Es geht darum, einen IBM XT von 1983 – der bei seiner Markteinf√ľhrung mit 10MB Festplatte √ľber 12.000 DM gekostet hat – f√ľr das Jahr 1990 fit zu machen. Immerhin h√§tte man sich 1983 f√ľr das Geld z.B. auch einen neuen Opel Corsa (ca. 12.700 DM) kaufen k√∂nnen. So eine Investition tr√§gt man nach 5 oder 6 Jahren nicht einfach zum Wertstoffhof, zumindest damals nicht.

IBM Modell 5160 XT mit 10MiB Festplatte

1990 erschienen bereits die ersten High-End PC’s mit dem neuesten Intel 80486 Prozessor, der mit mindestens 16MHz – oft aber schneller mit 25MHz oder gar 33MHz – getaktet war. Die aktuellen Modelle mit dem Intel 80386 (ab 1986) besa√üen einen 32-Bit breitem Datenbus, w√§hrend sich der IBM XT mit seinem auf 8-Bit kastrierten Datenbus und der mit nur 4,77MHz getakteten 8088 CPU begn√ľgen musste. DOS-Programme wurden von Version zu Version mit immer mehr Features vollgestopft (Microsoft Word, Ashton-Tate dBase und Framework, Lotus 1-2-3 …) und ben√∂tigten in der Folge mehr Speicher, leistungsf√§higere CPU’s und Grafikkarten sowie gr√∂√üere und schnellere Festplatten. Nicht zu vergessen die Spieleindustrie mit ihren grafisch immer aufw√§ndigeren Spielen (z.B. Wing Commander), die ebenfalls hohe Anspr√ľche an die CPU und die Grafikkarte stellten. 1990 kam zudem die multitasking-f√§hige und grafische Benutzeroberfl√§che Windows 3.0 auf den Markt. Das lief zwar auch noch auf einem XT, aber nur im eingeschr√§nkten Real-Mode und langsam – zu langsam um damit produktiv arbeiten zu k√∂nnen. Fast zeitgleich erschienen auch sehr viele leistungsf√§hige, grafische B√ľroprogramme f√ľr Windows 3.0¬†(z.B. Microsoft Word und Excel, Lotus Ami Pro). Die neuen M√∂glichkeiten unter Windows 3.0 waren f√ľr Anwender so verlockend, das viele den Umstieg von DOS auf Windows in Erw√§gung zogen.

Lange Rede, kurzer Sinn: der IBM PC/XT und seine 808x-Kollegen konnten diese gestiegenen Anspr√ľche nicht mehr erf√ľllen und geh√∂rten zum absolut alten Eisen. W√§re es m√∂glich gewesen, einen XT mit dem im Jahr 1990 verf√ľgbaren Zubeh√∂r so aufzur√ľsten, das er mithalten k√∂nnte – zumindest mit einem 80386 PC ? Diesen Versuch wollen wir machen – nat√ľrlich ohne einen originalen IBM daf√ľr zu schlachten. Wir wollen einen XT mit damals verf√ľgbarer, zeitgen√∂ssischer Technik aus dem Zubeh√∂rhandel vollstopfen. Dabei soll das Mainboard und das Geh√§use nicht irreversibel ver√§ndert werden, also kein L√∂tkolben und kein Dremel zum Einsatz kommen. √Ąu√üerlich soll der Umbau nicht erkennbar sein. Der 8-Bit ISA-Bus ist die unumg√§ngliche Beschr√§nkung f√ľr alle Erweiterungskarten, die verbaut werden k√∂nnen.

Wunschausstattung:

  • 80386 CPU
  • Mehr verwendbarer Hauptspeicher
  • Leistungsf√§hige Grafikkarte
  • Schnellere und gr√∂√üere Festplatte
  • Leistungsf√§hige Soundkarte
  • HD Diskettenlaufwerke 5,25″ und 3,5″
  • Laufwerk zur Datensicherung
  • Erweiterte IBM Tastatur mit 102 Tasten (Modell M) plus Maus

Was stellt der Markt von 1990 f√ľr diesen Umbau an Hardware zur Verf√ľgung:

