Diese Erfahrung müssen auch wir machen: so nach und nach sterben Sie alle, die MFM- und RLL-Festplatten der ersten Generation. Den IDE-Festplatten, die so ab 1992 auf den Markt drängten, geht es im Übrigen auch nicht besser. Entweder versagen elektronische Bauteile oder die Mechanik ist einfach verschlissen. Bei Letzterem sind es abgebrochene Schreib-/Leseköpfe, festgegangene Lager oder klebrige gewordene Gummipuffer der Parkposition. Wenn die Festplatten einer Umgebung mit hoher Luftfeuchtigkeit ausgesetzt waren, kann eine Oxidation der Magnetscheiben (Platter) die Platte unbrauchbar machen. Einige der vorgenannten Defekte sind reparabel, das meiste aber nicht. Wie auch immer, die noch funktionierenden Exemplare sind keinesfalls mehr für den täglichen Einsatz tauglich. Findige Bastler haben sich daran gemacht, Ersatz zu finden.

  • der MFM-Emulator (David Gesswein), der die Inhalte noch lauffähiger MFM-Festplatten auslesen und auf moderne Medien übertragen kann
  • der SCSI-Emulator (SCSI2SD), der entsprechend SCSI-Festplatten ersetzen kann
  • die XT-IDE Controller in Verbindung mit dem XTIDE Universal Bios (XUB), die den Einsatz von 16-Bit IDE Speichermedien auf 8-Bit Computern ermöglichen

Das sind mehrere Möglichkeiten und damit eigentlich gute Aussichten, seine alte Festplatte ersetzen zu können. Der preiswerteste Ersatz für MFM/RLL-Festplatten ist IDE, denn dafür gibt jede Menge unterschiedlichster Flash-Speichermedien (DiskOnModule, CF-Card, SD-Card), die direkt oder mit Adaptern an einen IDE-Controller angeschlossen werden können und eine defekte Festplatte ersetzen. Für Computer mit 16-Bit Datenbus (286/386/486) und vorhandenem IDE-Controller die einfachste und kostengünstigste Möglichkeit, die gleichzeitig riesige Kapazitäten zur Verfügung stellt. Doch wo bleiben dabei die PC’s und XT’s mit ihrem 8-Bit Datenbus? Für die gibt es Hardware in Form von XT-IDE 8-Bit Controllern sowie Software in Form des XTIDE Universal Bios, das unter GNU Lizenz veröffentlicht wurde.

Integrated Drive Electronics (IDE)

Im Gegensatz zur MFM/RLL Festplatte befindet sich bei dem von Western Digital im Auftrag von Compaq entwickelten IDE (Protokoll ATA-1) der größte Teil der Logik auf der Festplatte selbst und nicht auf dem Controller, an dem sie angeschlossen ist. Dadurch entsteht eine Austauschbarkeit von bereits formatierten Festplatten zwischen verschiedenen PC’s mit IDE-Schnittstelle, da sie von Eigenheiten eines Festplatten-Controller’s unabhängig sind. Der IDE-Host-Controller regelt nur noch Signale vom Systembus zur Festplattenelektronik und muß diese puffern, um den Rest kümmert sich die Festplatte selbst. IDE-Festplatten können sich selbst gegenüber dem BIOS anhand der Anzahl der Zylinder, Köpfe und Sektoren pro Spur (CHS) identifizieren. Diese Informationen speichert das Bios dann in seinem CMOS. Die CHS-Werte werden auch als Festplatten-Geometrie bezeichnet und variieren meistens aufgrund der unterschiedlichen Kapazitäten und Bauarten, aber auch weil deren Hersteller unterschiedliche Wege gehen. Nur die Sektoren sind immer 512 Byte groß. Keine Regel ohne Ausnahme: spezielle Geräte (z.B. MO-Laufwerke und ganz wenige Festplatten) arbeiteten mit Sektorgrößen von 1024 Bytes oder mehr. Auf Basis der CHS-Werte kann leicht die Kapazität eines Laufwerks errechnet werden, indem die Anzahl der Zylinder mit der Anzahl der Sektoren mit 512 multipliziert wird. Problematisch war, das die meisten BIOS dieser Zeit aber auf maximal 1024 Zylinder, 255 Köpfe und 63 Sektoren begrenzt sind. 

