. Eine Seagate ST-277R wäre meine erste Wahl gewesen, aber leider kann der von Siemens verbaute Controller nicht mit RLL-Platten umgehen. Daher muß jetzt eine Seagate ST-251 (30MiB) herhalten. Sie bekommt ein helle Blende, die Siemens-Laufwerksblende entferne ich. So kann die Festplatte auch vernünftig montiert werden.

Jetzt geht es an die Einrichtung der Festplatte. Um sie mit dem Controller zu vereinen, braucht sie zunächst ein Low-Level Format.

Die Tastatur zum Rechner ist zwar von Siemens und hat einen DIN-Stecker, könnte aber bereits ersetzt worden sein. Einen HGC-Siemens Monitor haben wir nicht, daher muß der Tandon Monitor genügen.