  • Intel Inboard 386/PC
  • 8-Bit ISA Speichererweiterungen
  • 8-Bit ISA Grafikkarten (VGA)
  • 8-Bit ISA SCSI-Controller und -Festplatten
  • 8-Bit ISA Soundkarten
  • 8-Bit ISA Diskettencontroller mit Unterst√ľtzung von HD-Laufwerken
  • Iomega SCSI Laufwerke mit 100MB Kapazit√§t (nicht ganz zeitgen√∂ssisch, kam erst 1994 auf den Markt)
  • IBM Model M Tastatur

Nat√ľrlich ist die ben√∂tigte zeitgen√∂ssische Hardware f√ľr den angestrebten Umbau nicht mehr leicht aufzutreiben, vor allem durch die vorgegebene Beschr√§nkung auf 8-Bit ISA. Speziell ein Intel Inboard 386/PC ist eine ziemliche Rarit√§t und in unserem Fall aber die Basis aller weiteren Ma√ünahmen. Nur mit dieser Hardware-Erweiterung ist Software auf dem XT lauff√§hig, die den Protected Mode¬†des 80386 CPU voraussetzen. Dazu z√§hlt nicht nur Windows 3.x (im entsprechenden Modus), sondern auch DOS-Programme, die EMS- oder XMS-Speicher nutzen k√∂nnen. Das Inboard besitzt zudem bereits 1 MiB RAM, auf das 32-Bit breit zugegriffen werden kann. In unserem Fall sind es 3 MiB, weil auch eine Speichererweiterung f√ľr das Inboard mit zus√§tzlichen 2 MiB zur Verf√ľgung steht. Noch eine Info zur Erg√§nzung: es hat auch eine Aufr√ľstboard f√ľr die IBM AT Klasse gegeben, das Intel Inboard 386/AT.

Leistungsf√§hige 8-Bit VGA Grafikkarten mit mehr als 256 KiB Video-RAM sind selten, brauchbare 8-Bit Soundkarten hat es √ľberhaupt nur wenige gegeben. Den ben√∂tigten Rest in Form von Massenspeichern sollte eine ordentliche und gepflegte PC-Zubeh√∂rsammlung wie die unsere “auf Lager” haben.

F√ľr das Projekt haben wir unseren Lagerbestand durchforstet.¬†Das Ergebnis: ein ansehnliches PC/XT Geh√§use von IBM, ein originales Netzteil sowie ein ebenso originales IBM PC/XT Mainboard 64/256, verschiedene HD-Diskettenlaufwerke mit passender schwarzer Blende, einen noch neuen Floppycontroller der Firma Longshine-LCS-6814F f√ľr HD-Diskettenlaufwerke, eine Paradise VGA Plus Card sowie eine No-Name I/O-Card mit batteriegepufferter RTC. Alles 8-Bit ISA.

Bei Festplatte und Controller fiel die Wahl auf SCSI. Hier wurde es schon enger: 8-Bit SCSI Controller sind rar. Einer der leistungsfähigsten dieser Zeit kam von Future Domain.

Das Netz stellt einige Informationen √ľber den Future Domain TMC-840¬†bereit, obwohl der Hersteller 1990 von Adaptec √ľbernommen wurde. Auf der Adaptec-Website selbst ist erwartungsgem√§√ü nicht mehr viel deren Produkte zu finden, aber in anderen Quellen. Das zu l√∂sende Problem ist, da√ü ausgerechnet der TMC-840 kein eigenes Bios besitzt (der ansonsten baugleiche TMC-850 h√§tte eins). Ohne ein Bios auf dem Controller ist eine daran angeschlossene Festplatte (oder jedes andere Ger√§t) mittels Treiberinstallation grunds√§tzlich voll funktionsf√§hig, es kann aber nicht davon gebootet werden. Daf√ľr gibt es aber eine L√∂sung: das Super PC/Turbo XT BIOS. Es ersetzt das Bios in allen XT kompatiblen Rechnern, behebt einige Fehler des originalen Bios, bietet schnellere RAM Pr√ľfung, erkennt CPU’s automatisch, unterst√ľtzt neuere Tastaturen u.s.w. In der etwas √§lteren Version 2.6 dieses Bios besteht u.a. die M√∂glichkeit, ein makefile so zu √§ndern, da√ü beim Compilieren das TMC-850 Bios (Version 8.5) eingebunden wird. Am Ende des Compilation werden zwei bin√§re Dateien erzeugt, die dann in zwei Eproms gebrannt und in U18 und U19 des IBM Mainboards das originale Bios ersetzen.

