Einen Big-Box Amiga wie den 2000er aufzurüsten um mit der DOS- und Windows Welt kompatibel zu werden? Um mit anspruchsvollen DOS-Anwendungen wie beispielsweise WordPerfect/Word 5.x oder Multiplan/Lotus 1-2-3 vernünftig arbeiten zu können. Oder gar eine GUI wie Windows 3.1 mit seinen Programme zu verwenden. Wäre das 1992 mit einem A2000 möglich gewesen? Ein Marken-PC mit 80386 CPU, VGA Karte, 100MB Festplatte und VGA Monitor hätte zu dieser Zeit etwa 4000-4500 DM (2000-2300€) gekostet. Das wäre also das Budget, um den Amiga entsprechend aufzurüsten. Mit dem Vorteil, das man seine Zockerkiste behalten kann und nur ein Gerät auf dem Schreibtisch steht.
Was ist notwendig, um in einen Amiga 2000 einen vollwertigen und leistungsfähigen PC zu implantieren und was hätte der Markt 1992 zur Verfügung gestellt:
Commodore A386SX Bridgeboard (80386 CPU mit 25MHz, 8MB RAM), ca. 2500DM
VGA Monitor 15“ (ca. 1700DM)
VGA Karte (16-Bit, für A2386SX), ca. 300DM
IDE Controller Karte (16-Bit, für A2386SX), ca. 100DM
Netzwerkkarte Karte (16-Bit, für A2386SX), ca. 250DM
Sinnvoll bei so einem Umbau, um auch den Amiga selbst aufzuwerten:
Commodore A2630 CPU Board (68030 CPU mit 25MHz, 4MB RAM), ca. 2500DM
Hardcard 100MB für Amiga, ca. 1300DM
Flickerfixer/Scandoubler (ca. 300DM)
Einige Preise sind Schätzwerte, da keine offiziellen Preislisten aus dieser Zeit zur Verfügung stehen. Wie auch immer, obige Auflistung zeigt deutlich, das die Kosten für die Aufrüstung des Amiga den Preis eines zusätzlichen neuen PC’s bei Weitem übersteigen, zumindest wenn alle Komponenten neu gekauft werden sollen. Wir gehen jetzt einfach mal von einer großen und irrationalen Liebe zum Amiga und einem Opa aus, der das alles finanziert. Sonst müssten wir den Bericht ja hier beenden ;:)
Um den Amiga zum IBM PC kompatibel zu machen gab es vor den Bridgeboards bereits das A1060, das in einem externen Gehäuse einen vollständigen PC mit Platine, Erweiterungssteckplätzen, einem Laufwerksschacht sowie einem separatem Netzteil enthielt. Die auch als Sidecar bezeichnete Erweiterungseinheit war ausschließlich für den Amiga 1000 konzipiert und wurde über den seitlichen Erweiterungsport mit dem Amiga verbunden.
Was ist im Unterschied zum Sidecar ein Bridgeboard? Wie der Name schon sagt: eine Brückenkarte. Im Falle des Amiga ist das eine Zorro II-Karte in voller Länge, auf der – ähnlich dem Sideecar-Mainboard – die Bausteine eines vollständigen IBM PC enthalten sind und mit der ein Amiga 2000/3000/4000 zusätzlich MS-DOS- und Windows-kompatible Software ausführen kann.
Aufgrund des hohen Preises des Sidecars und mit dem Erscheinen der BigBox Amigas wie dem Commodore A2000 kam man bei Commodore auf die Idee, die gesamte PC-Logik auf einer einzigen Steckkarte unterzubringen und diese in einen Amiga zu verbauen.
Von Commodore selbst wurden drei verschiedene Bridgeboard-Modelle hergestellt. Das erste war das A2088XT. Es basiert auf der Intel 8088 CPU, welche in den ersten IBM-XT und kompatiblen Computern zu finden ist. Diese CPU ist vollständig mit dem 8086 kompatibel und kann jede Software für die XT-Maschinenklasse ausführen. Der Lieferumfang bestand aus der A2088XT-Karte mit standardmäßig 512 KB RAM und intergrierten Monochrome/CGA-Display sowie einem 360 KB 5,25″-Diskettenlaufwerk. Das Nachfolgemodell war das A2286AT. Es besitzt mit dem Intel 80286-Chip eine leistungsfähigere CPU und basiert somit auf einem AT-kompatiblen Computer. Standardmäßig besaß es eine 8-MHz-CPU, 1 MB RAM, ein Monochrom-/CGA-Display und wurde entsprechend des IBM AT mit einem 1,2 MB großen 5,25-Zoll-Diskettenlaufwerk ausgeliefert.