Es zählt der kleinste Wert der jeweiligen Beschränkungen von BIOS und IDE. Nach Anwendung der binären Notation ergibt sich daraus eine maximale Festplattengröße von 504 MiB. Diese Begrenzung auf maximal 1024 Zylindern hatte Bestand bis ca. 1994. Mittels Software (EZ-Drive, OnTrack) ließ sich das Bios umgehen, allerdings mußte dafür der Master Boot Record (MBR) einer Festplatte modifiziert werden. Das hatte zur Folge, das die Inhalte einer Festplatte nur lesbar waren, wenn von ihr gebootet und dadurch der spezielle Treiber geladen wurde. Im Zuge der Weiterentwicklung von IDE auf EIDE (Enhanced Integrated Drive Electronics, Protokoll ATA-2) und der gleichzeitigen Standardisierung der Schnittstelle wurde das Problem mit der 1024er Begrenzung umgangen, indem die CHS-Adressierungstechnik zugunsten der logischen Blockadressierung (LBA, Int13h-Erweiterung) ersetzt wurde. Bei LBA übersetzt das BIOS die Zylinder-, Kopf- und Sektorinformationen (CHS) in eine logische 28-Bit-Blockadresse, wodurch Betriebssysteme und Anwendungen mit auf viel größere Laufwerke (8 GiB) zugreifen können. Jetzt rückten die Grenzen von DOS mit seinem FAT16-Dateisystem und der maximalen Partitionsgröße von 2 GiB (ab DOS 4.0) in den Vordergrund.

Wir besitzen einige dieser XT-IDE Controller und wollen Sie auf Ihre Funktion auf einem PC/XT – für den sie vorrangig gedacht sind – testen. Zudem werden wir die Lauffähigkeit von XT-IDE auf einem 386er- und einem Pentium II-Board ausprobieren. Zum Abschluss testen wir die Funktion von verschiedenen CF2IDE und SD2IDE Adaptern und die entsprechenden Medien auf Rechnern, die bereits über IDE-Schnittstellen verfügen. Dafür haben wir drei Mainboard’s aus unserem Fundus geholt.

  • IBM PC Mainboard 64-256 mit Monochrom Adapter und Speichererweiterung auf 640KiB
  • Biostar MB-1333/40 mit 80386DX CPU 40MHz, AMI Bios und 16-Bit IDE-Controller Adapter
  • Giga-Byte GA-6BXE mit Pentium II 400MHz, AMI Bios und integrierter IDE-Schnittstelle

Die Festplattengeschwindigkeit testen wir beim IBM PC Board und dem Biostar mit Checkit 3.0. Beim Giga-Byte funktioniert CheckIt nicht mehr zuverlässig, daher verwenden wir hier SpeedDisk.

