DOS Desktops Text

NORTON DESKTOP

Im Grunde genommen ist der textbasierte Norton Desktop 1.0 eine Kombination aus Norton Commander und Norton Utilities, zusammengefasst in einem einzigen Programm. F├╝r das reine Dateimanagement ist das Ganze schon fast ├╝berladen. Aber es fehlt auch nichts: mehrere Laufwerksfenster ├Âffnen, Dateien per “Drag&Drop” zwischen der Fenstern kopieren oder verschieben, Backups machen, Undelete von gel├Âschten Dateien, ASCII-Editor, Anti-Virus, Systeminfo, Disc Doctor und viele kleine Applikationen wie Scheduler, Taschenrechner und Terminal sind integriert. FAT32 Partitionen sind kein Problem. Die Bedienung von Norton Desktop ist an den Norton Commander angelehnt und mit diesem Vorwissen leicht zu erlernen.

PC-TOOLS DESKTOP

Das gleiche wie f├╝r den Norton Desktop gilt vom Umfang her auch f├╝r PC Tools Desktop 8. Mehr geht nicht unter DOS, aber f├╝r reines Dateimanagement ebenfalls zu ├╝berfrachtet, fast schon ein Windows 3.x-Ersatz. Einen gewissen Reiz ├╝bt der Task-Switcher CPTask aus. Daf├╝r braucht der Einsatzrechner viel RAM, was in unserem Fall mit 96 MiB ja vorhanden w├Ąre. Wie viele andere vergleichbare Produkte funktioniert CPTask nicht mit DPMI-Anwendungen. Ein echtes Manko f├╝r den Einsatz unter modernen DOS-PC’s ist, das die PCShell (das Hauptprogramm des Desktops) mit FAT32-Partitionen nichts anfangen kann und einfach nach dem Starten stehen bleibt. Das gilt auch f├╝r den Nachfolger 9.0, der auch die letzte DOS-Version von PC-Tools Desktop ist.

DOS Desktops Grafik

TANDY DESKMATE

Tandy Deskmate ist der Ur-Vater aller DOS-Desktop Programme, wenn man den grafischen Desktop VisiOn (Visi Corp.) au├čer acht l├Ąsst. VisiOn konnte keine DOS-Programme aus dem Desktop heraus starten, deshalb bleibt diese erste GUI f├╝r den IBM PC hier au├čen vor. Der Tandy Deskmate entstand bereits 1984 und erschien zuerst f├╝r den Tandy Model 4. Im gleichen Jahr wurde er f├╝r den IBM-kompatiblen Tandy 1000 portiert. Diese erste Version war textbasiert, monochrom und lief aber nicht auf dem IBM PC. Die zweite Version (1986) funktionierte dann auch auf IBM und Kompatiblen. Es enthielt jetzt Farbunterst├╝tzung sowie integrierte Programme f├╝r Textverarbeitung, Tabellenkalkulation, Adressenverwaltung und Kalender. Die ersten beiden Ausgaben der Deskmate geh├Ârten streng genommen in die Rubrik DOS Desktops Text.

Die gr├Â├čte Verbreitung erreichte Deskmate 1989 mit der nun grafischen dritten Version. Das mittlerweile ausgereifte Programm bot zwar nun sogar eine Laufzeit-Bibliothek an, die mit speziell daf├╝r entwickelten Programmen ausgeliefert werden durfte. In die Quere kam dem Deskmate allerdings 1990 das neue Windows 3.0, gegen das er nicht konkurrieren konnte.

GEM

GEM (“Graphical Environment Manager”) ist eine grafische Benutzeroberfl├Ąche, die 1985 noch vor Microsoft Windows auf den Markt kam. Digital Research – der Hersteller von CP/M – entwickelte diese GUI vor allem f├╝r den Atari ST, bot aber auch eine Version f├╝r den IBM PC an. Einige angepasste Anwendungen wurden im Paket bereits mit ausgeliefert (GEM Write, GEM Draw, GEM Paint), andere von Drittherstellern hergestellt (Ventura Publisher, Artworks). Zu seiner Zeit machte GEM im Vergleich zu den ersten Windows-Version den filigraneren Eindruck. Durch die konsequente Verwendung von Symbolen wirkte es moderner als die GUI von Microsoft. Windows h├Ątte in GEM einen wesentlich h├Ąrteren Konkurrenten gehabt, w├Ąre da nicht der verlorene Copyright-Prozess gegen Apple gewesen. Unter anderem mu├čte das Papierkorb-Symbol und die ├╝berlappenden Fenster entfernt werden. Aber auch die Produktvermarktung durch DR war nicht ├╝berzeugend.