Das leistungsfähigste Bridgeboard, das von Commodore selbst entwickelt wurde, war das A2386SX. Davon gab es drei Versionen, alle basieren auf der Intel 80386SX-CPU, die intern zwar mit 32-Bit arbeitet, aber im Unterschied zum 80386DX nur einen16-Bit-Datenbus hat. Eine DX CPU mit 32-Bit Datenbus hätte auf dem Amiga auch keinen Sinn gemacht, da er über keine entsprechenden Steckplätze verfügt. Die drei A2386SX Varianten unterscheiden sich nur in der Taktfrequenz der CPU (16-Mhz-/20-Mhz-/25-MHz). Alle sind mit 1 MB RAM (bis zu 8 MB onboard ausbaubar) und mit Monochrom-/CGA-Grafik ausgestattet.
Keinesfalls unerwähnt bleiben soll, das es von der Firma Vortex auch Bridgeboards für den Amiga gab. Zwei davon basierten auf dem noch leistungsfähigeren Intel 80486 Prozessor. Alle wurden unter der Modellbezeichnung GoldenGate vermarktet. Es gab drei Varianten mit den CPU’s 386SX, 486SLC und 486SLC2. Aber auch die Modelle mit 486er-CPU’s verfügen nur einen 16-Bit Datenbus, aus dem gleichen Grund wie beim A2386SX Bridgeboard. Dafür war mit VGA ein moderner Grafikstandard und eine IDE-Schnittstelle bereits auf dem Board enthalten. Zudem war der Arbeitsspeicher durch SIMM-RAM’s leichter erweiterbar (max 16MiB) als beim A2386SX mit seinen fest verlöteten Zip-RAM’s. Die leistungsfähigste 486er-Variante war mit 50MHz getaktet und markierte das HighEnd der kommerziell vermarkteten Brückenkarten für den Amiga.
Wenn Sie mehr über die Bridgeboard’s erfahren möchten empfehlen wir das Amiga Bridgeboard Buch von Günther Thiede. Zudem gibt eine Reihe von lehrreichen Videos auf Youtube. Suchen Sie z.B. nach den Begriffen ‚MIGs Yesterchips‘ und ‚Bridgeboard‘.
Obwohl wir auch Vortex Bridgeboards im Bestand hätten und mit deren Verwendung des 486SLC2 zwei ISA-Steckplätze sparen könnten (IDE und VGA, siehe weiter unten) soll für diesen Umbau das A2386SX von Commodore verwendet werden.
Das Dual-Port Problem
Vorrangiges Ziel ist es, aus dem A2000 einen fast vollwertigen und leistungsfähigen DOS Rechner zu machen. Dabei soll nicht die Amiga Bildschirm Emulation zum Einsatz kommen. Mit einer zusätzlichen VGA-Karte in einem der ISA-Slots ist eine qualitativ bessere Bildschirmausgabe erreichbar. Der emulierte MDA Text Modus mit 80×25 Zeichen und auch der farbige CGA-Text mit 80×25 erscheinen uns für einen 386er nicht mehr zeitgemäß. Auch Windows läßt sich mit einer VGA-Karte in höheren Auflösungen betreiben.
Zudem soll der DOS Bereich über eine eigene Festplatte verfügen und sich diese nicht mit dem Amiga teilen. Einen Datenaustausch zwischen Amiga- und DOS-Seite erachten wir nicht als relevant. Daher bauen wir für das Bridgeboard in einen weiteren ISA Slot einen IDE-Controller ein, an dem nicht nur Festplatten, sondern auch CF-Karten angeschlossen werden können. Der Grund: IDE Festplatten sind aufgrund ihres Alters unzuverlässig geworden sterben aktuell wie die Fliegen. Daher geben wir einer 2GiB CF-Karte den Vorzug. Eine Netzwerkkarte soll unter DOS/Windows für eine einfache Verbindung zu modernen Rechnern sorgen.
Warum eine separate VGA-Karte und IDE-Controller für das Bridgeboard? Warum nicht die Amiga-Festplatte aufteilen in einen Bereich für den Amiga und den PC?
Der Grund ist, das alle Daten vom Amiga, die für das Bridgeboard bestimmt sind und alle Daten, die vom Bridgeboard zum Amiga übertragen werden, durch den sogenannten Dual Port müssen. Die 128KiB RAM, mit denen dieser Port ausgestattet, sind zu knapp bemessen. Die Daten fließen nur in kleinen Häppchen. Was bei Tastatur und Maus noch kein Problem ist, bei Bildschirm- und Festplattendaten ist es jedoch schon eins! Folgende einfache Darstellung zeigt das Schema des Datenaustausches zwischen Amiga- und PC-Slots und stammt aus dem A1K-Forum.