IDE Festplatten findet man ab den Rechnern der AT-Klasse, die ersten in Rechnern der Fa. Compaq. Der Grund ist, das IDE mindestens auf einem 16-Bit Datentransfer basiert und erst ein AT einen 16-Bit Datenbus bieten kann. Der Einsatz in einem PC oder XT mit seinem 8-Bit Datenbus ist damit eigentlich ausgeschlossen. Dabei muß erwähnt werden, das es auch IDE-Adapter und -Laufwerke für den 8-Bit ISA Bus gab (XTA, z.B. in Commodore PC/XT’s), aber die sind – und waren immer schon – sehr selten. Einige findige Hardware-Entwickler haben sich jedoch eine Möglichkeit für den PC und PC/XT ausgedacht. Die ersten Entwicklungen stammen von JDR Microdevices (MCT-IDE-8), die bekanntere aber von Mitgliedern der VCF (Vintage Computer Federation). Der Adapter nennt sich XT-IDE und basiert auf der speziellen Firmware XTIDE Universal Bios. Letzteres stellt die Bios-Erweiterung dar, die es ermöglicht, das ein Computer mit der XT-IDE Hardware kommunizieren kann. Die Funktion der 8-Bit XT-IDE Controller beruht im Wesentlichen darauf, die über den 8-Bit Datenbus zu übertragenden 16-Bit Daten zu halbieren. Statt zwei Byte bei einem 16-Bit Datenbus schicken sie nur nur ein Byte nach dem anderen an den Bus. Trotz dieser Leistungseinschränkung sind die Übertragungsraten und Zugriffszeiten denen einer MFM/RLL-Festplatte dieser Zeit weit überlegen. Neben den Entwicklungen des VCF gibt es weitere erfolgreiche XT-IDE-Derivate (wie z.B. Lo-Tech).

Der nachfolgende Bericht soll Anfängern/Einsteigern einen Überblick geben, was an modernen Speichern als Festplattenersatz auf dem Markt vorhanden ist und was man problemlos zum Funktionieren bringt.

XT-IDE Controller

Die Vielzahl von Varianten der XT-IDE Controller einzuordnen gestaltet sich mittlerweile schwierig. Es gibt vier Entwicklungsstufen, die auf die Entwickler des VCF zurückzuführen sind und u.a. von GlitchWorks vertrieben werden. Zusätzlich gibt es aktuell vier verschiedene Ausführungen von Lo-Tech. Weitere Hersteller (z.B. BlueLavaSystems) bieten zudem eigene Nachbauten an. Eine grundsätzliche Empfehlung für den einen oder anderen Controller auszusprechen ist schwierig, da sie alle auf dem XUB basieren. Eher dürften die verschiedenen Bauarten den Ausschlag geben, für was man sich entscheidet. Bei den ersten Revisionen der XT-IDE Controllern sollte man von der Einschränkung ausgehen, das sie wirklich nur auf einem PC/XT laufen, auf einem AT oder neuer nicht.
In jedem Fall ist es ratsam, die neueste Version des XUB zu verwenden.
Eine wichtige Hürde bei den einigen XT-IDE-Adaptern ist, das man – wie bei LoTech – nur eine leere Platine kaufen kann. Die zur Bestückung notwendigen Komponenten muß man selber besorgen und auflöten. Alle Lieferanten bieten auf ihren Webseiten entsprechende Bauteil-Bestelllisten von bekannten Händlern (Mouser, Farnell) an. Aufgrund der i.d.R. guten PCB-Qualität ist die Lötarbeit auch von weniger Geübten durchaus zu bewerkstelligen. Zudem muß das XTIDE Universal Bios heruntergeladen und mittels Software auf ein EEPROM geflasht (z.B. ATMEL AT28C64B, AT29C512, SST SST39VF010) oder auf ein Eprom (27C64, 27C128…) gebrannt werden. Für Letzteres wird ein Eprom-Brenner benötigt. texelec liefert auch fertig zusammen gelötete, geflashte und somit sofort einbaufähige Adapter. Dieser Service muß mit dem ca. dreifachen Preis bezahlt werden, die ein PCB plus Bauteile kostet.