Eine gute Quelle f√ľr DOS- und Windows 3.x Treiber ist √ľbrigens die Seite Vogons Vintage Driver Library.

Das originale Netzteil, das wir in unserem Lager gefunden haben hat bei einem Testlauf eine Rauchwolke von sich gegeben. √úberlegungen, es zu reparieren haben wir schnell aufgegeben, weil es sich nicht um ein XT Netzteil mit 130W, sondern um eines aus einem 5150 mit 63W handelte. Das w√§re zu leistungsschwach. Also werden wir ein noch wenig benutztes 150W AT Netzteil schlachten. Da dieses aber auch schon mehr als 25 Jahre auf dem Buckel hat tauschen wir vor dem Einbau auch gleich alle Elkos. Das Ganze soll in das originale IBM PC Netzteilgeh√§use implantiert werden, um die Optik zu wahren, und tats√§chlich passt es recht gut rein. Der Ein-Aus-Schalter sowie der Kabelstrang werden aus dem alten IBM Netzteil √ľbernommen. Von aussen ist der Umbau nicht erkennbar.

Nach gr√ľndlicher Reingung des XT-Geh√§uses folgt ein erster Funktionstest. Dazu werden Mainboard, Netzteil und die VGA-Karte eingebaut, noch mit dem originalen Bios. Wichtig dabei ist, den Dip-Schalter auf dem Mainboard entsprechend dieser Konfiguration zu stellen: Color, 256KB RAM, ohne Laufwerke.

Nachdem feststeht, das diese Minimalkonfiguration einwandfrei funktioniert, kann mit dem Einbau des Floppy-Controllers (Longshine-LCS-6814F) und den beiden Diskettenlaufwerken (3,5″ HD als DS0, 5,25″ HD als DS1) fortgefahren werden. Leider sieht IBM beim XT Geh√§use Laufwerke mit voller Bauh√∂he vor. F√ľr den Einbau von zwei halbhohen Laufwerken pro Laufwerksschacht m√ľssen f√ľr die oberen Laufwerke zus√§tzliche Halterungen gebastelt werden.

Alles wurde verkabelt und verschraubt und die Dip-Schalter des Mainboards auf zwei Diskettenlaufwerke umgestellt. Wir starten wir einen Versuch mit einer DOS 6.2 Boot-Diskette im 3,5″¬† HD-Format. Nach dem Einschalten erkennt¬† das Bios des Floppy-Controllers die beiden HD-Laufwerke korrekt. Dann wird DOS 6.2 von Laufwerk a: gebootet. Die DOS-Konfigurationsdateien unserer Boot-Diskette haben ganz offensichtlich einen moderneren Rechner erwartet.

Bis hierher wäre alles OK. Als nächstes ist die SCSI Einheit bestehend aus dem Future Domain Controller und einer 2 GB SCSI Festplatte dran. Davor muss aber jetzt das originale XT Bios unserem modifiziertem Super PC/Turbo XT BIOS weichen, damit Рwie oben erwähnt Рdas SCSI-Bios des Future-Domain TMC-840 Controllers eingebunden wird.

Alternativ gibt es nat√ľrlich auch die M√∂glichkeit, zwei PC’s √ľber die serielle oder √ľber die paralelle Schnittstelle per Kabel miteinander zu verbinden und auf diese Art Daten zu transferieren. Folgende Programme bieten hier u.a. Unterst√ľtzung an: Norton Commander, PC-Tools, Laplink, Kirschbaum Netz, Interlnk/Intersvr).

Nachdem das SCSI-Zip-Laufwerk (SCSI ID 3) und die Festplatte (SCSI ID 4) entsprechend ge-jumpert sind, der Controller eingebaut und alles per 50 pin Kabel verbunden ist, kann der große Moment stattfinden. Wird das Bios eingebunden, werden die Laufwerke erkannt ?

