Das Wichtigste vorab: das Vintage Computing Lab ist KEIN Museum. Wie es unser Name schon ausdrückt, sehen wir uns eher als Labor. Zwar beschäftigen auch wir uns mit der Darstellung von in die Jahre gekommener und i.d.R. obsoleter IT-Technik. Es soll aber auch aufzeigt werden, welchen Nutzen für den Anwender die Computertechnik in der Vergangenheit hatte. Und wir wollen darstellen, welch finanzieller Aufwand notwendig war, um einen Mehrwert in einem Bereich – sei es privat oder geschäftlich –  für den Anwender zu generieren. Diesen Aufwand können wir – schon aus zeitlichen Gründen – nicht bei jedem Modell erbringen, das ist uns klar. Aber einige Meilensteine der Computergeschichte werden wir auf diese Art analysieren. Und natürlich, wie die Hersteller ein erfolgreiches Modell weiterentwickelt haben. Wie die Leistung mit möglichst geringerem Aufwand immer weiter gesteigert wurde, um dadurch Neuentwicklungen für den Anwender noch attraktiver zu machen. Damit dies nachvollziehbar wird, sollte diese Technik auch möglichst im Originalzustand funktionsfähig und möglichst viel spezifische Software und Dokumentation vorhanden sein.

Natürlich ist der ideelle Ansatz nicht der einzige Grund, warum wir unsere Freizeit für dieses Projekt opfern. Wir sind auch Computer-Enthusiasten, denen der Umgang mit diesen alten Technik und deren Restauration Spaß macht. Vorrangig treibt uns aber die Überzeugung an, daß das Interresse jüngerer Menschen an den Grundlagen der EDV da ist und vielleicht sogar in Zukunft noch weiter steigt. Wir hoffen auf die Neugier der Jugend bei der Beantwortung der Frage(n): was war denn eigentlich vor dem Smartphone, seit wann gibt es die? Wann ist man eigentlich auf die Idee gekommen, einen Computer zu bauen und warum? Hat es ausser den heutigen IBM kompatiblen und Apple Rechnern auch noch was anderes gegeben? Wie konnten diese frühen Rechner mit dieser geringen Leistung überhaupt nützlich sein?
Die Beantwortung dieser und ähnlicher Fragen wird immer komplexer, je tiefer man bohrt, je weiter die Entwicklung voran schreitet und der Abstraktionsgrad noch weiter zunimmt. Die Geräte werden immer kleiner und die dahinter arbeitende Hardware verbirgt sich immer mehr vor dem Anwender. Man bekommt diese eigentlich gar nicht mehr zu Gesicht, da sich die Gehäuse nicht mehr einfach öffnen lassen – zumindest bei Notebook, Smartphone und Tablet. Eine ähnliche Entwicklung wie bei dem Automobil, bei dem es früher auch selbstverständlich war, das man nicht nur das Motorenöl, sondern auch den defekten Kühler oder den verrosteten Auspuff mal selber gewechselt hat.
Unser Ansinnen ist daher, der heutigen jungen Generation aufzuzeigen, welcher Kosten/Nutzen mit der damaligen Technik zu erzielen war, wie man arbeiten musste und wie die Ergebisse aussahen. Natürlich auch, welche Ansprüche ein Computeranwender zu welchem Preis in den 30 Jahren zwischen 1970 und 2000 stellen konnte.Vor allem die CPU’s und damit die grundlegende Leistungsfähigkeit von Computern haben sich in dieser Spanne permanent und schnell weiterentwickelt, von den ersten 4-Bit Mikroprozessoren TMS 1000 / Intel 4004 aus dem Jahr 1971 bis zum Intel Pentium 4 (64-Bit) im Jahre 2000.

Quelle: Technology Hardware Guide

Diese komplexen, aber spannenden Evolutionen bleiben den jungen Menschen verborgen, ausser jemand zeigt sie ihnen auf, visuell und mit einfachen Worten erklärt. Dabei dürfen nicht die technischen Aspekte im Vordergrund stehen, für deren Erkärung viele technischer Fachbegriffe notwendig wären, die dann sowieso keiner wirklich versteht. Daher geht zum Einen darum, welche Möglichkeiten sich marktwirtschaftlich für die Computer- und Software-Produzenten durch die technische Entwicklung eröffneten und es bis heute tun. Durch die immer leistungsfähigeren Hardware-Komponenten konnten sie immer wieder neue, innovativere und immer leistungsfähigere Software-Produkte generieren, die der Konsument haben wollte und bereit war, Geld dafür auszugeben. Zum Anderen ermöglichte jeder Leistungssprung bei der Hardware den Software-Herstellern, ihre Produkte nicht nur funktional zu erweitern, sondern auch bedienerfreudlicher zu gestalten. Es entstand eine Wechselwirkung zwischen Hard- und Software-Entwicklung, die bis heute anhält.

Aber warum sich mit – alleine schon durch ihr hohes Alter – unzuverlässig gewordener Hardware herunschlagen? Es gibt doch praktisch für jeden dieser historischen Computer Emulatoren, auf denen man die dafür gedachte, zeitgenössische Software laufen lassen kann. Das ist für uns nicht vergleichbar. Da fehlt die teilweise unverwechselbare Optik, die Haptik der Tastatur, das Handling der Datenträger, die Geräusche, einfach das ganze Gefühl, das sich beim Umgang mit einer so alten Maschine einstellt. Und welcher heute 20 jährige hatte schon mal ein gedrucktes Handbuch in einem Ringordner mit Schuber für eine Hard- oder Software in der Hand? Wer kann sich heute noch die Vielfalt von Computerzeitschriften und Fachbücher vorstellen? So ändern sich die Zeiten, denn auch sowas gibt es seit seit ca. 2005 praktisch nicht mehr.