Wir haben drei Varianten des XT-IDE mit dem IBM PC Board getestet:

  • Lo-Tech XT-IDE Rev.3 (nur PCB erhältlich, alle IDE-Speichermedien, Slot-8 kompatibel mit zusätzlichen Komponenten)
  • Lo-Tech XT-CF Rev.3 (wahlweise nur PCB oder assembliert von texelec, nur CF- und SD-Speichermedien werden unterstützt, Slot-8 kompatibel)
  • GlitchWorks XT-IDE Rev.4A (wahlweise nur PCB oder assembliert von texelec, Hi-Speed Modus mit XTIDE Universal BIOS 2.x.x, Slot-8 kompatibel)

Als Medien kommen DOM-, CF- und SD-Speichern zum Einsatz. Festplatten werden nicht getestet, denn noch käufliche neue SATA-Festplatten besitzen Kapazitäten, mit denen ein PC/XT, AT oder 386er nichts sinnvolles mehr anfangen kann.

Ein paar Tipps vorab:

  • Ein IBM PC 5150 benötigt die Bios Rev 3 (1501476). Die beiden vorherigen Revision ignorieren das Bios einer Erweiterungskarte. Das schwache 63V Netzteil des 5150 sollte ein XT-IDE verkraften.
  • Normalerweise verwendet man als Firmware für einen PC oder XT die Datei IDE_XT.BIN und für einen AT die Datei IDE_AT.BIN. Mit den erweiterten Versionen IDE_XTL.BIN bzw.IDE_ATL.BIN erhält man zusätzlich ein umfangreicheres Boot-Menü. Der Vorteil: man kann kann von beliebigen Diskettenlaufwerken und/oder Festplatten booten. Sehr nützlich, wenn z.B. noch andere IDE Geräte vorhanden oder zwei Speicher (Master/Slave) angeschlossen sind. Der Nachteil: diese Firmwareversionen sind größer und benötigen ein EPROM / EEPROM mit mehr als 8KiB.
  • Auf dem eigentlich unbenutzten Pin 20 der IDE-Anschlußbuchse liegen bei den XT-IDE-Platinen 5V an (Rev.3, Rev.4). Diese werden über den ISA-Bus bezogen. Der Pin ist mit weiß gekennzeichnet. Man muß entscheiden, ob man diesen Pin mit einlötet oder vor dem Einlöten aus der Buchse zieht. Eingelötet werden kann er bei Medien, die das unterstützen, wie z.B. das DOM. Aber dann darf auf keinen Fall zusätzlich eine externe Stromversorgung an das Speichermedium angeschlossen werden! Bei der Rev.4A Platine sollte der Pin eingelötet sein, da die 5V Versorgung mittels Jumper ein- und ausgeschaltet werden kann, abhängig davon, ob der verwendete Speicher dies unterstützt oder nicht.
  • DOM’s (DiskOnModule) als Speicher. Diese Flash-Speicher emulieren IDE-Festplatten und können direkt auf die XT-IDE Adapter gesteckt werden, die mit IDE-Festplatten arbeiten können. Alle von uns getesteten DOM’s unterstützen die 5V Versorgung über Pin 20. Somit eine elegante Lösung, da kein zusätzliches Stromkabel mehr benötigt wird.
  • CF-Card als Speicher. Hier wird ein zusätzlicher CF-Adapter benötigt. Die gibt es auch als Slotblech-Variante. Im Falle unserer XT-CF Ref.3 wird der Adapter über ein 40 pin IDE-Kabel mit dem XT-CF verbunden. Dadurch wird die CF-Card von aussen zugänglich und kann gewechselt werden ohne das Gehäuse des Rechners zu öffnen. Da bei IDE-Kabeln bzw. Verlängerungen Pin 20 i.d.R. nicht vorhanden ist, fehlt auch die 5V Versorgungsspannung des XT-IDE für das Medium bzw. für den Adapter. Daher wird hier eine externe 5V Versorgungsspannung benötigt. Es gibt auch eine Lo-Tech Variante des Adapters (XT-CF-Lite), bei der eine CF-Card ohne zusätzlichen Adapter direkt auf die Platine gesteckt werden kann.
  • Adapter ohne Slotblech wie das XT-CF werden oft verkehrt herum eingebaut. Wenn der Rechner mit den Slotblechen nach oben liegt muß die Bauteilseite des Adapters immer nach rechts zeigen, i.d.R. zur Netzteilseite.
  • Was beim Einrichten zudem hilfreich ist sind HxC- oder Gotek-Laufwerke, die Diskettenlaufwerke emulieren können. Man kann Installationssätze in Form von Diskettenimages – je nach Ausführung – auf SD- oder CF-Karte oder einem USB-Stick speichern und leicht Installationen ausführen. So erspart man sich den Durcheinander von Disketten. Wir haben für unsere Testreihe ein HxC2001 angeschlossen. Beim IBM PC/XT wird ein Shugart-Adapter benötigt, um das HxC mit dem originalen IBM Controller zu verbinden.
  • Die detaillierte Konfiguration des XTIDE Universal Bios kann man sich in mehreren YouTube-Tutorials ansehen. Eine Aufzählung der einzelnen Schritte an dieser Stelle kann da nicht mithalten, daher dieser Hinweis. Ein gutes deutsches Tutorial findet man hier.