NEW DEAL OFFICE

New Deal Office 3.2 von 1996 ist der Nachfolger von Geoworks und Breadbox Ensemble. Das ist u.E. der ausgefeilteste GUI-Desktop f├╝r DOS. Viele Applikationen werden bereits mitgeliefert, womit NDO eher ein Office-Paket mit der Dreingabe einer GUI (PC/GEOS) ist. Hier bleiben (fast) keine W├╝nsche offen. Es ist wirklich alles da: Systemeinstellungen ├Ąhnlich Windows 95, Textverabeitung, Tabellenkalkulation, Dateimanager, Internet Browser und Mail Programm, File Viewer u.s.w. Um zwischen externen Programmen umzuschalten nutzt das Programm wahlweise die Task-Switcher von DR-DOS 6/7 bzw. von Novell Dos 7. Das alles verpackt in ein farbenfrohes, aber durchaus ansprechendes GUI, die der Optik von Windows 3.x ├╝berlegen ist. Aber das ist Geschmackssache.
Die Netzwerkeinrichtung wurde nicht getestet. Es gibt zwar Netzwerkeinstellungen in New Deal, aber nicht f├╝r Hardware. Die Textverarbeitung von “New Deal Office” kann zwar vieles importieren, aber nur sein eigenes Format schreiben. Was wir uns zudem von New Deal Office erhofft hatten, ist ein PDF-Viewer, aber den gibt es leider auch hier nicht.

DOS-PROGRAMM-MANAGER 4.0

Der Kern des Programm-Managers 4.0 ist ein frei konfigurierbares grafisches Men├╝system. Mehrere Gruppen k├Ânnen erstellt und ├╝ber Funktionstasten bequem angew├Ąhlt werden. Jede erzeugte Gruppe erzeugt ein Programmfenster, in dem die der Gruppe zugeordneten Programme als Symbol angezeigt werden. Ein Doppelklick auf eines der Symbole startet das Programm. Nach dem Beenden des Programms befindet man sich wieder im DOS-Programm-Manager.

Das Zuordnen von Programmen zu einem Dateisymbol ist einfach, auch das Verschieben in eine andere Gruppe ist problemlos m├Âglich. Es steht eine Vielzahl von Symbolen zur Verf├╝gung. Evtl. notwendige Startparameter von Programmen k├Ânnen angegeben werden. Auch die Fenster k├Ânnen in der Gr├Â├če und Position ver├Ąndert werden. Ein Terminplaner und einige Spiele sind inclusive. Werden Dateioperationen wie Kopieren, L├Âschen, Verzeichnisse erstellen etc. ben├Âtigt, dann befindet sich auch der Dateimanager ArcShell im Lieferumfang. Alles in allem eine Runde Sache.

Man k├Ânnte das Programm auch zu den Men├╝programmen (Programmstartern) z├Ąhlen, die weiter unten beschrieben werden. Allerdings sind hier soviele Zusatzfunktionen on Board, das es unter Desktops laufen kann.

DESKTOP

Desktop V2.62 (1998) von Felix Ritter ist ein grafischer Dateimanager und Programmstarter. Das ganze Programm ist ausgesprochen liebevoll und aufw├Ąndig gestaltet. Stellenweise wirkt es aber doch ein bisschen “grafisch ├╝berladen”. Es l├Ąuft durchaus schnell und stabil und l├Ą├čt bei der Konfiguration seines Programmstarters keine W├╝nsche offen. Deshalb ist dieses Programm nicht als reiner File-Managern oder als einfaches Men├╝programm (siehe weiter unten) einzuordnen, sondern hier bei Desktops.

ERGO

Ergo-Desktop 4.0 vom DMV Verlag aus dem Jahre 1992 ist grafisch ebenfalls aufw├Ąndig gestaltet. Der Ergo-Desktop enth├Ąlt zus├Ątzlich zu den Dateifunktionen lediglich einen ASCII-Editor und ein Programm zum Bearbeiten von Icons. Allerdings kann der Ergo-Desktop um Office-Funktionen mit Textverabeitung (Ergo-Text), Tabellenkalkulation (Ergo-Calc) und zur Datenverwaltung (Ergo-Base) zum Office-Paket Ergo-Works 4.0 erweitert werden. Als Startzenzentrale f├╝r vorgenannte Programme zu dienen scheint auch der Hauptzweck von Ergo-Desktop zu sein.

SEAL

Seal 2 ist nicht als fertiger Desktop gedacht, eher die Demonstration einer grafischen Bibliothek f├╝r Software-Entwickler. Man kann mit dieser “Demo” also nicht allzuviel anfangen. Sie soll die M├Âglichkeiten der Seal-Bibliothek verdeutlichen.

Eine GUI, die in diese Reihe passen w├╝rde, w├Ąre nat├╝rlich auch Microsoft Windows 1.x bis 3.x. Die Vorstellung sparen wir uns an dieser Stelle, da kommen wir am Ende dieses Projekts noch darauf.

F├╝r Programmierer, die grafiklastige Software entwickeln, bieten GUI’s unter DOS riesige Vorteile. Sie k├Ânnen die Routinen der GUI benutzen, wodurch viele Sachen leichter realisierbar sind (Internet, Grafiken, PDF etc.). Wichtig ist, da├č die GUI dem Entwickler gute Bibliotheken und die zugeh├Ârige Dokumentation zur Verf├╝gung stellt.