Es hat funktioniert. Nach dem Einschalten wird nach dem Bios des Floppy-Controllers auch das im Super PC/XT Bios eingebundene Future Domain – Bios aktiviert. Die beiden SCSI-Ger√§te Iomega Zip und die IBM Festplatte werden erkannt. Nach dem Einrichten der Festplatte sollte daher auch problemlos von der Festplatte gebootet werden k√∂nnen. Zuvor ist es jedoch notwendig, mittels der SCSI-Utilities von Future Domain die Festplatte auf Hardware-Ebene (Low-Level) zu formatieren. Diese Art der Formatierung darf nicht verwechselt werden mit der Formatierung auf Dateiebene, die das jeweilige Betriebssystem durchf√ľhrt. Bei der Low-Level-Formatierung schreibt der Controller, in unserem Fall der Future Domain TMC-840, Spuren und Sektoren auf die Festplatte. Dabei wird noch kein Dateisystem erzeugt, aber diese Ma√ünahme ist notwendig, damit Controller und Festplatte sozusagen “richtig gute Freunde” werden. Ein Low-Level-Fomat ist gew√∂hnlich nur einmal f√ľr eine Controller-Festplatten Kombination notwendig. Benutzbar wird die Festplatte durch ein Betriebssystem erst, wenn das uns allen gel√§ufige Partitionieren und Formatieren durchgef√ľhrt wurde. Im Falle von PC/MS-DOS w√§ren das “fdisk” zum Partitionieren der Festplatte und “format” zum Formatieren einer Partition.

Ein SCSI Iomega-Zip Laufwerk haben wir auch im Fundus, das kommt auch noch rein f√ľr Backups und zum Datenaustausch mit modernen PC’s. Damit w√§ren zusammen mit der SCSI-Festplatte und den beiden Diskettenlaufwerken die vier m√∂glichen Laufwerkssch√§chte des XT-Geh√§uses belegt. Zur Info: 100MB Iomega Zip-Laufwerke sind kompatibel miteinander – unabh√§ngig ob Atapi, SCSI oder extern am paralellen Port bzw. per USB angeschlossen. Man kann zu installierende Software also mit einem extern an einem modernen PC angeschlossenen USB-Zip Laufwerk auf einer Zip-Diskette speichern und dann auf dem XT installieren.

Alternativ h√§tten wir auch ein CD-ROM Laufwerk einbauen k√∂nnen. 1990 war allerdings noch nicht allzu viel Software auf diesem Medium verf√ľgbar, das begann erst nach der Einf√ľhrung von Windows 3.1 so richtig.

Nach dem Einrichten der Festplatte mit DOS 6.22, dem Einf√ľgen der SCSI Treiber in der “config.sys” bootet der XT einwandfrei von Festplatte. Bevor jedoch hier weiter verfahren wird, machen wir aus dem 8088 erstmal einen 80386. Dies hat wesentliche Auswirkungen auf die weitere softwarem√§√üige Einrichtung des IBM XT.

Das Intel Inboard 386/PC ist nun eingebaut. Auf den Fotos unten kann man auch das blaue Flachbandkabel erkennen, das von der Steckkarte direkt auf den CPU-Sockel des Mainboards f√ľhrt. Die 8088 CPU muss nat√ľrlich vorher entfernt werden. Wie bereits oben erw√§hnt besitzt unser¬†Inboard 386/PC neben den standardm√§√üigen 1MB RAM zudem eine RAM-Erweiterung um weitere 2MB in Form einer Piggyback-Platine. Letztere soll es auch mit 4MB RAM gegeben haben. Auf diesen eigenen Speicher greift das Inboard √ľber einen 32Bit-Datenbus zu. Das RAM des Mainboards wird nur noch f√ľr den Bootvorgang ben√∂tigt, nach der Aktivierung des Inboard 386/PC wird es nicht mehr benutzt. Ebenso sollten alle RAM-Erweiterungen in Form von Steckkarten entfernt werden. Weiterer Speicher (bis zu 8MB) ist √ľber das Intel Above Board Plus 8 installierbar. Diese 16-Bit ISA karte kann mittels eines zus√§tzlichen IC’s 8-Bit kompatibel gemacht werden. Der Speicher des Above Boards Plus 8 wird vom Inboard 386/PC automatisch erkannt.

Nachdem der Intel-Treiber installiert ist, wird die Funktion des Inboards √ľberpr√ľft.