IBM PC/XT

Mit dem XTIDE Universal Bios (XUB) wird neben verschiedenen ROM-Versionen auch ein Konfigurationsprogramm (XTIDECFG.COM) sowie eine Flash-Software für EEPROM’s (FLASH.COM) mitgeliefert, beide laufen auf Basis von MS-DOS. Ersteres dient der Konfiguration des ROM’s. Nachdem ein spezielles ROM ausgewählt hat und alle Einstellungen getroffen wurden, kann es in das EEPROM übertragen und dort dauerhaft gespeichert werden.

ROM-Bios Adresse: Die Defaulteinstellung ist D800. Wo das XUB eingeblendet werden soll hängt davon ab, welche zusätzlichen Karten mit eigenem Bios im System zum Einsatz kommen sollen. Bei unserem Minimal-System mit Monochrom-Adapter (B000) gibt es keinerlei Konflikte, C800, D000, D800, alles wäre möglich. Sollen andere Festplattencontroller, SER/PAR Karten, Netzwerkkarten, CGA-, EGA- oder VGA-Karten zusammen mit XT-IDE betrieben werden, müssen deren ROM-Bios Ansprüche im Adressraum oberhalb 0xA000 berücksichtigt werden. Tools wie QAPlus oder CheckIt 3.0 können hier sehr hilfreich sein. Nur die Einstellungen unterhalb von C800 sind nicht empfehlenswert. Ab C000 befindet das Grafikkarten-Bios und dessen Bildschirmspeicher.

I/O Port: Die Defaulteinstellung ist 300h. Auch diese Einstellung wird nur in Ausnahmefällen nicht funktionieren. Normale Festplattencontroller sind meisten auf 320h eingestellt. Lediglich CD-ROM Player benutzen standardmäßig auch gerne 300h.

Welche DOS Version für PC/XT verwenden?

Außer MS/PC-DOS 1.x können eigentlich alle Versionen verwendet werden. Das hängt auch maßgeblich vom Speicherausbau des Rechners ab. Unter 512KiB sollte man es jedoch bei DOS 3.3 belassen. Auch die maximale Partitionsgrößen sind von Bedeutung: bei DOS 2.x sind es 16 MiB, bei DOS 3.x 32 MiB und ab DOS 4.x und höher beträgt sie 2GiB. Allerdings ist zu beachten, das bei der maximalen Partitionsgröße von 2GiB ein PC/XT mit 4.77 MHz dann schon mal 20 Sekunden braucht, um einen dir-Befehl auszuführen. Mehr als 512MiB/Partition sind bei dieser Rechnerklasse daher nicht ratsam, empfehlenswert sind mehrere 32MiB Partitionen. Außerdem benötigen die command.com der DOS-Versionen ab 5.x immer ein paar KiB mehr RAM als z.B. bei der Version 3.3. Ein PC/XT kann zwar bis 640 KiB ausgebaut werden, aber er besitzt keinen realen Speicher in der UMA (A0000 bis FFFFF). Die Speichermanager der DOS Versionen 5.x und 6.x funktionieren erst ab einer 80286 CPU, voll umfänglich sogar erst ab einem 80386. Nur diese können die UMA (Upper Memory Area) für DOS verfügbar machen und die Möglichkeit eröffnen, Treiber und TSR-Programme auszulagern und so wertvollen Speicher unter 640 KiB freihalten. Aber diese Werkzeuge stehen bei einem 8088 eben nicht zur Verfügung.

