
Gerne wird der NEC V20 verwendet, um einen 8088 zu ersetzen und damit einem PC/XT ein bißchen mehr Leben einzuhauchen. NEC erkannte die Verbesserungsmöglichkeiten, die der Intel 8088 bot und entwickelte den pin- und befehlskompatiblen V20. Als eine der ersten CPU-Alternativen für den IBM PC kam er Ende 1983 auf den Markt und war – bei gleicher Taktfrequenz – um 25-30% schneller als ein 8088. NEC produzierte auch einen schnelleren Ersatz für die 8086 CPU in Form des V30. Der Geschwindigkeitsvorteil des V20 beruhte darauf, das NEC neuere Befehle implementierte, die zwei Jahre zuvor mit dem Intel 80186 und 80286 eingeführt wurden. U.a. gibt es im Unterschied zum 8088 eine Hardwareunterstützung für die Adressberechnung, für Division und Multiplikation. Dadurch verdoppelte sich beim V20 die Anzahl der Transistoren im Vergleich zum 8088. Trotzdem wurde der V20 zu einem wirklich tollen Preis angeboten (1984 ca. 16US$), was den Umstieg interessant machte. Weitere Infos gibt es auf Wikipedia.
Findige Programmierer kamen bald auf die Idee, die zusätzlichen Möglichkeiten des V20 zu nutzen. Die universellste Möglichkeit ist dabei, die zusätzlichen Instruktionen des V20 bei BIOS-Calls zu benutzen, denn bereits ein speziell abgestimmtes BIOS müßte einen zusätzlichen Geschwindigkeitsvorteil bringen.
Das können wir jetzt testen, denn in unserem Platinen-Konvolut fiel ein XT-Mainboard Clone (X’GoldenBoard?) auf, auf dem sich ein spezielles Bios befand. Dieses wurde von einem Herrn Köhlmann 1987 entwickelt und über den heise-Verlag (Fachzeitschrift c’t) vertrieben bzw. veröffentlicht. Zumindest legt das die Beschriftung des ROM’s sowie die Copyright-Meldung nahe.

Leider wurde das Mainboard bereits etwas gefleddert, ein paar RAM’s fehlen und auch eine CPU fehlt. Letzteres werden wir natürlich mit einem V20 ersetzen, damit wir unseren Vergleichstest durchführen können. Für die beiden leeren RAM-Sockel (41256) haben wir Ersatz. Fraglich ist, warum dem Mainboard diese IC’s entnommen wurden. Naheliegend wäre, das es anderweitig defekt ist. Um das Board zu testen, muß eine Minimal-Konfiguration aufgebaut werden: MB, Grafikkarte, Monitor, Floppy-Controller plus Laufwerk und natürlich ein passendes Netzteil. Die Überraschung ist groß, daß das Board auf Anhieb funktioniert!