Auf dem¬†Intel Inboards 386/PC ist nur die SX-Variante der 80386 CPU (16-Bit Datenbus statt 32-Bit wie beim DX) verbaut. Die mathematische Co-CPU fehlt beim SX. Ein spezieller Steckplatz daf√ľr ist auf dem Inboard vorhanden, man kann also nachr√ľsten. In unserem Sammelsurium findet sich erfreulicherweise auch ein Intel 80387-16, also ziehen wir auch diese Option. Leider machen nur wenige Programme von dessen F√§higkeiten Gebrauch (z.B. AutoCAD).

Bevor wir jetzt die DOS-Konfiguration optimieren, bauen wir noch die Soundkarte (Sound Blaster CT1350B), eine Netzwerkkarte (3Com 3C509) sowie eine No Name I/O Karte mit gepufferter RTC ein. Damit sind alle 8 ISA-Steckplätze des Rechners belegt.

Slot 1: SoundBlaster CT1350B
Slot 2: MF Karte mit RTC und seriellem Port
Slot 3: MF Karte mit Druckerport und seriellem Port
Slot 4: 3Com Etherlink III (Netzwerk)
Slot 5: Intel Inboard 386/PC
Slot 6: Future Domain TMC-840 (SCSI)
Slot 7: Longshine-LCS-6814F (Floppy-Controller)
Slot 8: V7 VEGA VGA

Eine Eigenheit des IBM XT (5155, 5160) mu√ü erw√§hnt werden. Der Slot 8 (der Erste links vom NT) ist ein besonderer Steckplatz, den IBM f√ľr eine spezielle Verwendung modifiziert hat, und zwar f√ľr den Betrieb der IBM Expansion Unit (5161). Eine Steckkarte, die in diesem Steckplatz verbaut wird, mu√ü dementsprechend Slot-8 kompatibel sein, sonst funktioniert sie i.d.R. nicht. Standardm√§√üig steckt in diesem Slot der IBM Floppy-Controller, der aber keine HD-Laufwerke unterst√ľtzt. Da keine der im Zuge dieses Umbaus verwendeten Karten im Slot-8 verwendet werden konnte, mu√üten wir eine geeignete Karte finden, um alle Steckpl√§tze nutzen zu k√∂nnen. Am Ende blieb nur die L√∂sung, die Paradise VGA Karte durch eine V7 VEGA VGA (ebenfalls nur 256 KiB VRAM) zu ersetzen, da diese im Slot 8 betrieben werden kann.

Nachdem alle Hardware-Komponenten verbaut sind, m√ľssen die entsprechenden Treiber installiert werden. Die Netzwerkkarte klammern wir vorl√§ufig aus, weil wir vorhaben, ein Netzwerk nur unter Windows zu installieren. Die Sound Blaster CT1350B besitzt ein Installationsprogramm und wird automatisch eingerichtet. Die I/O Karte liefert kleine Utilities f√ľr das Setzen und Auslesen der RTC mit.

Nach mehreren Versuchen mit anderen Speicher-Manager’n hat der Qualitas 386Max die besten Ergebnisse gebracht. Er schaufelt am meisten RAM im f√ľr DOS wichtigen konventionellen Speicher bis 640KiB frei, in dem er Treiber und speicherresistente Programme in die freien UMB’s (Upper Memory Blocks) hochl√§dt. Wichtig ist dabei nat√ľrlich, das der Speicher-Manager erst dann in der “config.sys” eingebunden werden darf, nachdem das Inboard 386/PC initialisiert wurde. Erst dann stehen die 386er CPU und die 3MB des Inboards dem Speicher-Manager zur Verf√ľgung.

Zuerst wird die Konfiguration auf DOS optimiert. Es gibt einige DOS-Programme, die erweiterten Speicher nutzen, entweder als EMS (Expanded Memory Specification) oder als XMS (Extended Memory Specification). Dazu z√§hlen z.B. Microsoft Word, Multiplan, Ashton-Tate Framework, Lotus 1-2-3 und nat√ľrlich viele anspruchvollere Spiele.

Zur Beschleunigung der Festplattenzugriffe wird ein Cache-Programm installiert, welches aber möglichst wenig wertvollen konventionellen DOS-Speicher, sondern 512KiB Speicher im XMS-Bereich nutzen soll. Hier verwenden wir LBACache aus FreeDOS.