Lo-Tech XT-IDE Rev.3

Dieses XT-IDE wird als leere Platine geliefert und muß selbst gelötet werden. Als EEPROM haben wir ein SST39SF010A verwendet. Das ist mit 1MiB Flash Speicher zwar über-dimensioniert, aber das hatten wir da. Normalerweise wäre ein Atmel AT28C64 ausreichend. Ein Slotblech wird nicht mitgeliefert, ein passendes Keystone 9202 kann bei Mouser bezogen werden. Lo-Tech bietet ein vor-konfiguriertes Universal Bios und ein DOS-Programm namens FLASH.EXE auf seiner Webseite an. Das XT-IDE wurde auf die ROM-Adresse 0xD800 gejumpert. Es mußte nur eine Diskette präpariert werden, daß das XUB und das Flash-Programm enthält oder – im Falle der Verwendung mit dem HxC ein Diskettenimage. Nach dem Booten von DOS 3.3 von Diskette und dem Flashen des EEPROM’s (flash IDE_XT.BIN D800) wurde unser DOM mit 128MiB erkannt und konnte mit mehreren 32MiB Partitionen eingerichtet werden. Das Booten von der primären Partition erfolgte problemlos.

Jetzt sollten auch noch CompactFlash-Speicherkarten von SanDisk (256 MiB ) und STI (128 MiB) mit dem XT-IDE getestet werden. Beide wurden mittels eines herkömmlichen CF-Adapters und einem IDE-Kabel angeschlossen. Da bei IDE-Kabeln – wie oben erwähnt – der Pin 20 fehlt, ist eine externe Stromversorgung des Adapters notwendig. Beide CF-Speicher werden erkannt und können mit DOS 3.3 wie gehabt partitioniert werden. Nach Aktivierung der Partition und dem Formatieren weigert sich die CF von STI aber, von der primären Partition zu booten. Das kommt vor, normalerweise kann man hier oft mit dem Kommando fdisk /mbr Abhilfe schaffen. Aber diesen Parameter kennt DOS 3.3 noch nicht. In einem solchen Fall verwenden wir das leistungsfähigere fdisk aus FreeDOS. Danach bootet DOS 3.3 auch von dieser CF-Card reibungslos.

Transferrate und Zugriffszeiten sind bei DOM und den beiden getesteten CF-Speicherkarten absolut identisch. Alle drei Medien sind eigentlich für moderne Rechner konzipiert und erlauben natürlich eine schnellere Übertragung, als es der XT-IDE Controller zuläßt. Bitte ebenfalls beachten, das durch Einsatz von smartdrv (oder anderen Cache-Programmen) die Transferrate sinken kann. Darauf wird in der Beschreibung des XTIDE Universal Bios explizit hingewiesen.

Die Bauart mit der seitlichen IDE-Anschlußbuchse ist beim Lo-Tech XT-IDE Rev.3 nicht praktisch, da im Falle eines direkt eingesteckten DOM sehr viel Platz verbraucht wird. Das geht meistens auf Kosten eines weiteren Steckplatzes. Platz sparen kann man, wenn das Speichermedium über ein IDE-Verlängerungskabel verbunden ist oder man den ganz rechten Steckplatz benutzt. Bei einem XT (5155, 5160) ist das der berühmte Slot 8, der besondere Spezifikationen besitzt.