Im A1K-Forum finden Sie auch noch mehr Informationen zum Dual Port Ram.
Ein Flickerfixer/Scandoubler ist uns deshalb wichtig, weil dadurch eine Bildschirmausgabe des Amiga über einen VGA Anschluß möglich ist und so ein konventioneller VGA Monitor verwendet werden kann. Ein positiver Nebeneffekt des Scandoublers ist, das jetzt per ScreenMode auch die Interlaced-Auflösungen des Amiga verwendbar sind. Wir erhalten also so zwei VGA-Ausgänge am Amiga: für den Amiga Modus über den Scandoubler, für den PC-Modus über die VGA-Karte. So brauchen wir keine zwei Monitore, sondern nur einen VGA-Monitor. Das Anschluß-Problem lösen wir pragmatisch über einen billigen VGA-Switch, an dem der Monitor sowie die beiden VGA Ausgänge des Amiga (VGA Karte Bridgeboard, Flickerfixer Amiga) angeschlossen werden. Über Schalter kann so der gewünschte VGA-Ausgang aktiviert werden.
Zuerst brauchen wir einen funktionsfähigen Amiga aus unserem Fundus. Der ist schnell gefunden und startet einwandfrei in seiner aktuellen Konfiguration.
Die amiga-seitige Installation
Unsere Basis hat bereits ein A2088 Bridgeboard eingebaut sowie eine GVP Hardcard mit 50MiB. Mittels eines eingebauten Kickstart-Umschalter war der A2000 bereits vom Vorbesitzer für Kickstart 3.0 und Kickstart 1.3 präpariert. Alle diese Einbauten müssen raus und wandern zurück ins Ersatzteillager. Jetzt sollen Amiga-seitig durch uns einige Umbauten erfolgen. Was finden wir diesbezüglich:
Obwohl auch nicht zeitgenössisch, die Workbench 3.1 (kam erst 1994 auf den Markt) sollte es schon sein. Ein originales Kickstart 3.1 ROM für den A2000 ist vorrätig. Zwar laufen mit Kick 3.1 die meisten Spiele nicht, aber mit WHDLoad kann man dieses Manko heutzutage ja elegant umgehen. Mehr RAM gewinnen wir auch, denn auf der A2630 sind 4MiB und auf der GVP Hardcard 2MiB verbaut. Incl. dem 1MiB ChipRAM auf dem Mainboard haben wir also 7MB zur Verfügung, was für einen ECS-basierten Amiga gar so nicht schlecht ist.
Nachdem die A2630, das Kickstart 3.1, die Multivision 2000 und der GVP Controller eingebaut sind wird Festplatte mit WB 3.1 eingerichtet. Das alles sind mehr oder weniger Amiga-Standard Prozeduren.
Der Einbau der A2630, des Kickstart 3.1 ROM, der Multivision 2000 und der GVP ist schnell gemacht Wie man eine Workbench 3.1 auf eine Amiga Festplatte bringt soll hier nicht weiter beschrieben werden. Wichtig ist in unserem Falle nur, das zum Einrichten/Partitionieren der von uns verbauten GVP Impact Series II das GVP-eigene diskettenbasierte Tool verwendet werden muß, da ein spezielles SCSI-Device verwendet wird.
Die 1GiB-Festplatte wird geteilt, eine Hälfte für Workbench und Programme, die andere Hälfte für die Spiele. Um verschiedene Tools und Spiele auf den Amiga zu bekommen, setzen wird temporär einen Buddha-Controller ein, auf deren CF-Karte die Workbench 3.1, alle bekannten Standard-Tools sowie die Spiele gespeichert sind.
Einbau Bridgeboard A2630SX
Zur Verfügung steht eine A2386SX mit 25MHz und 8MiB RAM. Neben dem Bridgeboard sollen drei 16-Bit ISA-Karten verbaut werden:
Die Grafikkarte bringt eine bessere und schnellere Bildschirmausgabe, der Acer IDE-Controller beschleunigt die Festplattenzugriffe und die Netzwerkkarte sorgt für eine Verbindung zu modernen Rechner. Auf nichts davon soll verzichtet werden. Aber da tut sich ein Problem auf: wir brauchen drei 16-Bit Steckplätze für diese Karten. Im A2000 sind aber zwei der vier ISA Steckplätze nur 8-Bit, die zusätzliche Steckleiste für die 16-Bit Erweiterung hat Commodore bei zwei der Steckplätze eingespart. Aus einem alten PC/AT-Board entnehmen wir zwei dieser Stecker und löten sie in unseren Amiga ein. Jetzt steht dem Einbau aller drei 16-Bit Karten nichts mehr im Weg.