Nach Einrichtung aller Komponenten und der Installation der spezifischen Treiber stehen immerhin 617 KiB Speicher f√ľr DOS Programme zur Verf√ľgung. Wir testen anspuchsvolle DOS-Programme wie Microsoft Word 6.0, Star Office 1.0, Norton Desktop f√ľr DOS und den Desktop Navigator (RitLabs), welche auf einem einfachen XT gar nicht oder nur sehr tr√§ge gelaufen w√§ren.

Die im Jahr 1990 aktuellen Programme laufen in ordentlicher Geschwindigkeit. Laut Norton Systeminfo ist der XT jetzt mehr als doppelt so schnell wie ein AT, kommt aber erwartungsgemäß nicht mal annähernd an ein High-End System wie dem Compaq Deskpro 386/33 heran.

Zu guter Letzt installieren wir Windows 3.0. Das liegt in einer speziellen Version vor, die f√ľr das Intel Inboard 386/PC angepasst wurde (u.a. der Tastaturtreiber). Das Windows l√§uft, aber leider nur mit der Standard-VGA Aufl√∂sung. Unsere Grafikkarte besitzt nur 256KiB RAM, daher geht nicht mehr als 640×480 mit 256 Farben. Mit 16 Farben w√§re eine h√∂here Aufl√∂sung m√∂glich (800 x 600), aber so “unbunt” m√∂chten wir Windows nicht betreiben. Mehr Speicher gab es nur bei 16-Bit Grafikkarten, wobei die eine oder andere per Jumper zum Arbeiten in einem 8-Bit Steckplatz √ľberredet werden konnte. Wir werden irgendwann noch ein paar Versuche mit 16-Bit Grafikkarten durchf√ľhren, die mehr Videoram mitbringen und eine h√∂here Aufl√∂sung erm√∂glichen.

Fazit:

Was haben wir verbessert: schnellere 386er CPU (jetzt mehr als 9x schneller als ein IBM XT), 3MiB RAM, √ľppige 2GiB SCSI Festplatte, schnelle VGA Farbgrafik, zwei HD-Diskettenlaufwerke, ein Iomega Zip mit 100MiB, moderne Tastatur und Maus, ordentlicher Sound f√ľr Spiele und eine batterie-gepufferte Uhr.

F√ľr die Arbeit ausschlie√ülich mit XMS/EMS-speicherhungrigen DOS-Programmen der 1990iger Jahre kann unser XT aus dem Jahr 1983 durchaus noch benutzt werden. Aufgrund des nun m√∂glichen gro√üen Platten-Cache von 512KiB starten Programme wie Norton Commander 5.51 oder Word 5.5 sauschnell. Auch die sonstige Verarbeitungsgeschwindigkeit unter DOS ist ordentlich. Aber eigentlich war der Betrieb von Windows unser Ziel, und das wurde nur eingeschr√§nkt erreicht. Windows 3.0 l√§uft akzeptabel, aber nat√ľrlich genauso instabil wie auf anderen Rechnern auch und leider nur in der Standard-Aufl√∂sung. Microsoft Office 3.2 wurde installiert. Aber mehrere Programme gleichzeitig gestartet f√ľhrten wiederholt zu Abst√ľrzen. F√ľr die stabileren Nachfolger Windows 3.1 (1992) oder Windows for Workgroups 3.11 (1993) w√§re weiterer Speicher notwendig. Hierf√ľr k√§me nur das Intel Above Board Plus 8 in Frage. Zudem m√ľssen diese Windows-Versionen manuell “gepatched” werden, denn spezielle Versionen f√ľr das Inboard gab es davon nicht mehr. Grunds√§tzlich hinterfragt werden mu√ü nat√ľrlich der finanzielle Aufwand einer solchen Aufr√ľstung. 386er Clones waren 1990 schon f√ľr 3000DM (ca. 1500‚ā¨) erh√§ltlich (z.B. bei Vobis). Bei den damaligen Neupreisen f√ľr die Komponenten haben wir f√ľr diesen Umbau sicher wesentlich mehr ausgegeben.

Der auf 386-CPU und 3MiB RAM gepimpte IBM XT 5160 mit HD-Diskettenaufwerken, 2 GiB SCSI-Festplatte, Iomega Zip-100, IBM VGA Monitor, IBM MF2-Tastatur und serieller Microsoft Maus in seiner ganzen Pracht.

Ergänzung November 2022:

Das interne SCSI-Zip-Laufwerk hat sich verabschiedet (Click of Death). Wer uns eines spenden will, her damit.