Lo-Tech XT-CF Rev.3

Diese sehr kompakte Karte ist auf die Verwendung einer CF- oder SD-Karte als Festplattenersatz in einem IBM PC/XT oder kompatiblen Computer ausgerichtet. Was die XT-CF definitiv nicht erkennt, sind DOM’s. Aber auch was CF-Speicher anbetrifft, stellte sich die kleine Lo-Tech als wählerisch heraus. Sie bootet nur von der Sandisk, erkennt die STI zwar, aber weigert sich davon zu booten. Bei späteren Tests mit dem 386er- und dem Pentium II-Board gab es mit Speicherkarten dieses Herstellers – direkt an deren IDE-Controller angeschlossen – keinerlei Probleme. Es handelt anscheinend um ein spezielles Problem des XT-IDE Controllers.

Es kann sein, das die 16 GiB SD Karte einfach zu groß ist und deshalb leistungsmäßig etwas abfällt. Allerdings ist die XT-CF auch mit der CF-Karte langsamer als die XT-IDE Rev.3 und die XT-IDE Rev.4A. Trotzdem soll der Test mit mit einer kleineren SD-Karte nochmal wiederholt werden.

GlitchWorks XT-IDE Rev.4A

Diesen XT-IDE Controller wurde vollständig montiert und getestet geliefert. Glitchworks wirbt damit, das der Controller getestet ist von IBM 5150-PC bis hin zu 1 GHz Pentium 3-Industriemaschinen. Tatsächlich läuft er reibungslos im PC, ist platzsparend aufgrund der nach hinten versetzen IDE-Buchse und bietet viele Einstellungsmöglichkeiten über zwei DIP-Schaltblöcke.

Die Geschwindigkeitstest sind identisch mit der Lo-Tech XT-IDE Rev.3, daher keine Fotos. Alle Medien (DOM, CF, SD) wurden erkannt und konnten ohne Probleme mit DOS 3.3 bespielt werden.

Biostar MB-1333/40

Ob auf einem Rechner dieser Leistungsklasse noch ein 8-Bit XT-IDE Controller zum Einsatz kommt, muß jeder selbst entscheiden. Nur die ersten Modelle der 386er Rechner wurden ab 1986 noch mit MFM/RLL-Controller und -Festplatten ausgeliefert. Ab ca. 1992 – als dieses Board entstand – ging der Trend schon in Richtung IDE-Festplatten. 16-Bit IDE Controller sind derzeit noch nicht rar und können für wenig Geld gebraucht erworben werden. Unabhängig davon laufen alle XT-IDE Varianten auf dem Biostar, auch mit dem XT Bios. Und auch nicht unerträglich langsam, zumindest unter DOS kann man damit leben.

Unser Biostar-Board ist bereits mit einem 16-Bit IDE Controller ausgestattet, sein BIOS (auch in der letzten Version von 1992) unterliegt jedoch noch der 1024 Zylinder Grenze. Mit einem 512 MiB großen DOM direkt am IDE-Controller angeschlossen erreicht man allerdings fast die doppelten Leistungswerte als mit dem XT-IDE. Die CHS-Werte von DOM’s und anderen Flash-Speichern müssen im BIOS gesetzt werden (User-defined), wenn sie das BIOS nicht automatisch korrekt ermitteln kann. Hier die Tabellen für die DOM’s von PQI und von Hyperdisk.

Ein Rechner von 1992 ist mit einem 500MiB großen Speicher jedenfalls schon üppig ausgestattet.