Hier haben wir folgenden Plan: wenigstens leistungsfähige DOS-Programmen sollen laufen. Gehen auch Windows Programme?. Dazu soll Windows for Workgroups 3.11 installiert werden. Wollen wir mit dem Amiga ins Internet? Das ist nicht vorgesehen, weder im Amiga- noch im DOSModus. Ein Amiga 2000 ist dafür wegen des ECS Chipsatzes und trotz der auf 30MHz gepimpten A2630 dann doch zu schmalbrüstig. Mit WfW 3.11 unter DOS haben wir in der Vergangenheit schon Versuche mit PC’s gestartet. Auch hier ist es mit einem 386SX und 25Mhz ein grenzlastiges Unterfangen. Zudem können die letzten Versionen von Windows 3.x tauglichen Browsern (IE 5.x, Opera 3.62) nur mit dem Subsystem Win32s ans Laufen gebracht werden und sind trotzdem nur in der Lage, einfach gehaltene Seiten mit rudimentärem JavaScript/CSS zu öffnen. Das Internet war in der ersten Hälfte der 1990er Jahre noch nicht sehr verbreitet. Aber spätestens im Jahr 2000 hätte man den Amiga ausmustern und sich einen neuen PC kaufen müssen, denn die nun starke Verbreitung des Internet’s hätte zumindest der Amiga 2000 nicht mehr zufriedenstellend verarbeitet. Das gilt aber auch für PC’s, die nicht mindestens Windows 95/98 tauglich waren (also min. Intel Pentium).
Datenaustausch
Nur aus diesem Grund ist uns der Einbau der 3Com Ethernet III Netzwerkkarte wichtig. Ein funktionierendes Netzwerk vorausgesetzt steht unter DOS mit MTCP ein FTP-Server zur Verfügung, welcher den Datenaustausch mit aktuellen Rechnern unabhängig von den doch recht leistungsschwachen und rudimentären Möglichkeiten des Amiga’s macht. MTCP wird uns die Installation von großen DOS Programmen wesentlich erleichtern.
XTIDE Universal BIOS einbinden
Wir weiter oben bereits erwähnt soll PC-seitig eine 2GiB CF-Karte zum Einsatz kommen. Ist nicht zeitgenössisch, denn das gab’s bekanntermaßen 1991 noch nicht. Die Alternative wäre, eine IDE-Festplatte an unserem IDE-Controller anzuschließen. Platz dafür wäre sogar, da amiga-seitig nur ein Diskettenlaufwerk verbaut ist und an dieser Stelle eine 3,5“ Festplatte montierbar wäre. Aber eine CF-Karte ist praktischer, in ein Slotblech eingebaut entnimmt man sie einfach aus dem Amiga und kann sie an einem externen PC einrichten und sichern.
Um eine 2GiB CF-Karte zu verwenden soll das XTIDE Universal Bios verwendet werden, denn es kennt keine 504MiB Grenze wie bei es bei dem Bios unseres IDE-Controller’s der Fall ist. Im Falle unserer A2386SX ist das Einbinden dieses Bios relativ einfach, denn wir müssen nur den Inhalt der Datei pc.boot.2386sx mit dem des XTIDE-ROM ersetzen. Wir haben die 386er Version (ide_386.bin, r629) verwendet, welche vorher auf C800 konfiguriert wurde. Funktioniert hat es zusammen mit unserer VGA-Karte (A000) nur dann, wenn der Janus Handler per PCPrefs bei der Adresse D000 eingeblendet und das BIOS-Shadowing eingeschaltet wird.
Die nachfolgenden Screenshots unter WfW 3.11 mußten mit dem Handy gemacht werden, da ein Screen-Capture mit PrnSc nicht funktioniert und auch das Programm SnagIt bei dieser Auflösung (800×600, 256 Color) aus Speichermangel des Dienst verweigerte. Mit nur 8MiB RAM ist eben nicht alles machbar. Mit Windows Programmen wie Word und Excel läßt sich arbeiten, dafür reichen die 25MHz der 2386SX durchaus. Auch leistungs- und speicherhungrige DOS-Programme wie Lotus 1-2-3 3.0 und MS-Word 6.0 oder das Office Pack 1.0 von StarDivision sind kein Problem. Beim Internet Explorer 5.02 allerdings wird es kritisch. Der Bildaufbau ist langsam, abgesehen davon gibt es nur wenige geeignete Internetseiten die fehlerfrei dargestellt werden können. Hier offenbaren sich die Grenzen dieses Umbaus.