Wenn man die Unterschiede bezüglich des Datentransfers oben anschaut erübrigen sich alle weiteren Versuche, an den XT-IDE-Controller andere Medien wie CF- oder SD-Karten anzuschließen. Die Leistungsunterschiede sind zu deutlich. Lediglich die 1024 Zylinder Bios-Grenze ließe sich mit dem XT Universal Bios (z.B. in einem Netzwerkadapter) sicher umgehen, aber nachdem es sich dabei um eine Real Mode Int13 Anwendung handelt, macht das keinen Sinn. Weder ein Windows noch sonst ein OS im Protected Mode wird funktionieren, da diese den Int13 umgehen. Bereits bei diesem Board deutet es sich an: der sinnvolle Einsatzzweck von XT-IDE auf beschränkt sich auf PC’s und AT’s unter MS-DOS.

Giga-Byte GA-6BXE

Wir haben an diesem Mainboard alles – wirklich alles was mit IDE möglich ist – zum Laufen gebracht. SD-, CF-Karten, DOM’s und auch SSD’s. Sogar die XT-IDE Controller funktionierten einwandfrei. Allerdings unterirdisch langsam! Mit 8-Bit geht eben nicht mehr, eine reine Notlösung, z.B. für Installationszwecke.

Leider konnte bisher kein Tool für natives DOS gefunden werden, das auf auf einem XT und dem Giga-Byte gleichermaßen lauffähig wäre. So wären vergleichbare Geschwindigkeitstest möglich. CheckIt 3.0 ist jedenfalls überfordert. Folgendes haben wir mit SpeedSys gemessen:

SpeedSys (DOS 6.22, FAT16)

Flash Speicher Controller Datendurchsatz
128 MiB DOM (PQI) XT-IDE 2.8 MiB
128 MiB DOM (PQI) Mainboard IDE 7.8 MiB
2 GiB DOM (Hyperdisk) Mainboard IDE 25.6 MiB
1 GiB CF (Transcend 133x) Mainboard IDE 25.6 MiB
4 GiB CF (Sandisk Ultra) Mainboard IDE 25.6 MiB
64 GiB SD (Intenso Micro XC) Mainboard IDE 25.6 MiB

Die obigen Tests bei den Flash Medien sind deswegen identisch, weil der 16-Bit Datenzugriff unter DOS einfach nicht mehr hergibt. Interessant dabei ist nur, ob einer der Flash Speicher unter diesen Wert von 25.6 MiB/Sek. fällt. Ein Versuch wurde gestartet, ein Intenso SD mit FAT32 zu formatieren und unter DOS 7.1 zu messen. Das Ergebnis ist identisch, denn es ist weiterhin nur ein 16-Bit Datenzugriff. Erst unter Windows ergab sich ein anderer Wert. Da sich SpeedDisk unter 64-Bit Windows nicht ausführen ließ, gemessen mit CrystalDiskMark.

Ermutigt durch diese reibungslose Funktionalität wurde ein CD-ROM angeschlossen und Windows 98SE installiert. Dazu haben wir den 16-GiB SD-Speicher mit einer einzigen großen FAT32-Partition verwendet. Auch das verlief ohne irgendeine Auffälligkeit im Vergleich zu einer normalen Festplatte.

Fazit:

  • Der Einsatz der XT-IDE Controller unter PC/XT und AT ist sinnvoll und problemlos möglich. Im Falle einer defekten Festplatte ein adäquater Ersatz.
  • Der Einsatz von XT-IDE Controllern auf 80386/80486 Rechnern funktioniert. Ist jedoch bereits eine IDE-Schnittstelle vorhanden, bieten sich in diesem Fall bereits wesentlich leistungsfähigere Möglichkeiten über verschiedene Flash-Speicher mit entsprechenden Adaptern an.
  • Für Pentium Rechner gilt das Gleiche wie für die 80386/80486 Rechner. Nur die XT-IDE Controller scheiden hier definitiv aus, da die Transferleistung zu schlecht ist. Hier sollten als Festplattenersatz nur IDE-Flash-Speicher zum Einsatz kommen. Auch kleine SSD’s bis 120 GiB (oder was auch immer das BIOS/IDE/EIDE hergibt) wären hier möglich.